Bei manchen Spielen ist die Erwartungserhalt sehr hoch und bei manchen Spielen
wird sie hochgeschraubt. Bei Drachenfaust war sie bei mir sehr hoch. Zum
einen wurde es als eine Fortsetzung von Ohne Furcht und Adel deklariert,
jenem genialen Meisterwerk des Bruno Faiduttis, die trotz aller Neuheiten
immer wieder auf den Tisch kommt. Zum anderen ist der zweite Autor Michael
Schacht, der so schöne Spiele wie Kardinal & König und Paris
Paris entwickelt hat.
In
Drachenfaust gilt es ganz einfach drei Siegpunkte zu bekommen. Aufgangspunkt
für dieses Vorhaben sind 8 Stücke Feengold, 2 normale Goldstücke
sowie 5 Silberlinge. Dazu erhält jeder Spieler 4 Edelsteine, die
zufällig gezogen werden und die es in drei Farben gibt. Mit dem Geld
versuchen die Spieler, Fantasy-Personen und Wesen auf ihre Seite zu bekommen
und damit die Eigenschaft, die diese Charaktere haben, nutzen zu können.
In jedem Durchgang gibt es 8 Charaktere, die immer mitspielen und 2 Charaktere,
die zufällig aus einem Vorrat von 25 Karten gezogen werden und die danach
aus dem Spiel ausscheiden. Die Hexe wird immer als erster Charakter vergeben,
die anderen 9 Charaktere des Durchgangs werden gemischt und somit in
zufälliger Reihenfolge versteigert.
Alle
Versteigerungen laufen nach dem gleichen Prinzip ab. Zunächst wird mit
Gold geboten. Für den Wert ist es dabei egal, ob es sich um normales
oder um Feengold handelt. Während normales Gold jedoch danach zurück
in den Vorrat geht, wird Feengold zur Seite gelegt und steht im nächsten
Durchgang wieder zur Verfügung. Gibt es einen eindeutigen Gewinner beim
Bieten, darf er die Eigenschaft des Charakters nutzen. Gibt es ihn nicht,
wird die Versteigerung für alle, die am meisten geboten haben, wiederholt.
Bei der wiederholten Versteigerung wird dann aber mit Silberlingen geboten.
Kommt es auch hier zu keiner Entscheidung, so verschwindet der Charakter,
ohne dass seine Eigenschaft genutzt wurde. Das gebotene Gold und Silber ist
verloren - Feengold nur für den Durchgang - auch wenn man den Charakter
nicht nutzen dürfte.
Die 8 Standardcharakter unterteilen sich in drei Drachen, drei Zauberfähige
sowie zwei bösartige Charaktere. Einer der bösartigen Charaktere
ist die Hexe. Sie gibt dem Meistbietenden eine schwarze Scheibe mit dem
Hexenfluch. Dieser kann im laufenden Durchgang als ein Gebot eingesetzt werden.
Er bringt jedoch nicht die Eigenschaft des Charakters, sondern verbietet
dem Meistbietenden, die Eigenschaft zu nutzen. Die Drachen gibt es in den
drei Edlesteinfarben gelb, rot und blau. Wer einen Drachen ersteigert, bekommt
einen Edelstein in der Farbe des Drachens. Die Zauberfähigen bietet
zwei Eigenschaften zur Wahl. Einmal tauschen sie Edelsteine in Siegpunkte
oder aber sie geben Gold oder Silber. Zuletzt gibt es den Dieb, der für
den am Meistbietenden einen Stein vom Zweitmeistbietenden stiehlt. Nach einigen
Durchgängen hat einer der Spieler dann die drei Siegpunkte zusammen
und ist der Sieger.
Drachenfaust ist ein reines Versteigerungsspiel, bei dem es
darum geht, seine Mitspieler einzuschätzen. Wer sehr viel für einen
Charakter bietet, hat sein Gold fast genauso vergeudet, wie der Spieler,
der immer wieder knapp verliert. Da nach einer Partie die Grundcharaktere
bekannt sind, kann sich auch jeder Spieler ausrechnen, wer welchen Charakter
besonders gut gebrauchen kann. So beeinflussen auch taktische Überlegungen
die Gebote.
In unseren Kreisen kam das Spiel sehr unterschiedlich an. Kritische
Stimmen kritisierten den immer gleichmäßigen Spielablauf und die
zu geringe Menge Gold, die oft dazu führt, dass man am Ende eines Durchgangs
zum Zuschauen verdammt ist. Befürworter lobten die Kombination aus Bluff,
Einflussmöglichkeiten und Überraschungseffekten sowie die Tatsache,
dass ein führender Spieler gut behindert werden kann, aber nicht
vollständig ausschaltbar ist.
Mit diesen unterschiedlichen Reaktionen ist es auch für mich als Rezensent
sehr schwer eine klare Empfehlung abzugeben. Wer Versteigerungsspiele mag,
sollte sich Drachenfaust in jedem Fall einmal anschauen. Herrscht dazu noch
eine Vorliebe für Fantasy-Themen und Gestaltung - und die Gestaltung
ist sehr schön - könnte Drachenfaust einen neuen Liebhaber gefunden
haben. (wd)
Steckbrief |
Autor | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Illustration |
|
Bruno Faidutti Michael Schacht |
Days of Wonder | 3 - 6 | ab 8 Jahre | 45 - 60 Minuten |
Julien Duval Cyrille Daujean |