Puerto Rico ist eine Insel in der Karibik. Die Hautstadt ist San Juan und obwohl Puerto Rico ein eigenständiger Staat ist, besteht eine große Abhängigkeit zur USA. Gehen wir ein wenig zurück in die Kolonialzeit. Auf der Insel werden waren angebaut, die entweder teuer verkauft oder in die Alte Welt transportiert werden. Jeder Spieler lenkt während des Spiels sein eigenes Puerto Rico und versucht dort eine möglichst erfolgreich zu sein.
Auf
der Insel, die jeder Spieler in Form eines Plans vor sich liegen hat, gibt
es zwei Bereiche: den Stadtbereich in dem Gebäude errichtet werden und
ein Landbereich, in dem Plantagen und Steinbrüche liegen. Zu Beginn
ist die Ausstattung sehr spärlich. Neben drei Dublonen gibt es entweder
eine Indigo- oder Maisplantage. Alle weitere Spielbestandteile sind entweder
Allgemeingut oder werden nach und nach von den Spielern für ihr Puerto
Rico erworben.
Der Spielablauf ist vom Aufbau denkbar einfach gestaltet. Ein Spieler wird Gouverneur und beginnt eine Runde. Dazu wählt er eine Rolle und führt dessen Funktion mit einem kleinen Vorteil, Privileg genannt, aus. Alle anderen Spieler folgen im Uhrzeigersinn. Nun wählt der nächste eine Rolle, wieder führen alle sie aus bis schließlich auch der rechts vom Gouverneur sitzende Spieler eine Rolle gewählt hat und jeder sie ausgeführt hat. Dann wird die Gouverneurkarte weitergegeben und eine neue Runde startet.
Die
Rollen sind das zentrale Element des Spiels. Im Spiel zu dritt gibt es sechs
von ihnen. Für jeden weiteren Spieler kommt eine Karte mit der Rolle
Goldsucher ins Spiel. Da zu Beginn Puerto Rico noch unbesiedelt ist,
benötigen wir Kolonisten. Diese erhält man über den
Bürgermeister. In vielen Fällen erhält jeder Spieler einen
Kolonisten, der Bürgermeister zwei. Gibt es in Puerto Rico besonders
viele Arbeitsplätze, kommen mehr Kolonisten nach Puerto Rico. Die neuen
Kolonisten verteilt jeder Spieler zusammen mit den bereits vorhandenen Kolonisten
auf seine Gebäude, Plantagen und Steinbrüche. Dies ist wichtig,
denn alles funktioniert nur, wenn sich dort ein Kolonist befindet. Manchmal
hat ein Spieler mehr Kolonisten als er im Moment verwenden kann. Diese verweilen
beim Spieler und warten geduldig auf die nächste Verteilung.
Damit Puerto Rico wächst, gibt es zwei Rollen. Mit dem "Siedler" werden neue Plantagen angelegt. Für die Spieler stehen nach Zufall eine Plantage mehr zur Verfügung als Spieler am Spiel teilnehmen. Neben den schon erwähnten Mais- und Indigoplantage gibt es noch welche für Zucker, Tabak und Kaffee. Derjenige, der den "Siedler" wählt, darf als sein Privileg auch einen Steinbuch nehmen. Dieser produziert nicht, verbilligt dafür aber die Errichtung von Gebäuden. Dies erlaubt uns der "Baumeister", der beim Kauf eines Gebäudes eine Dublone spart. Mit ihm dürfen wir eine von sechs Fabriken oder eines der 17 Verwaltungsgebäude erwerben. Jedes Gebäude hat seinen Preis, der durch aktive Steinbrüche - das sind solche, in denen ein Kolonist arbeitet - verringert wird. Außerdem bringt es dem Spieler Siegpunkte für die Endabrechung und durch seine Funktion einen Vorteil. Zu Beginn werden die Gebäude nach ihrer Funktion gekauft; später spielen auch die Siegpunkte bei der Endscheidung für ein Gebäude eine Rolle.
Nun
fehlen noch die Waren. Sie werden mit dem Aufseher produziert. Eine aktive
Maisplantage bringt einen Mais. Für alle anderen Waren benötigt
man eine Plantage und eine entsprechende Fabrik. Für Indigo und Zucker
gibt es eine kleine Fabrik, die einmal produziert und eine große Fabrik,
die bis zu drei Waren produzieren kann. Tabakspeicher produzieren immer bis
zu drei, Kaffee bis zu zwei Waren. Für jedes aktive Pärchen von
Plantage und Fabrik erhält man eine Ware. Dies Waren können entweder
in das Handelshaus verkauft oder mit dem Schiff abtransportiert werden. Der
Händler ermöglicht den Verkauf, der als Privileg eine Dublone mehr
erhält. Das Handelshaus nimmt bis zu vier Waren auf, dabei keine Sorte
doppelt und zahlt den Preis von null (für Mais) bis vier (für Kaffee)
Dublonen aus. Erst wenn sich vier Waren im Handelshaus befinden, wird es
geleert und kann dann wieder neu Waren aufnehmen. Beim Kapitän werden
die Waren gegen Siegpunkte verschifft, wobei der Kapitän einen Siegpunkt
mehr erhält. Es stehen drei Schiffe zur Verfügung, je nach
Spieleranzahl nehmen sie vier bis acht Waren auf. Ein Schiff darf immer nur
mit einer Warenart beladen werden und umgekehrt darf eine Ware nur auf ein
Schiff geladen werden. Das Verschiffen ist die einzige Aktion, die verpflichtend
ist. Für jede Ware, die verladen wird, gibt es einen Siegpunkt. Nachdem
so viel wie möglich verschifft worden ist, vergammeln bei jedem Spieler
die Waren, die nicht verschifft wurden. Lediglich eine Ware pro Spieler entkommt
diesem Schicksal. Wie schon beim Händler wird ein Schiff erst dann entleert,
wenn es vollständig beladen ist.
