Auf dem Göttinger Spieleautorentreffen 2002 sah ich einen Prototypen namens Major Tom. Ich ließ mir den Prototyp dort erklären und fand die Idee sehr gut. Das liegt sicher auch am Thema, weil ich ein großer Science-Fiction-Fan bin. Von daher sagt mit auch der Name Major Tom etwas, sowohl aus David Bowies Song "Space Oddity" als später auch von dem neue-deutsche-Welle Song gleichen Namens von Peter Schilling. Hier bei mir steht noch ein Major Tom, für das ich Spieltester war, doch der Name wurde, um eventuelle Rechte auf "Major Tom" nicht zu verletzten, jetzt bei der Produktion geändert.
Die Geschichte und die Aufgabe in Tom Tube hat sich gegenüber
Major Tom nicht verändert. Zwei Astronauten - sie heißen Drifting
Dave und natürlich Tom Tube - befinden sich auf ihrer Weltraumbasis.
Von dort müssen sie ein Röhrensystem bauen, das sie dann zu den
Solaranlagen führt. Dorthin müssen sie gelangen und ihre beiden
Solarsteine einsammeln bevor sie wieder zu ihrer Basis zurückkehren
dürfen.
Zu Beginn ist der Weltraum noch ziemlich leer, Brachland würde man auf
der Erde sagen. Lediglich die Basis- und die Solarstationen sind bereits
errichtet. Damit die Astronauten durch das Weltall schweben können,
bekommen sie noch jeder einen Energiestein, dann werden sie auf ihre
Weltraummission geschickt. In einem Spielzug kann ein Astronaut entweder
den Weltraum bebauen oder aber sich bewegen. Zu Beginn wird man überweigend
den Weltraum ausbauen. Dazu zieht man eine der 40 Rauten. Auf ihr sind zwei
Röhren abgebildet, eine für Tom Tube und eine für Drifting
Dave. Liegen die beiden Röhren an der gleichen Stelle (oder Teile davon)
so sind sie gestreift und für beide nutzbar. Diese Raute platziert man
auf eine beliebige freie Stelle auf dem Spielplan. Zeigt die Raute eine
Energiestelle - das ist immer dann der Fall, wenn sich die beiden Rauten
von Tom und Dave treffen oder kreuzen - wird dort noch ein Energiestein
platziert. Entsteht beim Legen einer Raute ein von allen Seiten bebautes
Dreieck, so darf
der Rautenleger es mit einem Dreieck auffüllen. Dreiecke
zeigen immer nur eigene Röhren oder leeren Weltraum. An den Ecken der
Rauten befinden sich immer Teile der Weltraumkugeln, bei spitzen Winkeln
ein sechstel, bei stumpfen Winkeln ein Drittel der Kugel. Wenn eine solche
Kugel vervollständigt wird, hängt ihre Funktion von der Anzahl
der Zugänge an. Ohne Zugang ist es eine Alienkugel und erhält einen
Alienstein, mit genau einem Zugang ist es eine Kontrollkugel und erhält
einen Kontrollstein und mit mehr als einem Zugang hat sie keine Spezialfunktion.
Sobald der Weltraum etwas gefüllt ist, mag es sinnvoll sein, seinen Astronauten durch die Röhren oder durch den Weltraum schweben zu lassen. Ein Astronaut kann nur zu und durch fertige Kugel schweben und kann in jeder Kugel anhalten. Er muss anhalten, wenn er abbiegen will bzw. muss oder wenn er auf einen Stein, egal welcher Art, trifft. Den Stein sammelt er ein, er bringt am Ende des Spiels Punkte. Wenn die Röhren ungünstig liegen, so kann ein Astronaut auch durch den Weltraum schweben. Dies kostet ihn einen Energiestein und er darf entlang der Kante einer Raute ziehen.
