Es gibt ein Spiel namens Mafia, bei dem die Spieler in einem großen Kreis sitzen. Teile eines normalen Blattes werden dazu verwendet, die Spieler in gute Bürger und Mafiosi zu unterteilen. Nachdem feststeht, wer welcher Fraktion angehört, beginnt das Spiel mit einer Nacht und in jeder Nacht bringen die Mafiosi einen Spieler um, sprich: der Spieler scheidet aus. Am Tag dann sind alle Bürger - die Mafiosi tarnen sich tagsüber als gute Bürger - empört über den Mord. Weil man einen Schuldigen braucht, beschließen die Bürger, einen der ihren am nächsten Galgen aufzuhängen, sprich: ein weiterer Spieler scheidet aus. Irgendwann sind nur noch gute Bürger im Spiel, dann haben sie gewonnen, oder die Mafiosi sind in der Mehrheit. Dann sind sie nicht mehr zu stoppen und sind Sieger.

Die Werwölfe vom Düsterwald sind eine Weiterentwicklung
diese Mafia-Spiels. Die Spieler bilden wieder den Stuhlkreis, der dieses
Mal das kleine Dorf "Düsterwald" darstellt. Per Karten werden die Spieler
in gute Dorfbewohner und böse Werwölfe unterteilt. Dazu gibt es
viele Sonderrollen, die teilweise einmalig, teilweise auch über das
ganze Spiel gelten. Alle Sonderrollen sind zusätzlich gute Dorfbewohner.
Nachdem in der ersten Nacht alle Dorfbewohner - die Werwölfe sind unter
den Dorfbewohnern - eingeschlafen sind, werden zunächst ein paar
Sonderrollen (sofern sie im Spiel sind) wach.
Das ganze beginnt beim Dieb. Er signalisiert dem Spielleiter, ob er guter
Dorfbewohner oder böser Werwolf sein möchte bzw. der Spielleiter
teilt ihm mit, was er ist. Seine Karte wird mit einer Reservekarte getauscht
und der ehemalige Dieb schläft wieder ein. Danach erwacht Amor: er bestimmt
zwei Spieler, die ein Liebespaar bilden. Dieses darf auch aus
gleichgeschlechtlichen Spielern bestehen. Dieses Liebespaar wird im weiteren
Verlauf zusammenhalten. Selbst wenn einer des Paares ausscheidet, wird ihm
der andere folgen. Nachdem Amor die beiden bestimmt hat und wieder schläft,
wird das Liebespaar kurz geweckt, damit es sich erkennt.
Von jetzt an läuft die Nacht so ab, wie die darauffolgenden Nächte.
Zuerst erwacht die Seherin. Sie zeigt auf einem Mitspieler und bekommt vom
Spielleiter gezeigt, ob es sich um einen Werwolf handelt. Danach erwachen
die Werwölfe und bestimmen ihr Opfer. Dieses wird am nächsten Morgen
nicht mehr wach und der Spieler scheidet aus. Mit dabei ist eventuell ein
kleines Mädchen, eine weitere Sonderrolle. Es darf, während die
Werwölfe wach sind, blinzeln und so versuchen, die Werwölfe zu
enttarnen. Allerdings schwebt es dabei in höchster Lebensgefahr, denn
wenn die Werwölfe es entdecken, wählen sie es direkt zu ihrem Opfer.
Als letztes erwacht die Hexe. Sie bekommt das Opfer gezeigt. Einmal im Spiel
kann sie das Opfer heilen, das dadurch nicht aus dem Spiel ausscheidet. Weiterhin
kann die Hexe einmal im Spiel einen Spieler vergiften, der dann zusätzlich
zum Opfer der Werwölfe ausscheidet.
Dann kommt der Tag und die Diskussionen, wer wohl Werwolf sein könnte,
beginnen. Dabei können die Spieler einen Häuptling wählen.
Dies geschieht mit einfacher Mehrheit. Am Abend bei der Abstimmung zählt
die Stimme des Häuptlings doppelt und ist dazu noch der Tie-Breaker.
Bei dieser Abstimmung erheben alle Spieler den Arm und auf ein Kommando zeigen
sie auf den Spieler, der verbannt werden soll. Wer dem Liebespaar angehört,
darf natürlich nicht auf seinen Partner zeigen. Der Spieler mit den
meisten Stimmen scheidet dann aus. Kommt es zu einem Patt, so wird die Abstimmung
wiederholt. Verbleibt auch diese Abstimmung ohne Ergebnis, so gibt es keine
Verbannung. Bei der Verbannung kommt die letzte Sonderrolle zum tragen: der
Jäger darf, wenn er verbannt wird, noch einen Spieler erschießen,
sprich: ein weiterer Spieler scheidet aus.
Es gibt drei mögliche Sieger. Die guten Dorfbewohner gewinnen, wenn
sie alle Werwölfe verbannt haben. Die Werwölfe gewinnen, wenn ihnen
alle guten Dorfbewohner zum Opfer gefallen sind bzw. verbannt worden sind.
Schließlich kann noch das Liebespaar gewinnen. Bleibt es zum Schluss
übrig und besteht es aus einem bösen Werwolf und einem guten
Dorfbewohner, hat es gewonnen.

Die
Werwölfe vom Düsterwald sind eine sehr gute Weiterentwicklung des
Mafia-Spiels. Die meisten Spieler bevorzugen eine Sonderrolle und die sind
hier wesentlich häufiger. Durch den Häuptling können auch
später noch Spieler in den Genuss eines Sonderpostens kommen, die nicht
das Kartenglück hatte. Die "Werwölfe" - den vollen Title sagt eh
kaum jemand - verbessern auch die Abstimmung. Zog sie sich durchaus bei Mafia
hin, wird sie hier schnell und effizient durchgeführt. Eine kleine
Einstimmung bieten dazu die Karten, die mit rollengerechten Symbolen versehen
sind.
Da das Grundspiel nur gute Dorfbewohner, böse Werwölfe und die
Seherin benötigt, können Sonderrollen, die in einer Gruppe nicht
beliebt sind, leicht weggelassen werden. Dies ist aber eher die Ausnahme,
denn die Sonderrollen sind ein Stück Würze im Spiel, teilen sie
doch die guten Dorfbewohner in lohnende und nichtlohnende Opfer für
die Werwölfe.
Ein anderer Vorteil der Werwölfe ist der Ausgleich zwischen den verschiedenen Haltensweisen. Die Spieler, die gut und viel reden, sind meisten in höherer Gefahr, gefressen oder gebannt zu werden. Dies gleicht, im Gegensatz zu anderen Spieler, die sprachlichen Schwächen einzelne, auch jüngerer Spieler aus. Da die Rollen durch Karten bestimmt sind, ist auch der ruhigere Spieler gefährlich und da jeder Spieler bei der Abstimmung eine Stimme hat, entscheidet ein solcher Spieler gleichwertig mit.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Werwölfe besonders
gefährlich werden, wenn die Gruppe eine homogene Struktur aufweist.
Drei Jugendliche wird schon kaum angenommen, aber dass in der Runde genau
meine drei Familienmitglieder die Werwölfe sind, ist sehr unwahrscheinlich
und wurde erst dann zur Gewissheit, als ich eines morgens tot aufwachte.
Nun, so sind (die) Werwölfe, voller Spannung, voller Überraschungen
und voller Spaß. (wd)
Steckbrief |
Autor | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Illustration |
|
Philippe des Pallières Hervé Marly |
Asmodeée | 8 - 18 | ab 10 Jahre | ca. 30 Minuten | Alexios Tjoyas |