Griechenland ist von Wasser umgeben und sehr zerklüftet. Möchte man von einem Landgebiet zu einem anderen kommen, so ist oft die Schifffahrt die schnellste Verbindung. Das galt nicht nur im Altertum, sondern ist selbst in der heutigen Zeit so, ausgenommen der Leute, die sich einen Hubschrauber leisten können ...
In Hellas begeben wir uns zurück in das Altertum und der
Phase der Entdeckung und der Mach der Götter. Als Götter treten
das Oberhaupt Zeus, der Gott des Meeres Neptun und der Kriegsgott Ares auf
und zwar in Form von Karten, die Sonderaktionen erlauben. Jeder Spieler
erhält bei Spielbeginn von jedem Gott eine Karte. Das Spielfeld besteht
zunächst nur Wasser, genauer ein Sechseckfeld mit einem
Tümmler.
In den ersten vier Runden wird nun eine Ausgangslage konstruiert. Abwechselnd
ziehen die Spieler ein Sechseckplättchen. Diese zeigen Wasser und
Landmassen, eine Stadt und manchmal einen Tempel. In der Anfangsphase werden
Plättchen mit Tempel ignoriert und unter den Stapel geschoben. Ansonsten
muss das Plättchen an die bereits existierende Auslage angelegt werden.
Dabei gilt natürlich Land an Land, Wasser an Wasser und solange das
Plättchen nicht direkt an das Startplättchen (das mit nur Wasser)
angelegt wird, muss an mindestens zwei Felder angelegt werden. Auf jedes
gelegtes Plättchen stellt der Spieler einen Griechen und ein Schiff.
Nach Abschluss dieser Aufbauphase besitzt jeder Spieler vier Städte
und somit vier Griechen und Schiffe.
Nun beginnt der Hauptteil des Spiels. Auch hier führen die Spieler
abwechselnd ihren Spielzug aus. Dabei muss sich ein Spieler für eine
von drei Aktionen entscheiden: Verstärkung, Seefahrt oder Angriff. Bei
einer Verstärkung erhält der Spieler neues Material. Er kann Griechen
und/oder Schiffe in seine Städte bringen und Götterkarten nachziehen.
Normalerweise kann dies ein Spieler drei Mal tun. Wenn er jedoch mehr
Städte mit Tempeln besitzt als sein Mitspieler erhöht sich die
Zahl auf vier. Anschließend darf ein Spieler noch seine Griechen und
seine Schiffe beliebig umsetzen. Für das gesamte Spiel gibt es hier
einige Vorschriften über die Maximalzahlen: von den Götterkarten
kann ein Spieler maximal sieben auf der Hand haben, dabei von jedem Gott
höchstens drei. Und drei ist auch die Grenze für Griechen und Schiffe
in einer Stadt. Hinzu kommt noch die Regel, dass eine Stadt niemals
leergeräumt werden darf, sondern immer der letzte Grieche dort verweilen
muss.
Bei der Seefahrt nimmt der Spieler das oberste verdeckte Sechseckplättchen
vom Stapel und versucht es anzulegen. Dabei muss es nicht nur topologisch
stimmen, sondern auf den benachbarten Plättchen muss der Spieler auch
mehr Schiffe positioniert haben als sein Gegenspieler. Kann er das
Plättchen regelkonform anlegen, so entfernt er ein Schiff aus der
unmittelbaren Nachbarschaft und stellt dafür einen Griechen aus dem
Vorrat auf die neue Stadt. Auch nach einer Seefahrt darf der Spieler
umgruppieren, aber Griechen und Schiffe dürfen nur in die neu entdeckte
Stadt gestellt
werden.
Zuletzt gibt es den Angriff. Dazu zieht ein Spieler seine Griechen
in die Stadt des Mitspielers. Die Griechen müssen aus der unmittelbaren
Nachbarschaft kommen. Wird ausschließlich über Land angegriffen,
genügt die gleiche Anzahl Griechen, über See muss es einer mehr
sein. Der angegriffene Spieler kann sich durch Karten verteidigen, der Angreifer
durch Karten seine Kampfkraft erhöhen. Wenn schließlich ein Spieler
das Blatt nicht mehr wenden kann, wird der Angriff ausgewertet: gewinnt der
Verteidiger, so kommen alle angreifenden Griechen in den Vorrat. Gewinnt
der Angreifer geschieht selbiges mit den Verteidigern. Zusätzlich werden
alle Schiffe konfisziert, d. h. die gegnerischen Schiffe werden entfernt
und durch eigene ersetzt. Während eines Angriffs dürfen in
übrigen auch mehr als drei Griechen angreifen. Nach dem Kampf gilt für
das Umgruppieren dieselben Regeln wie bei der Seefahrt. Sind aber dann noch
mehr als Griechen in der eroberter Stadt, werden die überzähligen
einfach entfernt.
Beim Angriff wurde bereits die Karten erwähnt. Sie unterstützen
nicht nur den Kampf, sondern auch die Seefahrt und ermöglichen manch
andere Überraschung. Sie bringen ein Glückselement in das Spiel
und führen dazu, dass die Aktionen nicht exakt berechnet werden
können.
Das Spiel endet schließlich, wenn ein Spieler 10 Städte besitzt.
Nicht ausdrücklich in der Regel erwähnt ist der Fall, dass ein
Spieler vom Plan eliminiert wird. Dann hat der Gegenspieler auch gewonnen.
Hellas ist ein aggressives Spiel, bei dem es zu vielen
Kämpfen kommt. Dabei hat man fast immer das Gefühl, unterlegen
zu sein, sieht man doch viele eigene Schwachpunkte, während die Unsicherheit
über die Karten des Gegners dazu führt, dass man glaubt, er könne
sich immer verteidigen. Doch nicht nur dies drückte bei uns auf die
Stimmung. Ein Spieler, der erst einmal einen Vorsprung herausgearbeitet hat,
konnte bei unseren Spielen nicht mehr gestoppt werden. Die Götterkarten
sind neutral und nur selten ist die Situation auf dem Spielfeld wirklich
so, dass der schwächere Spieler einen strategischen Vorteil hat. Dieses
Ungleichgewicht gilt besonders für die Tempel, da oft der Spieler, der
mehr Städte besitzt auch mehr Tempel besitzt und sich somit als
stärkerer Spieler schneller und effizienter verstärken kann als
der Mitspieler. Weiterhin ist die Seefahrt, die ja die zusätzlichen
Städte ins Spiel bringt, ein riskantes und teures Unternehmen. Es kostet
einen kompletten Zug und kann dazu noch fehlschlagen. Nutzt der Gegner die
Zeit zu Verstärkungen, kann ein nachfolgender Angriff schnell den Vorteil
einer erfolgreichen Seefahrt ausgleichen oder gar umkehren.
Kosmos propagiert Hellas als Nachfolger von Kahuna und Babel. Nun, die
Vielschichtigkeit eines Babel erreicht Hellas nicht, spielt sich aber dafür
wesentlich schneller, einfach weil die Spielzüge vielfach aus dem Bauch
heraus entschieden werden. Wir persönlich haben wesentlich mehr Spaß
an den lockeren Spielen der Reihe. In diesem Sinn ist es nicht verwunderlich,
dass Hellas bei uns nicht zu den großen Favoriten gehört, aber
genau aus diesem Aspekt heraus sollten sich alle Freunde von Kahuna und Babel
einmal Hellas genauer anschauen. (wd)
Steckbrief |
Autor | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Illustration/Gestaltung |
| Franz-Benno Delonge | Kosmos | 2 | ab 12 Jahre | 45 - 60 Minuten | Claus Stephan |