Das Spiel kann auf drei Arten enden. Meistens gelingt es einem Astronauten, beide Solarsteine einzusammeln. Dann kann er zur Basis zurückkehren. Der andere Astronaut darf nun keine neuen Rauten legen und auch keine Solarsteine mehr einsammeln, sondern kann nur noch zur Basis zurückkehren. Der schnellere Astronaut kassiert hierfür Bonuspunkte. Wenn der Spielplan komplett bebaut wurde, kann jeder Astronaut zu seiner Basis zurückkehren, unabhängig davon, wie viele seiner Solarsteine er eingesammelt hat. Das Spiel endet dann sofort; einen Bonus für den Zeitvorsprung gibt es nicht. Das dritte mögliche Spielende habe ich noch nicht erlebt. Wenn ein Astronaut gestrandet ist, d. h., er kann auch theoretisch nicht mehr zu seiner Basis zurückkehren, hat er sofort verloren.
Tom Tube ist - und dies nicht nur wegen der Thematik - für mich das Highlight
der aktuellen Zwei-Personen-Spiele. Mit den Rauten enthält es einen
Glücksfaktor, doch erfordert das geschicktes Legen der Rauten und das
Abpassen des richtigen Zeitpunktes für die Bewegung des Astronauten
einiges taktisches Geschick. Durch die geschickte Punktewertung für
die einzelnen Steine sowie Sonderpunkte für die schnelle Rückkehr
zur Basis sind unterschiedliche Taktiken möglich: einerseits kann man
versuchen, schnell seine Solarsteine abzuholen und durch zügige
Rückkehr zur Basis besonders viele Bonuspunkte zu bekommen, andererseits
ist es auch möglich zu bummeln und dabei viele der Steine einzusammeln.
Die zweite Taktik kann noch durch den Bau von Alienstationen unterstützt
werden, denn die Aliensteine sind zusammen mit den Solarsteinen die
größten Punktebringer.
Trotz der vielfältigen Möglichkeiten bleibt das Spiel zügig. Die einzelnen Züge sind kurz und in vielen Fällen rechnet man seine Zugmöglichkeiten nicht durch. Dies gilt besonders für die Astronautenbewegung, weil sie oft durch Abbiegungen gestoppt werden, die einzelnen Züge also überschaubar bleiben. So sind die angegebenen 30 Minuten bis auf die ersten Spiele locker zu unterschreiten.
Bei einem Spiel aus einem neuen Verlag möchte ich auch ein Wort zum Material sagen: Hier besticht Tom Tube durch hervorragende Qualität: die Schachtel kennen wir von Clans und TransAmerica; es ist die Schachtel der erfolgreichen Serie von Winning Moves. Der Spielplan ist geviertelt und aus stabilem Karton; die Rauten sind auf drei Stanzbögen und gut handhabbar. Die Qualität setzt sich bei den Steinen fort, die alle aus Holz sind, und deren Größe dem Platz auf dem Spielplan angemessen sind. Bleibt noch die Regel: ich habe mit ihr keine Schwierigkeiten gehabt, muss hier aber gestehen, dass ich durch die Kenntnis von Major Tom kein neutrales Urteil fällen kann.
Ich kann nur hoffen, dass Tom Tube ein Erfolg wird, denn dieses
Spiel hat es verdient. Viele - vor allem größere Verlage -
können sich bzgl. Spielqualität und Ausstattung eine große
Scheibe von Tom Tube abschneiden. Wer ein Spiel für zwei Spieler sucht,
das einen moderaten Glücksfaktor und kurzweiligen taktischen Elementen
sucht, ist hier bestens bedient. Sollte die Spielstärke zweier Spieler
unterschiedlich sein, gibt es dafür sogar eine Kompensationsregel.
Damit kann ich guten Gewissen dabei helfen, den einzigen großen Nachteil
von Tom Tube abzuschwächen: die Erhältlichkeit. Deshalb sei mir
an dieser Stelle der Hinweis auf
Adam spielt gestattet,
die dieses Spiel (natürlich) im Versand haben. Schließlich
möchte man ja nicht nur von einem gutes Spiel lesen, sondern es selber
spielen. (wd)
Steckbrief |
Autor | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Illustration |
| Roland & Tobias Goslar | Kronberger Spiele | 2 | ab 10 Jahre | 30 Minuten | Tobias Goslar |