Alles begann mit dem kooperativen Spiel Der Herr der Ringe, welches dann um Die Feinde erweitert wurde. In beiden Fällen ging es darum, in der Gemeinschaft die Abenteuer der Hobbits nachzuspielen und den Einen Ring zu vernichten. Als Gegner fungierte das Spielsystem, das mit seinen vielen negativen Ereignissen die Spieler gehörig unter Druck brachte. Damit ist jetzt Schluss, denn nun wird Sauron (un)menschlich: einer der Spieler übernimmt seinen Part und versucht, die Hobbits an der Vernichtung des Rings zu hindern.
Als
Mittel stehen dem Sauron-Spieler zwei Mittel zur Verfügung: die
Sauron-Karten und die Nazgul-Karten, von denen er zu Beginn je zwei bekommt.
Die Sauron-Karten hält er während des Spiels verdeckt, die wesentlich
unangenehmeren Nazgul-Karten werden offen ausgelegt, so dass die Hobbits
genau wissen, was auf sie zukommen kann. Des weiteren erhält Sauron
Unterstützung auf der Finsternisanzeige durch eine weitere Figur, den
Schwarzen Reiter. Zu Beginn eines jeden Abenteuers steht der schwarze Reiter
auf dem letzten Feld der Finsternisanzeige. Er versucht, den Ringträger
zu erreichen und wieder auf dieses Feld zurückzukehren.
Am Spielverlauf ändern sich nun zwei Dinge grundlegend: zum einen greift
Sauron vor jedem (!) Zug eines Hobbits in das Spielgeschehen ein, zum anderen
wird in fast allen Fällen statt eines Würfelwurfs nun Sauron
aktiviert.
Damit die Hobbits nun nicht mehr ungestört den Ring nach Mordor tragen
können, behindert er den jeweils aktiven Hobbit vor seinem Spielzug.,
indem er entweder eine Sauron-Karten oder eine Nazgul-Karten spielt. Möchte
er davon keinen Gebrauch machen, kann er auch eine Sauron-Karte nachziehen.
Eine Sauron-Karte zeigt ein bis drei Symbole, die alle negative Auswirkungen
auf die Hobbits haben, wie zum Beispiel Karte ablegen, ein Feld in die Finsternis
vorgehen oder Lebensplättchen ablegen. Neu ist das auf vielen Karten
vorhandene Symbol, dass den Schwarzen Reiter vorwärts ziehen lässt.
Der aktive Spieler wählt, evtl. nach einer Beratung mit den anderen
Hobbits, eines der Symbole aus und erfüllt die Bedingung. Symbole, deren
Bedingung er nicht erfüllen kann sind tabu. Eine Nazgul-Karte ist wesentlich
effizienter. Sie enthält zum einen ein Symbol, das den aktiven Spieler
betrifft. Hier hat er keine Auswahl und muss die Bedingung erfüllen.
Zusätzlich enthält die Karte einen Text, der weitere Auswirkungen
auf das Spielgeschehen beschreibt.
Schlimmer trifft es die Hobbits, wenn sie auf das dunkle Quadrat treffen. Wurde hier früher gewürfelt, so wird jetzt Sauron aktiviert. Hier hat Sauron zwei Möglichkeit: er kann seine Kartenhand auf sechs Sauron-Karten auffüllen oder aber eine Sauron-Karte spielen. Im Gegensatz zum Ausspielen vor einem Hobbit-Zug gelten jetzt alle Symbole und der aktive Spieler muss alle Bedingungen soweit wie möglich erfüllen.
Eine häufige Auswirkung der Sauron- und Nazgul-Karten
ist eine Vorwärtsbewegung des Schwarzen Reiters. Der erste entscheidende
Moment ist das Zusammentreffen des Schwarzen Reiters mit dem Ringträger,
egal, ob sich der Reiter oder der Ringträger bewegt. In jedem Fall bleibt
der Schwarze Reiter stehen und wendet, d. h. er reitet ab jetzt zurück
zum letzten Feld der Finsternisanzeige.
Erreicht der Schwarze Reiter den Ringträger - egal ob durch eine Karte
oder dadurch, dass der Ringträger vorwärts gezogen wird - so bleibt
er stehen und wendet. Gleichzeitig erhält Sauron eine weitere Nazgul-Karte
und wird aktiviert. Der zweite Moment ist die Rückkehr nach Mordor,
also wenn der Reiter das letzte Feld der Finsternisanzeige erreicht. In diesem
Fall hat Sauron sofort gewonnen.
Die letzte Unterstützung Saurons sind vier neue Ereigniskärtchen,
die in die bisherigen Kärtchen eingemischt werden.. Falls die
ursprünglichen Kärtchen schon etwas abgenutzt sind, ist das nicht
von Nachteil, denn der Erweiterung liegt ein Beutel bei, aus dem man die
Ereigniskärtchen jetzt zieht. Zum Inhalt: bei zwei der Kärtchen
aktiviert der aktive Spieler Sauron, bei den anderen beiden zieht entweder
Sauron ein Feld vor oder ein beliebiger Spieler muss Sauron aktivieren.
Nachdem Sauron so verstärkt wurde, bekommen auch die Hobbits
neue Mittel und Wege, um sich den Attacken Saurons zur Wehr zu setzen. Wie
schon bei den Feinden erhält auch hier jeder Hobbit eine Sondereigenschaft,
die er einmal pro Spiel nutzen kann. Außerdem gibt es zwölf
Lichtplättchen. In den ersten drei Abenteuern werden je vier dieser
Plättchen ausgelegt: Jeweils ein Plättchen kommt zu dem letzten
Feld und dem viertletzten Feld der beiden Nebenleisten: diese Plättchen
bringen Heilungen, Schilde und Sonderkarten. Auch Gandalf bietet zwei weitere
Hilfen an. Während die Änderung des Weitblicks eher marginal ist,
ist die Möglichkeit, eine Sauron- oder Nazgul-Karte ignorieren zu
dürfen, sehr mächtig und wichtig. Optional einsetzbar sind zwei
neue, blaue Karte: die eine erlaubt es, Sauron drei Felder
zurückzuschicken, die andere gestattet es, den Einen Ring einmal im
Spiel beliebig an einen anderen Hobbit abzugeben.
