Sehr viele Spiele haben einen historischen Hintergrund. Das Mittelalter und das Altertum sind dabei als Themen besonders beliebt. Im Altertum gibt es etliche Spiele, die um und in Griechenland spielen, was sicher an der damals dort ansässigen Hochkultur bzgl. Politik und Wissenschaft lag. Wenn es dann dabei um Eroberungen geht, ist Alexander der Große eine gern genommene Figur. Hier gab er in der griechischen Schreibweise dem Spiel sogar den Titel.
Die Figur des Alexandros ist dabei für alle Spieler neutral.
Eine Landkarte zeigt Vorderasien und reicht bis Ägypten und den heutigen
Iran. Alexandros beginnt seinen Feldzug dort, wo sich in der damaligen Zeit
ungefähr die Stadt Troja befunden hat. Die Landkarte ist mit einem
dreieckigen Raster überzogen. Etliche Felder enthalten eines von fünf
Symbolen, die anderen Felder sind frei. Die fünf Symbole befinden sich
auch auf Karten, von denen jeder Spieler zu Beginn eine zufällige auf
die Hand bekommt. Dazu bekommt jeder Spieler noch die vier Stadthalter seiner
Farbe.
Reihum führen die Spieler ihren Zug aus. Er besteht aus zwei Teilen.
Zunächst wird Alexandros bewegt, bevor der Spieler zwei Aktionen
ausführt. Um Alexandros zu bewegen, wählt der Spieler entweder
eine von zwei offen liegenden Karten aus (die er dann auf die Hand nimmt)
oder er wählt eine seiner Handkarten aus (die er dann ablegt). Das Symbol
auf der Karte gibt an, wohin Alexandros ziehen wird. Er bewegt sich zum
nächsten freien Feld mit dem Symbol; frei bedeutet dabei, dass an diesem
Feld weder eine Begrenzung liegen darf, noch Alexandros an diesem Feld aktuell
steht. Der Spieler wählt dann eine der drei Ecken aus: Dies ist das
neue Feld des Alexandros. Den Weg, den Alexandros dabei zurücklegt,
markiert der Spieler mit Begrenzungen. Er muss dabei den kürzesten Weg
wählen. Gibt es mehrere kürzeste Wege, entscheidet der Spieler,
welchen Weg Alexandros nimmt.
Nach der Bewegung von Alexandros führt der Spieler zwei
Aktionen aus. Hierzu stehen ihm vier verschiedene Aktionen zur Auswahl. Die
einfachste Aktion ist das Aufnehmen einer Karte. Dies kann entweder eine
offenliegende sein oder aber die oberste des verdeckten Stapels. Diese Karten
benötigt man, um (größere) Provinzen in Besitz zu nehmen.
Durch den Spielfeldrand und durch die Begrenzungen werden diese abgeteilt.
Um eine Provinz in Besitz zu nehmen - dies ist eine weitere Aktion - sttellt
man mindestens einen Stadthalter auf ein Feld mit einem Symbol. Man darf
weitere Stadthalter auf die anderen Felder mit Symbolen stellen, verhindert
damit aber, dass man für die Provinz steuern bekommt. Für jedes
freigelassene Feld mit einem Symbol muss man nun eine Karte mit dem passenden
Symbol ablegen. Man kann auch eine bereits besetzte Provinz in Besitz nehmen.
Hierzu zahlt man zunächst zwei Karten mit dem passenden Symbol für
jeden Stadthalter, den der Besitzer dort platziert hat. Anschließend
muss man die Provinz wie vorher beschrieben, besetzen. Der verdrängte
Spieler erhält als Entschädigung die Hälfte der für die
Verdrängung und Besetzung gespielten Karten.
Für den Sieg sind die Punkte entscheidend, die man mit den Steuern kassiert.
Um diese Aktion auszuführen spielt man eine Karte mit einem Symbol,
zu dem man einen entsprechendes Feld mit einem eigenen Stadthalter besitzt.
