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Ich weiß nicht wofür sie sitzen, aber ich weiß definitiv, dass sie sitzen, unsere sechs Kumpel aus früheren Tagen: Doppelkinn Paule, Knutschflecken Tom, Schlitzaugen Harry, Schmalzlocken Johnny, Zahnlücken Charly und Ziegebart Joe. Der Freiheit beraubt warten sie auf die Hilfe ihres letzten freien Kumpels, nämlich auf uns, die Spieler. Jeder Spieler hat seinen persönlichen Freund im Gefängnis und natürlich wird nur noch an eines gedacht: die Gitterstäbe des Kumpels zu beseitigen und ihm zur Flucht zu verhelfen.

Ja, die Gitterstäbe, die sind es, die wirklich stören, stehen sie doch nicht nur unseren Knackis im Weg, sondern hindern uns auch am Sieg. Deshalb müssen sie weg. Hilfe gibt es dafür bei einem Würfel - meistens, denn Pech hat, wer den Wärter würfelt. Er darf dieses Mal nichts tun. Bei allen anderen Würfen gibt es eine Zahl zwischen 1 uns 5. Damit dürfen 1 bis 5 Stäbe bewegt werden. Der erste Stab geht aus dem Spiel, weitere Stäbe werden von einer Gefängniszelle zur anderen verschoben. Nach und nach werden es so weniger Stäbe und wem es gelingt, die Gitterstäbe seines Knackis komplett zu beseitigen, ist der Sieger.

sechs schwere Jungs hinter Gittern

Das Spiel hat sehr einfache Regeln: Würfeln, Stab in die Spielschachtel legen und anschließend weitere Stäbe verschieben. Das ist so einfach und übersichtlich, dass jedem sofort klar wird: Wenn ich dem nachfolgenden Spieler einen Knacki mit 5 oder weniger Stäben hinterlasse, hat er eine Chance Sieger zu werden. Als Folge werden die Stäbe hin- und her verteilt, wobei tunlichst darauf geachtet wird, dass auch jede Zelle von mindestens 6 Gitterstäben gesichert ist. Daran ändern auch einige Bluffversuche nichts, die ersten 24 Aktion und ein paar Wächter sorgen dafür, dass nun jeder Knacki noch 6 Gitterstäbe hat. Danach muss man dem Nachfolger eine Chance einräumen, Sieger zu werden. Irgendwann erwischt einer den falschen Knacki und ein Spieler beseitigt durch einen guten Würfelwurf auch die letzten Stäbe.
Lustiger geht es bei den Knastbrüder zu, wenn ein Spieler ein Ungleichgewicht ins Spiel bringt und schon vorher mal eine Zelle in den Gitterstäben stark verringert. Vielleicht begräbt er noch einen der Insassen unter einer großen Menge Gitterstäbe. Dann wird vermutet und gewitzelt. Das alles ändert am Spielverlauf nicht viel, außer dass ein solcher Spieler taktisch schlecht spielt und sich um seine eigenen Gewinnchancen bringt.
Schlimmer noch als das Spiel in großer Runde ist das Spiel zu zweit. Mehr Spaß, so steht es in der Regel, bringt es, wenn jeder Spieler zwei Knackis befreien muss und der Sieger erst feststeht, wenn man beide befreit hat. Bluff ist damit kaum noch möglich. Statt dessen geht es darum, wer möglichst hoch würfelt und somit mehr Gitterstäbe von seinen Knastbrüdern entfernen kann.
So hinterlässt das Spiel einen unausgereiften Eindruck. Wer Bluffspiele liebt, bei dem jeder jede Figur ziehen darf (oder wie hier alle Spielutensilien nutzen darf), ist mit Heimlich & Co besser bedient. Dieses Spiel ist weitaus besser, bietet mehr Bluffmöglichkeiten und schöne Varianten. Warum Amigo diesem Spiel eine schlechte Konkurrenz im eigenen Hause verschafft, bleibt mir verschlossen (wd)
 

Steckbrief
Die Knastbrüder

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Jürgen Heel Amigo 2 - 5 ab 8 Jahre 20 Minuten Simon Wint