Neben diesen schon umfangreichen Möglichkeiten liegt der
Sauron-Erweiterung noch eine neue Variante für das Basisspiel bei, die
aber auch mit allen anderen Erweiterungen spielbar ist: auf 23
Ereigniskärtchen sind negative Auswirkungen auf die Hobbits abgebildet.
Diese Kärtchen plus den vier oben beschriebenen
Sauron-Ereigniskärtchen werden mit den bisherigen Ereigniskärtchen
in den Beutel gepackt. Das Spiel läuft wie das Basisspiel ab, jedoch
mit einer Ausnahme. Wenn ein Ereigniskärtchen gezogen wird, kann es
abgelehnt werden. Dann wird sofort ein neues Kärtchen gezogen, das
nun nicht mehr abgelehnt werden darf. Sollten noch weitere Kärtchen
gezogen werden müssen, darf man immer dann ein Kärtchen ablehnen,
wenn man das vorherige Kärtchen nicht abgelehnt hat.
Die Sauron-Erweiterung bietet viel Neues: war bisher das Spielsystem
der Gegner, so ist es nun ein Mitspieler. Dies macht für das
Spielgefühl einen großen Unterschied, denn der Feind hat nun Augen
und Ohren, nimmt damit wahr, wie die Hobbits agieren und kann darauf reagieren.
Was aber noch viel mehr Anreiz bietet, sind die menschliche Reaktion des
Sauron-Spielers: jetzt gibt es einen Menschen, der sich über jedes
Missgeschick der Hobbits freut und der somit die Rolle des Bösen zur
Schau trägt.
Nach der Regel klingt es so, als sei Sauron besonders stark am Spielgeschehen
beteiligt. Dies trügt. Da die Hobbits gemeinsam agieren, sind auch die
Spieler, die nicht gerade am Zug sind, mit in das Geschehen eingebunden.
Der Sauron-Spieler hat klar überschaubare Mittel, mit denen er die Hobbits
ärgert, die Hobbits haben vielseitigere Möglichkeiten, allein durch
die Kartenauswahl und Aktionen wie Gandalf rufen und Ring anwenden. Auf beiden
Seiten gibt es einen Glücksfaktor, sowohl durch Karten als auch durch
die Ereigniskärtchen. Dadurch läuft das Spiel in immer
unterschiedlichen Bahnen ab und bietet in jeder Situation Spannung. Selbst
ein guter Spielstand bietet den Hobbits keine Sicherheit, kann doch schnell
Sauron aktiviert werden oder weitere Ereignisse eintreten. So nimmt man viel
Einfluss auf das Spielgeschehen, aber dem vorherbestimmten Schicksal kann
man nicht entgehen. Diesem Schicksal ist auch Sauron ausgeliefert, doch ist
er sehr stark. Vor allem die Doppeldrohung über Sauron selbst und dem
Schwarzen Reiter macht ihn mächtig. Doch er ist, wenn auch schwer,
besiegbar.
Die Variante mit den neun Ereigniskärtchen stellt dazu eine gelungene
Alternative dar. Wer nach einigen Kämpfen gegen menschliche Saurons
endlich wieder komplett miteinander spielen möchte, findet hier eine
Erweiterung des Basisspiels, die genau das bietet, was man sich immer
gewünscht hat: endlich den Ereigniskärtchen nicht mehr total
ausgeliefert sein. Auch hier sollte man aber nicht erwarten, dass es für
die Hobbits einfacher wird, den Ring zu vernichten.
Die Erweiterung besticht aber nicht nur durch die neue Spielmöglichkeit, bei der es jetzt ein Miteinander-Gegeneinander gibt, sondern auch durch die Vielseitigkeit. Die Kombinationsmöglichkeiten mit dem Basisspiel sind schon zahlreich: Basisspiel mit und ohne neue Ereigniskärtchen sowie Sauron, bei dem man zunächst den Hobbits alle Mittel geben sollte, die es gibt und bei dem man auf alle zusätzlichen Mittel für ihn verzichten sollte. Die beiden mächtigen, blauen Karten sowie die Ereigniskärtchen bieten auch hier genügend Spielraum für unterschiedliche Ausgangslagen und erlauben es, den Stärkegrad der einen oder anderen Partei nach eigenen Bedürfnissen anzupassen. Wer dazu noch Die Feinde besitzt, hat dann noch mehr Kombinationsmöglichkeiten.
Die Sauron-Erweiterung enthält genau die Dinge, die für
eine Erhöhung des Spielspaßes sorgen und erneut Anreiz schaffen,
das Spiel auch nach über zwei Jahren weiterhin (häufig) zu spielen.
Jeder möchte doch mal Sauron sein und seine Mitspieler ärgern;
jeder möchte den scheinbar übermächtigen Gegner besiegen und
dann kann man gemütlich wieder gemeinsam spielen. Außerdem kann
man Der Herr der Ringe nun zu sechst spielen. Jedem Fan des Basisspiels sei
die Sauron-Erweiterung wärmstens empfohlen. (wd)
Steckbrief |
Autor | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Illustration |
| Reiner Knizia | Kosmos | 3 - 6 | ab 12 Jahre | 90 - 120 Minuten | John Howe |