Im Jahr 2000 erschien im Hause Goldsieber das Spiel Kardinal und König von Michael Schacht. Es ereichte die Auswahlliste und hat mich sehr fasziniert. Jetzt kommt bei Abacus ein Spiel namens China heraus. Dieses besitzt die grundlegenden Mechanismen von Kardinal und König, wurde aber stark überarbeitet.

Die Spielpläne zeigen die Karte von China um ca. 200 vor Chr. Dabei zeigen je zwei Provinzen die gleiche Hintergrundfarbe, nur Chu (violett) kommt nur einfach vor. Eine Wertungsleiste in Form der chinesischen Mauer umrandet einen Teil der Karte. Ich sagte Spielpläne, da vor Vorder- und Rückseite des Spielbrettes bedruckt sind: Ein Plan ist für drei und vier, der andere für vier und fünf Spieler gedacht. Sie zeigen die gleichen Bauplätze für Häuser, aber einunterschiedliches Straßennetz. Die Spielkarten zeigen die fünf Spielfarben und tragen den Schriftzug des bzw. der zugehörigen Provinzen. Jeder Spieler erhält drei Karten auf die Hand, vier werden offen ausgelegt, der Rest kommt als Nachzugstapel daneben. Außerdem erhält jeder Spieler Spielsteine: 20 Häuser seiner Farbe und 9 Abgesandte. Einer der Abgesandten wird an den Beginn der Wertungsleiste gesetzt.

Nun kann das Spiel beginnen. Zuerst muss man sich für eine der drei folgenden Möglichkeiten entscheiden

  1. Man kann eine Karte ausspielen, und ein Haus in eine gleichfarbige Provinz setzen, in dem noch kein Spielstein vorhanden ist.
  2. Ist in der Provinz, deren Karte man ausspielt, schon ein Spielstein vorhanden, können in dieses Land zwei Steine eingespielt werden. Hierzu muss man dann auch zwei Karten ausspielen. Man darf pro Zug nur in einem Land einspielen.
  3. Anstelle des Ausspielens von Karten, kann man genau eine Karte ablegen.

Am Ende des Spielzugs füllt man seine Hand wieder auf drei Karten auf. Dabei kann man beliebig von den offenen Karten oder dem verdeckten Stapel nehmen. Ist die Hand gefüllt, werden die ausgelegten Karten wieder auf vier vom Nachziehstapel ergänzt.
Fehlende Karten kann man durch einen "Joker" ersetzen. Dieser besteht aus einem Paar gleicher Karten. Die Spielanleitung gibt eine schöne 3-2-1 Regel vor: Ein Spieler kann mit bis zu 3 Karten maximal 2 Steine in 1 Land bringen.

Für das Ausspielen von Spielsteinen gelten folgende Regeln: Ein Haus wird auf einen Hausbauplatz in der Farbe der gespielten Karte gesetzt. Ein Abgesandter wird auf das Drachenfeld eines Landes in der Farbe der gespielten Karte gesetzt. Die Anzahl aller Abgesandten in einer Provinz darf die Mehrheit des Führenden an Häusern nicht überschreiten. Dabei ist es unerheblich, wem die Häuser und wem die Abgesandten gehören.

Im Spiel gibt es mehrere Wertungen: Sind in einem Land alle Häuserpunkte besetzt, kommt es zu einer Länderwertung. Derjenige mit den meisten Häusern in dieser Provinz bekommt so viele Punkte wie dort Häuser stehen. Der zweite so viele Punkte, wie der erste Häuser hat. Bei Gleichstand bekommen beide die Punkte. Nach der Wertung wird das Land mit einem Wertungsstein als gewertet markiert. Das Spiel ist beendet, wenn der Kartenstapel zweimal durchgespielt wurde. Ist er leer, wird die laufende Runde noch zu Ende gespielt.

Dann kommt es zu Schlusswertung: Zuerst werden Länderwertungen für alle nicht gewerteten Länder durchgeführt. Dann werden die Bündnisse bewertet. Zwischen allen Ländern, die eine gemeinsame Grenze haben, kann es Bündnisse durch Abgesandte geben. Diese Grenzen sind mit einer Zahl markiert und man arbeitet sich von 1 bis 15 hoch. Besitzt ein Spieler die Mehrheit in beiden Ländern bekommte er die Summe der Anzahlen der Räte in beiden Ländern als Punkte. Bei Gleichheit hat man schon Mehrheit. Als letztes werden Straßen gewertet. Hat man über Straßen eine Häuserkette aus mindestens vier Häusern, so bekommt man für jedes Haus der Kette einen Punkt. Wer die meisten Punkte hat gewinnt.

Als Variante wird noch das Spiel mit Befestigungen genannt. Hier erhält jeder Spieler einen neutralen Befestigungsstein. Dieser wird genauso wie die normalen Spielsteine auf einen Hausplatz eingespielt. Wird ein Haus auf die Befestigung gespielt, so bekommt der Besitzer des Hauses in der Länderwertung doppelte Punktzahl und auch eine Straße, die über diese Befestigung führt, bringt doppelten Gewinn. Erfahrene Kardinal und König Spieler werden sagen, die Regel hat sich kaum geändert, nur die Zwischenwertung fällt weg, bzw. wird durch die Befestigungen ersetzt. Das ist richtig, und das Spielgefühl ist ähnlich. Doch China ist mehr als eine Neuauflage.

Die Neuerungen beeinflussen das Spiel kräftig. Durch das Wegfallen der Zwischenwertung werden Häuser einerseits etwas abgewertet, andererseits stärken die Befestigungen sie wieder. Die neuen Spielpläne sind eindeutiger. Man sieht sofort, welche Bündnisse es gibt, bzw. nicht gibt. Fallen wie Schwaben - Italien oder Aragon - England in Kardinal & König gibt es nicht mehr. Da immer vier Karten ausliegen, kann man im Prinzip in jeder Runde einen Joker bekommen, man ist also nicht ganz so stark vom Kartenglück abhängig.

Das Spielgefühl von Kardinal und König ist vorhanden, und meine Bewertung dieses Spieles kann man größtenteils übertragen. Doch das Spiel ist schlanker und intuitiver geworden, wurde dem augenblicklichen Trend zum schnellen Einstieg angepasst und lässt sich deutlich einfacher als Kardinal und König erklären. Manchen alten Spieler stört es, dass es jetzt Chu oder Qui statt Frankreich oder Lothringen heißt, vor allem, da Anzahl und Farben der einzelnen Länder übernommen wurden. Die Anordnung wurde jedoch leicht verändert.

Ich habe sicherlich 50 Kardinal & König am Tisch und knapp 800 in der Brettspielwelt gespielt und finde es jetzt interessant zu sehen, ob einige der alten Taktiken noch funktionieren. Das Wissen um die Grundmechanismen ist vorhanden, doch die neuen Landkarten machen es sehr reizvoll. Es ist zwar zu kein absolut neues Spiel, doch auch gegen Neulinge, ist der Sieg schwieriger, vor allem, da der Einstieg leichter fällt.

Ich mochte Kardinal & König schon sehr gern. Daher kann ich China unbedingt empfehlen, denn hier wurden die Dinge, die das Ursprungsspiel unübersichtlich machten, weggelassen. Es ist eingängiger und entspricht mehr dem spielerischen Zeitgeist. (bd)

Steckbrief
China

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Michael Schacht Abacus 3 - 5 ab 12 Jahre ca. 45 Minuten Michael Schacht