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Mit Bohn Hansa wurde ich zum ersten Mal als Tester konfrontiert und von daher fällt mir die Rezension schwer, denn ich darf dieses Spiel nicht mitbewerten und muss es aus dem Kopf streichen. Mein erstes Spiel Bohn Hansa, ich meine das in der produzierten Schachtel, verlief dann eigenwillig. Ich verhandelte, reiste, aber so ganz den Durchblick hatte ich nicht.

Doch nun zum Spiel. ein Auftrag für Bremen im Wert von 36 TalernDie Spieler übernehmen die Rolle von Bohnenhändler, die durch 10 Hansestädte reisen. Dabei kaufen sie Bohnen um Aufträge zu erfüllen. Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler einen Satz von acht Bohnen sowie drei Auftragskarten. Jede Auftragskarte zeigt zwei oder drei Bohnen, die abzugeben sind, um ihn zu erfüllen, die Stadt, in der er erfüllt werden kann, sowie das Geld, das es dafür gibt. Zu Beginn des Spiels legt jeder Spieler seinen wertvollsten Auftrag ab und legt die geforderten Bohnen ab. Das Geld, das er dafür erhält, ist sein Startkapital, der Ort bestimmt, wo der Spieler startet. Der Spieler mit dem wenigsten Geld beginnt. Dann bekommt der Spieler seine Reisekarten, die er von 1 bis 7 sortiert auf der Hand hält und steckt dahinter die beiden restlichen Aufträge

Ein Spielzug besteht immer aus drei Teilen: einer Reisephase, einer Handelsphase und einer Schlussphase. Für eine Reise muss ein Spieler Karten ausspielen; für jede Stadt auf seiner Reise eine. Da die Startstadt dabei mitzählt, ist mindestens eine Karte zu spielen. Beim Ausspielen gibt es zwei Karten mit Sonderbedeutung. Auf der "3" befindet sich der Zoll. Immer wenn er ausgelegt wird, muss der Spieler 20 Bohnentaler zahlen. Der Nachschub befindet sich auf unterschiedlichen Karten. Immer wenn er ausgespielt wird, gibt eine spezielle Nachschubkarte an, welche Stadt wie viel Bohnen welcher Sorte erhält. Danach nimmt der Spieler die Karten mit Ausnahme von Aufträgen Hansestadt Rostockwieder auf die Hand, Zoll und Nachschub zuerst, dann den Rest.
In der Handelsphase können Bohnen am aktuellen Aufenthaltsort gekauft werden und mit den Mitspielern gehandelt werden. Beim Kauf richtet sich der Preis nach dem Angebot. Je mehr Bohnen in einer Stadt sind, je geringer ist der Preis, der für eine Bohne zu entrichten ist. Um mit einem Mitspieler Bohnen tauschen zu können, muss er in die Stadt kommen, in der sich der aktuelle Spieler aufhält. Dazu muss er eingeladen werden und eine Reisekarte spielen. Ist dies der Zoll, so verringert er sich auf 15 Bohnentaler, der Nachschub wird verzögert, bis der reisende Spieler seinen Spielzug ausführt. Aufträge allerdings sind verloren, da der Spieler sie nicht im fremden Spielzug erfüllen darf. Ist alles geregelt, werden die abgesprochenen Bohnen getauscht.
In der Schlussphase werden dann organisatorische Maßnahmen durchgeführt und der Spieler erhält einen weiteren Auftrag, den er als letztes auf die Kartenhand nimmt.

Während eines Spielzugs kann ein Spieler noch zwei zusätzliche Aktionen ausführen. Zum einen kann er Aufträge nachkaufen. Dazu zahlt er 5 Taler und legt eine seiner Reisekarten ohne Sonderfunktion ab. Viel wichtiger aber ist das Erfüllen von Aufträgen. Befindet sich der Spieler in der richtigen Stadt - das kann vor oder nach der Reise sein, aber nicht während - und hat die geforderten Bohnen, so kann er den Auftrag und die Bohnen ablegen und den Ertrag kassieren. Dabei können auch Aufträge erfüllt werden, die für die Reise ausgelegt wurden.
Das Spiel endet, sobald für die achte Nachschubkarte Bohnen auf den Spielplan platziert wurden. Nun kommt jeder Spieler noch einmal an die Reihe. Zuletzt darf jeder Spieler noch Aufträge erfüllen und verkauft seine Bohnen zum vorgegebenen Standardpreis an die Bank. Wer dann die meisten Bohnentaler besitzt, ist Sieger.

