Industria lässt uns 600 Jahre Industrialisierung nachspielen.
Im Verlauf von vier (bei drei Spielern) beziehungsweise fünf (bei vier Spielern) Epochen baut man Fabriken und entwickelt Technologien. Dies wird alles in einen Versteigerungsmechanismus eingebunden. Jeder dieser Epochen sind 12 Industriekärtchen zugeordnet. Diese Kärtchen zeigen Fabriken, Rohstoffe, Technologien oder Bonusse. Der Spielplan wird mit einem Siegpunktmarker für jeden Spieler auf der Zählleiste in die Mitte gelegt. Die Kärtchen werden nach Epochen sortiert und getrennt gemischt. Jeder Spieler erhält 4 Taler und 20 Besitzmarker, und das Spiel kann beginnen.
Zu Beginn einer
jeden Spielrunde bekommt jeder Spieler einen weiteren Taler. Dann werden
so viele Plättchen aufgedeckt, wie Spieler teilnehmen. Der Startspieler
wird nun zum Auktionator und bietet eines der aufgedeckten Plättchen
zum Kauf an. Beginnend mit dem linken Nachbarn darf dann jeder Spieler einmal
bieten. Haben alle anderen ihr Gebot abgegeben, kann der Versteigerer
entscheiden, ob er das Teil aushändigt und das Geld kassiert, oder ob
er das Kärtchen selbst behält. Dann muss er nichts zahlen, aber
das Versteigerungsrecht wechselt einen Platz nach links. Sind alle Kärtchen
verteilt, beginnt der Startspieler mit dem Auslegen/Bauen seiner
Plättchen.
Hierzu bezahlt man die auf dem Kärtchen angegebene Summe Taler, gibt
evtl. benötigte Rohstoffe ab, legt das Plättchen vor sich ab und
markiert das entsprechende Feld wenn man Fabrik oder Technologie ausgelegt
hat auf dem Spielplan mit einer Besitzmarke. Für alle Technologien und
einige Fabriken gibt es beim Bau Siegpunkte Pro Spielrunde darf man von jedem
Kärtchentyp höchstens eins
auslegen.
Da man gelegentlich ein ersteigertes Plättchen nicht bauen
will oder aus Rohstoff- oder Geldmangel nicht bauen kann, darf man diese
in den meisten Fällen für später aufbewahren. Haben alle gebaut,
was sie wollten, wechselt der Startspieler und es kommt zur neuen Spielrunde.
Ist eine Epoche beendet, müssen nach der letzten Bauphase dieser Epoche
alle nicht gebauten Technologien weggelegt werden. Fabriken können auch
später noch gebaut werden, sie bringen dann jedoch keine Siegpunkte
mehr für den Bau.
Sind alle Epochen durchgespielt, kommt es zur großen Abrechnung. Einige der Fabriken sind durch Wege auf dem Spielplan verbunden. Für jeden Weg, dessen beide Endpunkte man besitzt, bekommt man 3 Punkte. Gleiches gilt für zweier Technologien, die durch eine Linie verbunden sind. Einige Fabriken besitzen ein Bonusmarkierung, z. B. Gleise oder einen Anker. Hat man ein solches Bonusplättchen ausgespielt, erhält man für jede eigene Fabrik, die dieses Zeichen trägt, 2 Siegpunkte.
Die bisherige Beschreibung lässt erahnen, das es sich hier um ein stark verzahntes Spielgeschehen handelt. Sind bestimmte Fabriken noch nicht erbaut, können Folgegebäude oder Folgetechnologien, die die Produkte benötigen, nicht mehr ausgespielt werden. Daher gibt es riskante und nicht riskante Unternehmungen. Man braucht einige Spiele, um ein Spielgefühl für Industria zu entwickeln. Helfen können dabei die Tipps, die Michael Schacht auf seiner Website gibt.
Das
Ärgerpotential, dass dieses Spiel besitzt sollte man auch nicht
unterschätzen. Man bietet ein Plättchen an, von dem man meint,
dass es den Mitspielern einiges an Geld wert ist, doch alle passen. Dann
muss man es behalten, bekommt kein Geld und verliert außerdem noch
das Versteigerungsrecht. Gerade der Geldmangel ist hier sehr gefährlich.
Ersteigert man eine Fabrik und kann sie dann nicht bauen, verliert man oft
Siegpunkte oder auch das Geld, das man bekäme, wenn der entsprechende
Rohstoff gekauft würde. Ist nämlich eine Epoche beendet und die
Fabrik wurde nicht gebaut, kann man die Rohstoffe in den Folgeepochen bei
der Bank kaufen, solange die Fabrik nicht steht.
In unserem Spielkreis
kam das Spiel durch Freunde von Versteigerungsspielen auf den Tisch. Freunde
von Aufbauspielen werden hier nicht so zufrieden sein, denn durch Rohstoff
und Geldmangel wird vieles schwer planbar. Man kann zwar fröhlich drauf
los spielen, doch dafür ist die Spieldauer von 60 Minuten, die wir meist
recht stark überschritten, etwas zu lang, und der Frust, wenn man dann
in der letzten Epoche nur noch reiner Zuschauer ist, kann einem das Spiel
schon verleiden.
Daher sollten sich nur diejenigen an das Spiel wagen, die Versteigerungsspiele lieben bzw. diejenigen, die nichts dagegen haben, ein Spiel erst nach mehreren Wiederholungen zu verstehen. (bd)
Steckbrief |
Autor | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Grafik |
| Michael Schacht | Queen Games | 3 - 4 | ab 10 Jahre | ca. 60 Minuten | Hans-Jörg Brehm |