Was soll man über ein Spiel in einem Online-Magazin schreiben, auf dem außen der Aufdruck prangt: "Das Kultspiel aus dem Internet"? Müsste es da nicht schon jeder kennen? Und warum gibt es das Spiel dann doch als Kartenspiel für den heimischen Tisch? Nun irgendetwas muss ja an einem solchen Spiel sein, aber was?
Schauen wir zunächst auf die Verpackung und auf den Inhalt. Die Schachtel ist bunt, zeigt viele Schafe bei irrwitzigen Tätigkeiten und zeigt den Titel: Attribut. Und so ähnlich ist dann auch der Inhalt: 60 Schafkarten und 164 Attributkarten. Die Schafkarten zeigen entweder ein rotes Schaf mit einem Minuszeichen oder ein grünes Schaf mit einem Pluszeichen. Die Attributkarten sind auf der Vorderseite in schwarz-weiß gehalten und enthalten das, wonach sie benannt sind: ein Attribut, meist ein Wort, manchmal mehr und wer es grammatisch benennen will, für den sind die Attribute Adjektive. Auf der Rückseite zeigen sie einen Pluspunkt.
Zu
Beginn bekommt jeder Spieler eine Schafkarte und vier Attributkarten, die
er sich anschaut. Die Schafkarte kommt verdeckt vor sich auf den Tisch, die
Attributkarten verbleiben auf der Hand. Der Startspieler nennt einen Begriff,
die kann eine Person, eine Personengruppe, ein Tier, ein Gegenstand oder
auch ein Was-auch-immer sein, sollte aber vorzugsweise ein Substantiv sein.
Nun wählt jeder aus seinen vier Attributkarte eine aus, die er vor sich
zu der Schafkarte legt. Sinnvollerweise wählen Spieler mit einem
grünen Schaf ein passendes Attribut, Spieler mit einem roten Schaf ein
unpassendes. Haben alle Spieler eine Attributkarte ausgewählt, werden
sie auf ein Kommando hin alle aufgedeckt. Jetzt darf jeder Spieler das Attribut
eines anderen Spielers "klatschen", d. h. mit der Hand auf die Karte schlagen,
um anschließend Schaf- und Attributkarte zu sich zu nehmen. Zum Klatschen
besteht aber keine Pflicht. Wenn kein Spieler mehr klatschen möchte,
wird ausgewertet. Wer ein grünes Schaf geklatscht hat, bekommt einen
Pluspunkt, indem er die Attributkarte umdreht und beiseite legt. Wer aber
ein rotes Schaf geklatscht hat, erhält einen Minuspunkt und muss eine
schon gewonnene Attributkarte auf den Ablagestapel legen. Bei all denjenigen
Spielern, deren Karten nicht geklatscht
wurden, werden auch diese ausgewertet, nur ist es hier umgekehrt.
Würde ein grünes Schaf nicht geklatscht, gibt es einen Minuspunkt,
während ein rotes Schaf einen Pluspunkt bringt. Danach gibt es eine
neue Schaf- und eine Attributkarte, der nächste Spieler benennt das
Objekt der Beschreibung und das ganze beginnt von vorn. Das Spiel endet nach
einer vorgegebenen Anzahl von Runden, die von der Anzahl der teilnehmenden
Spielern abhängt. Wer danach die meisten Pluspunkte, sprich Attributkarten,
gesammelt hat, ist Sieger.
Attribut
ist ein Kleinod, das in einer kleinen, unscheinbaren Schachtel eines kleinen
Verlags daherkommt und das viel zu leicht übersehen werden kann. Dieses
Spiel ist ein schnell gespieltes Fungame, weil so manche Kombination von
Begriff und Karte missinterpretiert wird und das rote Schaf gnadenlos
weggeklatscht wird, während das schöne punktebringende grüne
Schaf wie Blei vor dem Spieler liegen bleibt. Das liegt auch daran, dass
es meistens viel leichter ist, bei einem roten Schaf ein unpassendes Attribut
zu finden als einen passenden Begriff zum grünen Schaf. Im Endeffekt
ist das ganze auch Nebensache, weil der Spaß im Vordergrund steht.
Das ist hier genau die gelungene Mischung, denn der aufmerksame, bessere
Spieler hat die besseren Chancen ohne dass die anderen Spielern sich lustlos
in ihr Schicksal ergeben. Diesen schönen Effekt merkt man beim Spiel
daran, dass kaum jemand auf die bereits gewonnenen Punkte achtet.
Wer das Spiel von der Brettspielwelt her kennt, wird sich darüber wundern,
dass es keinen Punkt dafür gibt, wenn das eigene grüne Schaf geklatscht
wurde. Dies ist aus verwaltungstechnischen Gründen geschehen, denn es
gibt nur eine Attributkarte, und die bekommt der Spieler, der klatscht. Wer
will kann natürlich eine Karte von Nachzieh- oder Ablagestapel nehmen.
Als Folge davon sind rote Schafe besser und begehrter, doch über eine
Strecke von 15 bis 18 Karten gleicht sich dies aus. Schließlich
ändert die Wertung das Spiel auch nicht und die Punkte stehen halt nicht
im Vordergrund. (wd)
Steckbrief |
Autor | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Illustration/Gestaltung |
|
Marcel-André Casasola Merkle |
Lookout Games |
3- 8 | ab 10 Jahre | ca. 30 Minuten |
Marcel-André Casasola Merkle |