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Sankt Petersburg ist eine russische Stadt an der Ostesee. Sie war schon einmal die Antwort bei Wer wird Millionär?, nämlich bei der Frage nach der nördlichsten Millionenstadt der Welt. Damit es soweit kam, musste Sankt Petersburg erst einmal gegründet und zu der heutigen Größe ausgebaut werden. Deshalb begeben wir uns zurück in die Gründerzeit von Sankt Petersburg.

Das Gründungsgeld von 25 Rubel ist der einzige Besitz eines jeden Spielers, um die Stadt zu errichten. Damit dieses Vorhaben gelingt müssen Handwerker eingestellt , Gebäude errichtet und Adlige in die Stadt geholt werden. Die Handwerker können später sesshaft, die Gebäude umgebaut und die Adligen befördert (oder auch degradiert) werden.
Ein Durchgang unterteilt sich immer in vier Runden. In jeder Runde steht eine Sache im Mittelpunkt. Zunächst Handwerken, dann Gebäude, Adlige und zum Schluss die Ausbauten. Das Spiel beginnt damit, dass pro Spieler zwei Handwerker ausgelegt werden. Die Auslage besteht aus zwei Reihen à acht Spalten und oben liegen immer die neuen Karten. Nachdem die Karten ausgelegt wurden, wählen die Spieler reihum eine von vier Aktionen.
Die einfachste Aktion ist das Nichtstun, kurz mit einem "Passé" kommentiert. Beim Kauf nimmt man sich eine Karte aus der Auslage, bezahlt sie und legt sie vor sich aus. Da das Geld nicht immer reicht, kann man bis zu drei Karten bunkern, indem man sie auf die Hand nimmt. Und damit haben wir die beiden anderen Aktionen: Karte auf die Hand nehmen oder Karte von der Hand auslegen. Dabei geht das Auslegen von der Hand genauso vor sich wie ein Kauf aus der Auslage.
Am Ende einer jeden Runde - ausgenommen nach den Ausbauten - gibt es Rubel und Siegpunkte und zwar genau für den Kartentyp, dem die Runde gewidmet war. Dabei geben die Handwerke viel Geld und wenig Siegpunkte. Die Gebäude sind genau andersherum und die Adligen sind eine gute Mischung. Danach werden alle leeren Spalten mit Karten des neuen Runde aufgefüllt; so dass immer acht Karten zur Wahl stehen.

An Ende eines Durchgangs, also nach den Ausbauten, gibt es weder Rubel noch Siegpunkte. Dafür werden nicht verkaufte Karten von oben nach unten geschoben, was sie preiswerter macht. Karten, die schon unten lagen und trotz Preisreduzierung nicht gekauft werden, kommen aus dem Spiel. Außerdem wechseln die Startspieler, denn für jede Runde gibt es einen anderen Startspieler. So kommt jeder Spieler mal in den Genuss, jede Runde anzufangen.
Zu dem ganzen kommen noch ein paar Sonderregeln, z. B. weitere Preisreduzierungen, sowie die Regeln für Ausbauten, die nicht direkt gebaut werden können, sondern andere Karten ersetzen. Weiterhin gibt es Gebäude mit Sonderfunktionen.
Wenn während eines Durchgangs ein oder mehrere Kartenstapel aufgebraucht werden, wird der Durchgang noch zu Ende gespielt. Danach gibt es einmalig Zusatzpunkte für verschiedene Adlige, die ein Spieler vor sich liegen hat sowie Minuspunkte für Karten, die immer noch auf der Hand verweilen. Schließlich sind 10 Rubel auch noch einen Siegpunkt wert. Wer dann die meisten Siegpunkte aufweist, ist Sieger.
 

Sankt Petersburg ist ein Spiel mit einfachen Regeln, dass trotzdem viele Möglichkeiten bietet. Die Grundidee ist dabei sehr simpel: Ich habe Geld, davon kaufe ich etwas, was Geld und/oder Siegpunkte bringt. Das kennen wir aus der realen Welt. Entweder wir sparen unser Geld und kassieren Zinsen oder wir leisten und schöne Dinge davon. Und manchmal möchten wir etwas haben und können es uns nicht leisten: Während dann real nur ein Kredit hilft, kann man bei Sankt Petersburg Karten auf die Hand nehmen. Wer zu viel auf die Hand nimmt, beraubt sich seines Spielraums wie der Mensch, der von seinen Schulden erdrückt wird. Da ist es gut, dass hier keine Überschuldung droht, sondern nur Minuspunkte. Die können höchstens den Sieg kosten.
 

Was das Spielgefühl angeht, bietet Sankt Petersburg eine gute Mischung aus eigenen Entscheidungen und Glück. Man weiß nie genau, was kommen wird, aber es wird immer etwas Brauchbares sein. Die Frage ist nur, für wen? Bei den Entscheidungen hingegen ist es am wichtigsten, für Geldnachschub zu sorgen ohne die Siegpunkte zu vernachlässigen. Handwerker sind da eine Pflicht, aber gegen Spielende nicht mehr von großer Bedeutung. Gebäude bringen Siegpunkte, binden aber Kapital. Andererseits gibt es Ausbauten, die genau das ändern. Adlige sind eine Mischung aus beidem, bringen sie weniger Geld als Handwerker und weniger Siegpunkte als Gebäude. Dafür haben sie als einzige eine Abschlusswertung. Der Geldmangel führt zum ewigen Zwang des Sparens, aber der Wert Karten in Form von Rubel und Siegpunkten zwingt zum Kauf, nur was? So haben die Spieler eine Vielzahl von Entscheidungsmöglichkeiten. Dass teure Karten ein besseren Geld/Siegpunkte-Kosten-Verhältnis haben als preiswerte Karten macht die Entscheidungen nicht eben leichter.
So spielt man eine knappe Stunde, merkt nicht wie die Zeit vergeht und erfreut sich nebenbei auch noch an der schönen und liebevollen Gestaltung der Karten. So müssen Spiele sein. (wd)

Steckbrief
Sankt Petersburg

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Michael Tummelhofer Hans im Glück 2 - 4 ab 10 Jahre 45 - 60 Minuten Doris Matthäus