Den
Abschluss bildet der Goldsucher. Mit ihm wird keine Aktion ausgeführt,
sondern er bietet dem auswählenden Spieler ein Privileg: er erhält
eine Dublone aus der Bank.
Damit Rollen, die nicht gewählt wurden, attraktiver werden, werden sie mit einer (weiteren) Dublone belegt. Die zu der Rolle gehörenden Dublonen erhält der Spieler, der sie wählt, zusätzlich zu der Aktion und dem Privileg.
Das Spiel kann auf drei Arten enden, wobei die aktuelle Runde noch zu Ende gespielt wird: wenn der Bürgermeister gewählt wurde, befinden sich nicht mehr genug Kolonisten im Vorrat, beim Baumeister baut ein Spieler sein letztes Stadtfeld zu oder beim Kapitän werden die letzten Siegpunkte verteilt. Dann zählt jeder Spieler seine Siegpunkte, für die es drei Quellen gibt: die Siegpunkte von errichteten Gebäuden, die Siegpunkte aus verschifften Waren und aus einigen Gebäudefunktionen, denn fünf der 17 Verwaltungsgebäude geben, wenn sie aktiv sind, am Ende zusätzliche Siegpunkte. Es gewinnt der Spieler mit mehr Siegpunkten.
Puerto
Rico ist ein hochwertiges Strategiespiel, deren Komplexität im Zusammenspiel
der Rollen und in der Vielfältigkeit der Gebäude liegt. Die Funktionen
der Gebäude reichen von zusätzlichen Plantagen und Kolonisten
über mehr Dublonen und Siegpunkten beim Verkauf bzw. Verschiffen bis
hin zu den schon erwähnten Siegpunkten. Die Wahl der Gebäude ist
die wichtige Grundlage für die Durchsetzung einer Strategie, weil nicht
jeder Spieler jedes Gebäude errichten kann und somit die Spieler
unterschiedliche Vorteile aus den verschiedenen Rollen ziehen. Neben den
Gebäuden ist die richtige Wahl der Rollen spielentscheidend. Bis auf
das Vergammeln der Waren gibt es kein destruktives Element. Da nach der Wahl
der Rolle jeder Spieler die Aktion ausführt, muss man den entscheidenden
Vorteil durch Ausnutzung der Rolle im Zusammenspiel mit dem Privileg und
der Gebäude erlangen. Es ist nicht entscheidend, was ein Spieler bekommt,
sondern was er mehr bekommt.
Strategiespiele werden derzeit nur wenig verlegt. Deshalb ist Puerto Rico für Spieler, die solche Spiele mögen, ein Muss. Es besticht nicht nur durch die Vielzahl der Strategien, sondern auch durch viele andere positive Eigenschaften. Es gibt keine direkte Interaktion zwischen den Spielern. Dennoch muss man immer den Spielstand der Mitspieler beachten, um abschätzen zu können, welche Rolle ein Spieler wohl wählen wird. Vor allem das Verschiffen sowie der Kauf begehrter Gebäude ist dabei im Auge zu behalten. Da die einzelnen Aktionen schnell ausgeführt werden, treten längere Wartezeiten auf, die dann durch Denkpausen entstehen. Weiterhin ist die Konstruktivität zu loben. Jeder Spieler erschafft sich sein Puerto Rico und hat dadurch ein positives Spielgefühl. Die Siegpunkte erlauben lediglich den Vergleich des Erschaffenen.
Wie bei allen Strategiespielen stellen sich die Fragen nach den besten
Eröffnungszügen und der optimalen Strategie, wenn nicht gar nach
der ultimativen Gewinnstrategie. Für die Eröffnung gibt es erste
Überlegungen, eine Gewinnstrategie ist nicht bekannt. Dies liegt auch
daran, dass es einen ganz geringen Glücksfaktor gibt, denn die Plantagen,
die es über den Siedler gibt, werden zufällig aufgedeckt. So
verläuft jedes Spiel mit der ersten Wahl des Siedlers anders. Und sollte
es jemals eine eindeutige Strategie geben, stört es nicht, denn bis
dahin wird man schon sehr viel Spaß an Puerto Rico gehabt haben. (wd)
Steckbrief |
Autor | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Illustration |
| Andreas Seyfarth | Alea | 3 - 5 | ab 12 Jahre | ca 90 - 150 Minuten | Franz Vohwinkel |