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Vor zwei Jahren erhielt Thomas Fackler für sein Troja den Sonderpreis "Geschichte im Spiel" von der Jury Spiel des Jahres. Nun gibt es einen neuen "Fackler", der sich mit Architektur beschäftigt. Für dieses Spiel wurden 24 Gebäude ausgewählt. Mit dem Parthenon aus Athen stammt das älteste Gebäude aus der Antike, genauer ca. 450 v. Chr. Das jüngste Gebäude ist der Turm der Winde, der 1986 in Yokohama erbaut wurde und zur zeitgenössischen Architektur gehört.

SteinmetzsymbolParthenonFür das Spiel wurden diese Gebäude zum einen auf 24 Kartonteile abgebildet, zum anderen wurden sie in 2 bzw. 3 Teile zerstückelt, was dann die 64 Bauteile ergibt. Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler zwei dieser Bauteile. Außerdem werden vier der Bauaufträge offen ausgelegt. Die restlichen Bauaufträge bilden einen Reservestapel, von dem das nächste Bild, also der nächste Bauauftrag, sichtbar ist. Die restlichen Bauteile werden auf fünf Stapel von möglichst gleicher Höhe ausgeteilt. Jeder Dieser Stapel erhält eine Abdeckung, die ein Steinmetz zeigt. Als letztes wird jedem Spieler eine Startnummer von 1 bis 5 zugeteilt, was aber nur organisatorischen Charakter hat.
Das Spiel läuft in Runden ab, die wiederum aus vier Abschnitten bestehen. Im ersten Abschnitt wählen die Spieler gemäß ihrer Startnummer einen der Bauteilestapel aus. Diesen dürfen sie noch nicht anschauen, sondern halten ihn verdeckt bzw. stellen ihn vor sich auf dem Tisch ab. Die Startnummern befindet sich auf Holzklötzen und wenn ein Spieler einen Stapel nimmt, stellt er an den Platz, an dem sich der Stapel befand, seinen Holzklotz ab. Nachdem der letzte Spieler seinen Stapel gewählt hat, gibt er das Kommando, aufgrund dessen jeder Spieler seinen Stapel anschauen darf. Eine der Bauteile in seinem Stapel wählt jeder Spieler aus und legt sie zu seinen beiden Bauteilen, die er schon besitzt. Danach stellt er den Stapel wieder zurück, wobei er sich im Gegenzug einen der Holzklötze mit Startnummern nimmt. Dabei kann Turm der Windeder Spieler unter allen noch verfügbaren Startnummern wählen, ist also nicht gezwungen, die niedrigste zu nehmen. Nun kommt es zur Ablage eines Bauteils. In der Reihenfolge der Startnummern muss jeder Spieler ein Bauteil abgeben. Hat ein Spieler kein passendes Teil, so schiebt er eines seiner Teile unter einen beliebigen Stapel. Ansonsten legt er sein Bauteil auf den Bauauftrag und markiert es mit einem Punkt seiner Farbe, zwei wenn es das letzte Bauteil ist. Wurde ein Bauauftrag erfüllt, so erhält jeder Spieler sofort die auf ihm liegenden Punkte seiner Farbe. Als letztes werden die Bauaufträge wieder auf vier Stück aufgefüllt. Zunächst werden alle ausliegenden Bauaufträge, die nicht angefangen wurden, unter den Stapel mit Bauaufträgen gepackt. Nun wird für jeden so entfernten Bauauftrag und für jeden erfüllten Bauauftrag ein neuer aufdeckt.
Das Spiel endet, sobald ein Spieler während der Ablage und der Ausgabe der Punkte seinen 13 Punkt erhält, wodurch er gewinnt.

Bauauftrag mit einem GebäudeteilDas Architekturspiel ist eine Kombination aus Gedächtnis- und Geschwindigkeitsspiel, was dann auch zu gewissen taktischen Elementen führt. Wer sich die Bauteile in den Stapeln gut merken kann, hat einen deutlichen Vorteil. Bei jedem Stapel stehen die Spieler nicht nur vor der Aufgabe, ein gutes Bauteil auszuwählen, es geht auch um Geschwindigkeit und um die Wahl der richtigen Startnummer. Niedrige Startnummern erlauben die Wahl des gewünschten Stapels, bei hohen Startnummern ist oftmals die Chance höher, das letzte Teil eines Gebäudes zu legen, was ja einen Punkt mehr erbringt. Mit dieser Kombination von Anforderungen an die Spieler steht das Architekturspiel alleine dar und obwohl fast jeder Spieler gegen irgendeinen Punkt Bedenken hat, fanden alle Gefallen an dem Spiel. Dazu trägt natürlich auch der flotte Spielablauf und die kurze Spieldauer bei.
Die Ausstattung des Spiels wird mit einem Begleitheft abgerundet, in dem die einzelnen Gebäude detailliert erläutert werden. Viele Spieler haben das Heft zur Hanf genommen, obwohl sie sonst nichts mit Architektur zu tun haben. An der Ausstattung ist auch materialmäßig nichts auszusetzen, jedoch ist die Farbwahl der Markierchips unglücklich; Dunkelblau und Schwarz sind kaum zu unterscheiden und die Chips sind nur einseitig bedruckt; die Rückseite zeigt das angesprochene Dunkelblau mit dem Prestel-Zeichen; der Farmangel darf aber als gering abgetan werden.
Mit dem Spiel ist es Thomas Fackler erneut gelungen, ein stimmungsvolles Spiel zu einem ungewohnten Thema zu entwickeln. Besonders hervorzuheben ist die Eigenschaft des Spiels, dass jeder Spieler sich positiv über das Spiel geäußert hat, denn hierdurch verbindet es viele Spielergruppen Solche Spiele, die durchweg positiv aufgenommen werden, dafür aber auf eine euphorische Fangemeinde verzichten müssen, gibt es viel zu wenig, schon allein deshalb, weil sie in jeder Runde leicht auf den Tisch zu bringen sind. (wd)
 

Steckbrief
Das Architekturspiel

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration/Gestaltung
Thomas Fackler Prestel 2 - 5 ab 8 Jahre 20 - 30 Minuten Gottfried Müller