Dann gibt es für alle Provinzen, auch die der Mitspieler, Steuereinnahmen,
aber nur, wenn sich dort exakt ein Stadthalter befindet. Die Höhe der
Steuern entspricht der freien, also symbollosen Felder in der jeweiligen
Provinz. Während man alle anderen Aktionen auch zwei Mal ausführen
darf, ist die Erhebung von Steuern nur einmal während eines Zugs erlaubt.
Als letzte mögliche Aktion kann ein Spieler einfach einen eigenen
Stadthalter aus einer Provinz entfernen.
Das Spiel kann auf zwei Arten enden: Entweder ein Spieler hat mehr als 100
Punkte oder beim Bau der Begrenzungen reichten die schwarzen Begrenzungen
nicht mehr und eine der roten musste gelegt werden. Gewonnen hat in beiden
Fällen der Spieler mit den meisten Punkten.
Alexandros ist in der Reihe der kleinen quadratischen Spiele
von Winning Moves das anspruchsvollste Spiel und laut Aussage des Verlags
befindet es sich damit am oberen Ende der Skala für den Anspruch. Dies
spiegelt sich in den vielen Entscheidungen wider, die der Spieler während
eines Spielzugs treffen muss. Durch die Karten gibt es dabei einen Zufallsfaktor,
so dass sich der Spieler immer wieder auf die aktuelle Situation einstellen
muss und kein Spiel dem anderen gleicht. Dies dokumentiert sich bei mir auch
darin, dass es Spiele gab, bei denen der Sieger die 100 Punkte
überschritten hat als auch Spiele, bei denen er nicht einmal derer 30
erreichte.
Der Ablauf des Spiels ist zunächst etwas ungewohnt, weil
man in seinem Zug sowohl eine neutrale Figur bewegt, als auch anschließend
mit dem Ergebnis individuelle Aktionen durchführt. Schon nach einem
Spiel offenbaren sich die taktischen Möglichkeiten. Ein Gebiet muss
nicht übernommen werden, um fremden Spielern die vielen Punkte
vorzuenthalten; preiswerter ist oft die Teilung durch geschickt
durchgeführte Züge seitens Alexandros. Dies ist besonders bei
großen Gebieten für den Besitzer schmerzhaft, weil er viele Karten
in den Besitz investiert hat. Für die individuellen Aktionen befindet
man sich immer in mehreren Dilemmas: Wenn man ein Gebiet besetzt, muss man
Karten abgeben und beraubt sich so weiteren taktischen Möglichkeiten,
wartet man aber zu lange, so kann man keine Punkte erzielen. Die Punkte machen
dann auch das zweite Dilemma aus. Kleine Gebiete sind einfach zu besetzen,
bringen früh Punkte und Mitspieler akzeptieren leichter ein Gebiet,
dass bei einer Wertung von ihnen einem Mitspieler ein oder zwei Punkte bringt.
Bei weniger als vier Spielern besitz man außerdem zuwenig Stadthalter
und wenn sie dann in zu kleine Gebiete gesetzt werden, kostet es eine
zusätzliche Aktion sie zurückzuholen. Gerade gegen Ende des Spiels
ist dies von Nachteil, weil oft genug ein Gebiet übernommen wird, um
direkt danach zu werten. Der fehlende Stadthalter macht ein solches Vorgehen
unmöglich.
Diese taktischen Möglichkeiten gepaart mit einem moderaten Ärgerfaktor
machen die Qualität Alexandros aus. Ich kann dieses Spiel allen Freunden
taktischer Spiele bestens empfehlen, denn trotz der kleinen Schachtel kann
es sich mit den Flaggschiffen vieler Verlage messen. (wd)
Steckbrief |
Autor | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Tietelbild/Illustration |
| Leo Colovini | Winning Moves | 2 - 4 | ab 10 Jahre | ca. 30 Minuten | Grafik Studio Krüger |