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"Paris sera toujours Paris" heißt ein Song über die französische Hauptstadt, im Film befindet sich "ein Amerikaner in Paris" und zur Zeit der neuen Deutschen Welle fuhr Felix Deluxe "mit einem Taxi nach Paris". Paris ist sehenswert, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Eiffelturm und Louvre sind zwei der markantesten Sehenswürdigkeiten dieser Stadt, doch auch Triumphbogen und Champs Elyssee sind nicht zu vernachlässigen. Als Tourist wird man aber allzu häufig zur Kasse gebeten. Ob Eintritte oder Bistro oder das schöne Restaurant auf Montmartre in der Nähe des Sacré-Coeur, überall heißt es zahlen. Dies freut natürlich die einheimischen Besitzer und genau darum geht es bei Paris Paris.

Ausschnitt des SpielplansDer Spielplan zeigt einen Ausschnitt des Pariser Stadtplans und zwar den für Touristen attraktiven Teil. Auf ihm sieht man fünf Buslinien in verschiedenen Farben. Auf diesen fahren die Busse ihr große Tour und bringen die zahlungskräftigen Touristen zu den einheimischen Lokalitäten. Diese wiederum werden von den Spielern gegründet und zwar an den Haltestellen der Buslinien. Dazu gibt es auf jeder Linie sieben Stationen, manche werden nur von einer, manche auch von zwei Linien befahren. Für jede Station gibt es ein bis vier Plättchen, je nachdem, wie viele Nachbarstationen eine Haltestelle besitzt. In jeder Spielrunde wird ein Plättchen mehr aufgedeckt als Spieler am Spiel teilnehmen. Reihum sucht sich jeder Spieler ein Plättchen aus und stellt eines seiner Geschäftshäuser auf die entsprechende Haltestelle. Auf jeder dieser Haltestellen dürfen aber nur so viele Geschäftshäuser stehen wie Buslinien dort fahren. Sind alle Plätze bereits belegt, wird ein bereits dort befindliches Haus abgerissen und in einen Beutel getan.

In jeder Runde bleibt eine Haltestelle übrig. Mit ihr wird Kasse gemacht. Für jedes Haus, dass auf den Buslinien am nächsten zu dieser Haltestelle steht, gibt es einen Punkt. Danach kommt das Ticket auf einen "Parkplatz". Befinden sich dort zwei gleichfarbige Ticket, fährt der Bus die große Tour. Dazu fährt er die Linie in der Farbe der Tickets ab und hält auf jeder Kreuzung. Dann gibt es für die Spieler, die dort Geschäftshäuser haben, Punkte, und zwar für jedes Haus auf der Kreuzung einen Punkt und je einen weiteren Punkt für Häuser auf den benachbarten Stationen.

Sind die 60 Tickets gespielt, endet das Spiel. Zu Beginn hat jeder Spieler ein Ticket für eine Tour erhalten. Jetzt bei Spielende fährt der Bus die Routen der ausgeteilten Tickets ab, wobei es noch einmal Punkte wie auf der großen Tour gibt. Bei drei und vier Spielern bekommt dann noch der Spieler, der am meisten Geschäftshäuser abgerissen bekommen hat, je abgerissenem Haus einen Punkt. Wer dann die meisten Punkte hat, ist Sieger.

Plättchen in verschiedenen FarbenMit Paris Paris legt Michael Schacht ein Meisterstück vor, das seine typische Handschrift trägt. Mit seiner kurzen Regel und der kurzen Spieldauer - die angegebenen 45 Minuten wurden bei uns selten benötigt - ist es für jeden zugänglich und sofort spielbar.

Der Ablauf gestaltet sich flott, nicht zuletzt deshalb, weil es genau eine Entscheidung zu treffen gilt: welches Plättchen wähle ich und wen schmeiße ich gegebenenfalls raus. Dabei haben die anderen Teile des Spiels ihre eigene Spannung, welche Plättchen werden aufgedeckt? Wer bekommt wie Punkte?

Das Spiel bietet hier die richtige Mischung aus Glück und Taktik, weil das Glück für immer anders verlaufende Partien sorgt und die Spieler ausreichend Einfluss nehmen können. Bei der Wahl des Plättchen muss einiges bedacht werden: zunächst erhält man an der gewählten Station ein eigenes Geschäftshaus, aber vielleicht ist es viel wichtiger, einen Spieler zu verdrängen oder gar eine große Tour durch Wegnahme des Plättchens zu stoppen. Hinzu kommt mit dem Abreißen der Geschäftshäuser ein Ärgerfaktor. Er kann, im Gegensatz zu den meisten Spielen am Ende auch für den Geärgerten arbeiten. Gleichzeitig kann man durch das Abreißen starke Stellungen anderer Spieler, vor allem der vor einem liegenden, zerstören und so wirkt dieses Element ausgleichend.

Mit Paris Paris liegt ein Spiel vor, das von allen Spielern gespielt werden kann. Der Gelegenheitsspieler ist nicht überfordert, der Taktiker nicht unterfordert. In Familien können Kinder ab den angegebenen neun Jahren locker mithalten, weil die Spielsituation übersichtlich ist und das Geschehen oft mit Intuition und Merkfähigkeit besser unter Kontrolle zu bekommen ist als mit langem Grübeln. Von Spielen mit solch guten Eigenschaften sollte ich mir mehr wünschen ... eigentlich, aber andererseits, wozu brauche ich die, wo es doch Paris Paris gibt.

Vielleicht komme ich demnächst ja mal wieder nach Paris, einen Stadtplan brauche ich dann wohl nicht mehr. (wd)

Steckbrief
Paris Paris

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration/Gestaltung
Michael Schacht Abacus 2 - 4 ab 9 Jahre 45 Minuten Michael Schacht