Bohn Hansa ist ein klassisches Handelsspiel, bei dem die Spieler Waren kaufen und über Aufträge mit einem Mehrwert verkaufen. Hier nun wird das ganze mit Spielelementen eines bekannten Kartenspiels umgesetzt: die Waren sind Bohnen, die Karten auf der Hand dürfen in ihrer Reihenfolge dürfen nicht geändert werden und Auszahlungen werden in Bohnentalern vorgenommen. Dabei bleibt klar festzuhalten, dass das Spielgefühl von Bohn Hansa nicht mit dem von Bohnanza verglichen werden darf. Es gibt keine Korrelation zwischen den beiden Spielen bzgl. des Gefallens. Spieler, die Bohnanza mögen, müssen nicht unbedingt Bohn Hansa mögen und wer Bohnanza nicht so gerne spielt, kann trotzdem Gefallen an Bohn Hansa finden.
Dies ist sicherlich in dem unterschiedlichen Spielablauf bedingt. Auch wenn gewisse Elemente wiederverwendet wurden, ist Bohn Hansa ein eigenständiges Spiel mit einem eigenen Flair. Während Bohnanza stark von kurzfristigen Entscheidungen und vom Bohnentausch lebt, ist bei Bohn Hansa zeitweise eine längerfristige Planung gefragt. Diese Planung hängt aber immer davon ab, ob man im richtigen Moment eine Einladung in eine "gute" Stadt bekommt, ist also nicht vollständig planbar. Somit ist es immer wieder erforderlich anders zu planen und so verlangt Bohn Hansa eine große Flexibilität von den Spielern.

Die Erntekarten sorgt für BohnennachschubZurück zu meinen Spielen. Im ersten Spiel durchschaute ich nicht, wie Bohn Hansa funktioniert. Die Preise der Bohnen waren für mich zu ähnlich, die Gewinnmargen der Aufträge habe ich vernachlässigt. Zurecht war ich in diesem Spiel nicht erfolgreich, obwohl auch die Mitspieler Neulinge waren. Mit jedem weiteren Spiel wuchs das Verständnis, die Planungen wurden präziser und der Spielerfolg stellte sich ein. Vielen anderen Spielern erging es ähnlich. Deswegen kann ich Bohn Hansa Spielern empfehlen, die ein Spiel nicht nur gelegentlich spielen, sondern in einer angemessenen Zeit häufiger auf den Tisch bringen. Eine Vorliebe für Wirtschaftsspiele mit Handel unter den Spielern sollte auf jeden Fall vorhanden sein. Bleiben die Einladungen aus, wird nicht gehandelt, verkommt Bohn Hansa zu einem parallel gespielten Solitärspiel. Wenn hingegen viele Spieler bestrebt sind, an der Handelsphase zu partizipieren, kommt es zu stimmungsvollen Spielen, die naturgemäß länger dauern.

Herauszustellen ist wieder einmal die gute Produktion seitens Amigo. Wie schon bei Union Pacific sind die Farben - dieses Mal immerhin acht Farben - gut unterscheidbar. Dazu kommt ein Tiefzieheinsatz, der die notwendigen Verwaltungsakte sehr gut unterstützt und somit verhindert, dass sie als lästig empfunden werden. Dies ist der Weg, wie ich mir die Umsetzung eines Spiels durch den Verlag wünsche, auch wenn es mir als Bremer weh tut, dass in der Grafik der Schütting durch einfache Häuser ersetzt wurde. (wd)
 

Steckbrief
Bohn Hansa

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Uwe Rosenberg Amigo 3 - 5 ab 12 Jahre 90 Minuten Björn Pertoft
Markus Wagner