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Nachdem Amigo mit Guillotine bereits ein Spiel um Ludwig, den XVI herausgebracht hat, begeben wir uns nun ein wenig zurück in der Geschichte des französischen Hofs; dieses Mal in die Zeit von Ludwig, dem XIV. genannt der Sonnenkönig. Jeder der Spieler übernimmt die Rolle eines Herzogs am Hof und versucht, möglichst viel Macht, Reichtum und Ehre zu sammeln.
MachtkarteDie meisten Karten des Spiels zeigen eine von fünf Kategorien, die für die Herrschaft am Hofe nützlich sind: Kampf, Macht, Reichtum, Etikette und Intrige. Zu Beginn erhält jeder Spieler zwei bis vier dieser Karten, die genaue Anzahl hängt von der Spielerzahl und der Position ab. Diese Karte werden nach Kategorien sortiert und untereinander gelegt. Nur die oberste Karte bleibt so komplett sichtbar. Dies ist wichtig, weil bei bestimmten Spezialkarten die Siegel gezählt werden, von denen sich auf manchen Karten eines befindet. Außerdem erhält jeder Spieler zu Beginn noch Machtchips im Wert von 9.
Reihum führt jeder Spieler seinen Spielzug aus, der aus drei Teilen besteht. Zunächst wird geschaut, ob eine Spieler in einem oder mehreren Bereichen (ausgenommen Intrige) die Mehrheit besitzt. Dies ist bei zwei oder drei Spielern der Fall, wenn er mehr Karten als jeder andere besitzt. Bei mehr als drei Spielern genügt es auch, gleich viele Karten zu besitzen. Für Macht gibt es einen Machtchip, für Reichtum ein Gold. Wer im Kampf die Mehrheit besitzt, muss anderen Spielern zusammen zwei Machtchips wegnehmen. Und wer die Etikette beherrscht, darf eine eigene ausgelegte Karte gegen eine Karte von Ablagestapel tauschen oder eine eigene und eine fremde Karte auf den Ablagestapel legen.
EtikettenkarteIm zweiten Teil seiner Zuges deckt der Spieler nun Karten auf. Dazu sagt er an, wie viele Standardkarte er wünscht; Minimum ist 1, Maximum 3. Dann werden entsprechend Karten aufgedeckt. Sonderkarten werden dabei nicht gezählt. Nachdem ausreichend Karten aufgedeckt werden, kommen zuerst die Sonderkarten an die Reihe. Bei Spielschulden müssen alle Spieler, die nicht am meisten Siegel besitzen, zwei Chips (das ist Macht und Gold) oder eine Karte abgeben. Beim Kardinal bekommen alle, die die Mehrheit in der Intrige haben, zwei Chips. Weiterhin gibt es acht Textkarten. Diese werden versteigert. Dabei zählen Chips einen Punkt, Karten zwei und Karten mit der selben Farbe wie die zu versteigernde Karte drei Punkte. Wer am meisten bietet, bezahlt, bekommt die Karte und genießt ab dann ihre Vorteile.
Im letzten Teil kommt das Gold zum Einsatz. Für ein Gold darf man einen Machtchip eines Mitspielers in den Vorrat legen oder eine Karte mit einem Mitspieler tauschen. Für zwei darf man eine Karte nehmen oder eine Karte eines Mitspielers auf den Ablagestapel legen.
In die untere Hälfte des Kartenstapels wurde bei Beginn des Spiels die Karte des Sonnenkönigs eingemischt. Erscheint sie das erste Mal, wird der Ablagestapel mit dem Rest des Nachziehstapels gemischt und der Sonnenkönig wieder in die untere Hälfte eingemischt. Erscheint er das zweite Mal, so endet das Spiel sofort. Jeder Chip zählt jetzt einen Punkt, jede Etiketten-Karte zwei Punkte. Wer am meisten Punkte besitzt, gewinnt. Bei Gleichstand ist derjenige besser, der mehr Intrigen-Karten besitzt.

Ludwig der XIV genannt der SonnenkönigDas Spiel kommt scheinbar als ein harmloses Mehrheiten-sanmeln-Kartenspiel daher, doch der Schein trügt. Die Machtchips neigen sich schnell dem Ende und wer einen Chip abgeben muss, aber nicht kann, scheidet aus. Das führt dazu, dass regelmäßig Spieler ausscheiden; durchaus auch während der Kartenstapel das erste Mal durchgespielt wird. Durch das Ausscheiden kommt den Kampfkarten eine besondere Bedeutung zu. Wer sie bei zwei oder drei Spielern beherrscht, hat gute Chancen, das Spiel dadurch zu gewinnen, dass er als einziger im Spiel verbleibt. Bei mehr als drei Spielern kommt es oft zu Gleichständen. Wenn dann mehrere Spieler das gleiche Opfer wählen, ist es den Mitspielern hilflos ausgeliefert.
Ein andere Auffälligkeit betreffen die Regeln. Jede einzelne ist nicht besonders schwer zu erklären, doch die Ähnlichkeit minderte bei vielen Spielern das Verständnis: Was kann man mit Gold machen, was mit Mehrheiten? Wann darf ich nehmen, wann tauschen und was sind Karten wann wert? Dies waren häufig gestellte Fragen. Die Verwirrung setzte sich bei größerer Anzahl noch dadurch fort, dass durch die Sonderkarten auch Spieler Aktionen ausführten, die nicht am Zug waren.
Was bleibt, ist ein Kartenspiel, das man genau denjenigen empfehlen kann, die ihren Mitspielern gerne eines auswischen. Zartbesaitete sollten von diesem Spiel besser die Finger lassen. (wd)

Steckbrief
Im Schatten des
Sonneekönigs

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Alan R. Moon
Aaron Weissblum
Amigo 2 - 6 ab 10 Jahre 45 Minuten Guido Hoffmann
Markus Wagner