Carcassonne ist ein sehr erfolgreiches Spiel. Dies erkennt man nicht nur an den Auszeichnungen, die Carcassonne bekommen hat, sondern auch daran, dass es inzwischen zu einer Spiele-Familie mit vielen Erweiterungen und etlichen eigenständigen Spielen gibt. Kleine Erweiterungen sowie ein Almanach runden derzeit das Geschehen um die südfranzösische Stadt ab.

Anfang Das neueste Produkt in der Carcassonne-Familie heißt Neues Land. Verantwortlich als Autor zeichnet sich Leo Colovini, der unter anderem durch Clans bekannt wurde. Dieses neue Carcassonne enthält 84 Plättchen, die bis zu vier Motive zeigen können. Drei Motive sind die Landschaften, über die auch das Anlegen bestimmt wird. Es gibt Ebenen, Gebirge und Wasser. Als viertes Motiv gibt es Städte, die sich immer zwischen zwei Landschaften befinden.

Was den Spielablauf angeht, sind die Ähnlichkeiten zum Basisspiel klar erkennbar: Es gibt Landschaftsplättchen und Gefolgsmänner. Zu Beginn seines Zuges nimmt man ein Plättchen von den verdeckten Plättchen, deckt es auf und legt es an. Dabei müssen die Landschaften, die aneinander stoßen, identisch sein. Danach darf man einen Gefolgsmann setzen oder - und das ist neu - einen Gefolgsmann von der Auslage herunter nehmen. Setze ich eine Gefolgsmann auf das soeben gelegte Kärtchen, so gilt weiterhin die Regle, dass die Region - hier also die Landschaft - noch nicht besetzt sein darf. Nimmt man hingegen einen Gefolgsmann herunter, so erhält der Spieler dafür Punkt. Bis auf das Spielende ist dies die einzige Möglichkeit Punkte zu bekommen, denn abgeschlossene Landschaften werden weder automatisch gewertet noch kommen die Gefolgsmänner automatisch zurück in den Spielervorrat. Die Wertung ist pro Landschaft unterschiedlich und berücksichtigt auch, ob die Landschaft abgeschlossen oder noch offen ist.

Landschaft Offen Geschlossen
Ebene 1 Punkt pro an der Ebene beteiligtem Plättchen 2 Punkt pro an der Ebene beteiligtem Plättchen
Gebirge 1 Punkt pro Stadt im Gebirge und 1 Punkt pro Stadt in angrenzenden Ebenen 2 Punkt pro Stadt im Gebirge und 1 Punkt pro Stadt in angrenzenden Ebenen
Wasser 1 Punkt pro Stadt an der Wasserfläche 1 Punkt pro Stadt an der Wasserfläche und 1 Punkt pro an der Wasserfläche beteiligtem Plättchen

Abgeschlossene Landschaften, an denen genau zwei Plättchen beteiligt sind, unterliegen einer Abwertung: sie werden gewertet, als ob sie noch offen sind; hier gleicht die Regle also der ersten Regelversion für Carcassonne bezüglich der Städte.

Das Spiel endet, sobald alle Plättchen angelegt wurden. Gefolgsleute, die sich nun noch in der Auslage befinden, bringen auch noch Punkte. Dabei werden sie immer noch der Formel für offene Landschaften abgerechnet, auch wenn die Landschaft real abgeschlossen ist. Wer nach dieser Endabrechnung die meisten Punkte hat, ist Sieger.

Mittelspiel Zunächst klingt das neue Land nach einer fast konkurrenzfreien Version, denn weder gibt es Mehrheiten noch kann man Gefolgsleute verbauen. Erst nach ein paar Spielen erkennt man die Möglichkeiten, anderen durch gezielten Verbauen und vor allem Zubauen der Landschaften den Punktestand niedrig zu halten. Mit nur vier Gefolgsmännern ist der Vorrat sehr klein und oft sind sie alle auf der Auslage platziert. Ich bin dann nicht mehr in der Lage halbfertige Auslagen zu besetzen. Dies können Mitspieler dann ausnutzen und evtl. eigene Vorlagen bauen. Als betroffener Spieler hingegen habe ich die schwere Entscheidung, ob ich einen Gefolgsmann zurücknehme oder nicht. Einerseits können die Landschaften wertvoller werden (Gebirge sogar noch, nachdem sie geschlossen wurden), andererseits ist jede Runde, in der ich keinen Gefolgsmann bewege - egal ob in die Auslage hinein oder von ihr runter - eine Runde, in der ich nichts für meinen Punktestand tue.

Gerecht ist auch dieses Carcassonne nicht: Ein Plättchen zeigt zwei Städte am Wasser, andere nur eine Landschaft und das ohne Stadt. Das richtige Plättchen kann immer noch der Mitspieler ziehen. In der Expertenvariante kommt jetzt jeder Spieler gleich oft an die Reihe; leider ist dort ein Fehler unterlaufen, denn bei fünf Spielern müssen drei Plättchen beiseite gelegt werden.

Ich persönlich finde eigenständige Spiele in der Carcassonne-Familie interessanter als Erweiterungen. Mir gefallen die Jäger und Sammler auch sehr gut, während mich die Burg, obwohl eigenständig, eher enttäuscht hat. Die Stadt war angenehm anzuschauen, wurde dennoch nur selten von mir gespielt. Das wird mit dem neuen Land nicht passieren.
Ich liebe diese ruhige, friedliche Stimmung dieses Carcassonne, bei dem es dennoch genügend Möglichkeiten gibt, die Mitspieler zu ärgern. Wegen der Stimmung ist es für mich auch ein Carcassonne, das gut mit Kindern zu spielen geht. Hier wird dann meist sehr konstruktiv gebaut, was die Stimmung positiv belässt und zu einer ästhetischen Ausbreitung der Landschaft führt. Für Carcassonne-Fans ist Neues Land ein Muss, für alle anderen eine wirkliche Alternative zu den anderen Produkten der Carcassonne-Familie. (wd)

Steckbrief
Carcassonne
Neues Land

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Klaus-Jürgen Wrede
Leo Colovini
Hans im Glück 2 - 5 ab 8 Jahre 30 - 45 Minuten Fabio Visintin
Stefano Mondini