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Es ist schon ein wenig kurios, wenn man ein Spiel und seine Regeln online kennen lernt. So ist es mir mit Attika gegangen, das sechs Tage vor der Eröffnung der Spiel '03 bereits in der Brettspielwelt gespielt werden konnte. Auf der Messe habe ich dann zum ersten Mal die wirkliche Brettspielausgabe gesehen und inzwischen auch gespielt.

die ersten PlättchenWir geben uns zurück ins altertümliche Griechenland. Jeder Spieler versucht eine Zivilisation aufzubauen. Diese besteht aus den sieben Bereichen Versorgung, Verteidigung, Weinbau, Stadt, Münzwesen, Straßen und Seefahrt. Die meisten dieser Bereiche bestehen aus zwei oder vier Plättchen, lediglich die Stadt fällt mit 10 Plättchen deutlich größer aus. Insgesamt besteht die Zivilisation aus 30 Plättchen und ein mögliches Spielziel besteht darin, alle Plättchen gebaut zu haben.

Zu Beginn wird ein Spielplan aus variablen Feldern aufgebaut. Jedes Feld besteht aus sieben Sechsecken, eines in der Mitte umrundet von sechs weiteren. Pro Mitspieler werden je zwei Felder in einer vorgegebenen Form ausgelegt. Dann wird pro Spieler ein Heiligtum aufgestellt. Sie definieren das andere mögliche Spielziel, nämlich zwei von ihnen mit eigenen Plättchen zu verbinden. Jeder Spieler baut aus seinen Plättchen nach Vorgabe vier Stapel und legt von jedem Stapel ein Plättchen auf seine Ablage. Dann erhält jeder Spieler noch Rohstoffe, die Anzahl steigt, je weiter ein Spieler hinten in der Spielreihenfolge sitzt.
der lange Weg zwischen den HeiligtümernPro Zug hat dann der Spieler zwei Möglichkeiten: er kann entweder bis zu zwei Plättchen von seinen Stapeln aufdecken oder bis zu drei Plättchen aus seiner Ablage auf den Spielplan bringen. Beim Aufdecken nimmt er ein Plättchen und entscheidet, ob er es auf die Ablage oder auf den Spielplan legen möchte. Auf der Ablage ist es kostenlos, auf den Spielplan kostet es Rohstoffe. Die benötigten Rohstoffe sind auf dem Plättchen angeben. Einige Felder des Spielplan bieten diese Rohstoffe und so werden alle Rohstoffe in der Umgebung des Bauplatzes bereits von der Landschaft abgedeckt. Fehlende Rohstoffe muss der Spieler aus seiner Kartenhand abgeben, wobei ein fehlender Rohstoff durch zwei beliebige ersetzt werden kann. Nun sind die Plättchen thematisch sortiert und haben eine sinnvolle Baureihenfolge. Wer sie einhält, darf sein Plättchen kostenlos auf dem Spielplan ablegen. Nachdem er ein Plättchen aufgedeckt und abgelegt hat, folgt das zweite.
Beim Bauen, dem Legen von Plättchen aus der Ablage auf den Spielplan wird genauso verfahren, d. h. die Baukosten werden nach dem gleichen Verfahren bezahlt. Sowohl beim Aufdecken als auch beim Bauen muss man die Maximalzahl der Aktionen nicht ausschöpfen, für jede nicht genutzte Aktion erhält man einen Rohstoff.
Ansonsten gibt es noch zwei Besonderheiten während des Spiels. Wer beim Aufdecken einen seiner Stapel verbraucht hat, darf die Landschaft um ein Feld erweitern und wer seine Gebäude nach Funktion zusammenhängend auf den Plan gebracht wird, erhält dafür eine Amphore. Eine Amphore erlaubt dem Spieler, seinen Spielzug zu verlängern, also ein weiteres Plättchen aufzudecken bzw. zu bauen oder aber dafür einen Rohstoff zu kassieren. Wer zuerst zwei Heiligtümer verbunden oder aber alle 30 Plättchen verbaut hat, ist der Gewinner.

es wird voll ...Attika ist ein strategisches Spiel, das mit sehr wenigen Regeln auskommt. Da man sofort gewonnen hat, wenn man zwei Heiligtümer verbunden hat, herrscht fortwährend Spannung und es wird viel Aufmerksamkeit von den Spielern verlangt. Gerade ein Spieler, der nur noch wenige Teile auf den Spielplan bringen muss, kann eine solche Verbindung nur schwer aufhalten. Auf der anderen Seite ist eine solche Verbindung gerade gegen mehrere Mitspieler nicht leicht zu bauen und der Bau der 30 Plättchen ist der sichere(re) Gewinnweg. Die Möglichkeit, das Spiel auf zwei Arten gewinnen zu können, macht einen Großteil des Reizes aus.
Der andere Teil des Reizes liegt im immerwährenden Druck. Jedes Mal, wenn ich ein Plättchen nicht auf den Spielplan bringe, verliere ich Zeit. Deshalb kommt der sinnvollen Baureihenfolge eine hohe Bedeutung zu. Sie spart nicht nur Rohstoffe, sondern besorgt einem auch noch die Amphoren, die mir mit der zusätzlichen Aktion einen Vorsprung gegenüber meinen Mitspielern bringt. So müssen Entscheidungen in jedem Zug neu getroffen werden, ohne dass die einzelnen Züge lange dauern.
Attika kann ohne Einschränkungen für Liebhaber strategischer Spieler empfohlen werden. Der Glücksfaktor ist mit dem Aufdecken der Plättchen vorhanden und sorgt damit für immer unterschiedliche Spielabläufe, ohne dass Attika zu glücksbetont wird. Spieler, die sich bisher nicht an Strategiespiele gewagt haben, finden hier ein Spiel, mit dem sie es tun können. Für sie ist auch die für ein Strategiespiel kurze Spieldauer von einer Stunde angenehm. Freunde von Attika werden sie eher dazu nutzen, gleich noch eine Partie zu spielen. (wd)

Blau hat gewonnen

P.S. in der ersten Auflage sind bei einigen Exemplaren die Stanzungen nicht exakt, so dass die Rückseiten kleine weiße Sicheln aufweisen. Hans im Glück liefern kostenlos Ersatz für diese Teile. Es genügt, dem Verlag eine Email zukommen zu lassen.

Steckbrief
Attika

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Marcel-André
Casasola Merkle
Hans im Glück 2- 4 ab 10 Jahre ca. 60 Minuten Manuel
Casasola Merkle