Die bisherigen Der Herr der Ringe - Spiele in der Zwei-Personen-Serie von
Kosmos nutzten die Weite Mittelerdes voll aus. War Mittelerde in der Suche
noch sehr abstrakt, finden sich die einzelnen, wichtigen Regionen Mittelerdes
auf dem
Spielplan bei der Entscheidung wieder. Diese Weitläufigkeit
geht nun zu Ende, spielt doch das Duell auf einem sehr begrenzten Raum, an
dem im Roman (und auch am Film) eine der bewegensten Szenen spielt: die
Brücke von Moria, jener Ort, an dem Gandalf versucht, den Balrog
aufzuhalten. Genau um diese Szene geht es nun in diesem Spiel.
Jeder der beiden Kontrahenten erhält einen Kartensatz bestehend aus
27 Karten von denen 21 identisch sind. Es werden vier Durchgänge gespielt,
von denen der letzte länger dauert und Finale genannt wird. Für
die ersten drei Durchgänge erhält jeder Spieler 9 Karten und eine
gewisse Anzahl von Energiepunkten. Den ersten Durchgang eröffnet Gandalf
in dem er eine seiner neun Karten ausspielt und offen neben die Spielfläche
legt. Jede Karte hat links und rechts eine Energieleiste, bestehend aus vier
Elementen. An einigen Stellen sind diese Elemente mit Energie geladen, an
manchen nichts. Wenige Karten enthalten auch noch einen Text. Bei der ersten
Karte passiert noch nichts. Danach ist der Mitspieler, jetzt der Balrog,
an der Reihe. Er wählt ebenfalls eine Karte aus und legt sie rechts
an das Ende der bereits gespielten Karten. Nun kommt es zum Abgleich in dem
jeweils die Energien auf gleicher Höhe verglichen werden. Sind beide
Elemente mit Energie geladen oder beide Elemente ungeladen, so passiert weiterhin
nichts, da die Attacke abgewehrt wurde bzw. keine Attacke erfolgte. Wenn
jedoch ein Element geladen, dass andere ungeladen ist, erhält der Spieler
mit dem ungeladenen Element einen Treffer und er verliert einen
Energiepunkt.
Ein Durchgang kann auf zwei Arten beendet werden. Zum einen endet er, wenn
einer der beiden Kontrahenten zu wenig Energiepunkte besitzt, zum anderen
endet er, wenn jeder der Kontrahenten sechs seiner neun Karten gespielt hat.
Nun darf der Sieger des Durchgangs je nach Vorsprung ein bis drei Stufen
auf der Brücke von Moria nach oben gehen. Sollten die Kontrahenten einen
Durchgang mit gleicher Anzahl Energiepunkte beenden, so verliert derjenige,
der die erste
Karte in dem Durchgang ausgelegt hat. Von den übrig
gebliebenen Karten - dies sind mindestens drei - wählt jeder Spieler
drei Karten aus, die er für das Finale bereit legt. Für den
nächsten Durchgang werden dann neun neue Karten genommen und die
Energiepunkte wieder auf den Anfangswert zurückgestellt. Der Verlierer
entscheidet dann, wer den nächsten Durchgang beginnt.
Wenn nach einem Durchgang einer der beiden Kontrahenten oben auf der Brücke
steht - dies ist der Fall, wenn er fünf Stufen aufgestiegen ist - hat
er sofort gewonnen. Anderenfalls kommt es zum vierten Durchgang, dem Finale.
Beide Spieler spielen das Finale mit den neun Karten, die vorher zur Seite
gelegt wurden. Das Finale läuft wie die anderen Durchgänge ab,
doch werden, wenn notwendig, alle neun Karten gespielt. Da das Finale
länger dauert, gibt es auch mehr Energiepunkte.
Danach steht der Sieger fest; dies ist der Spieler, dessen Spielfigur höher
auf der Brücke von Moria steht. Bei Gleichstand gewinnt der Spieler,
der das Finale gewonnen hat.
Die Spielprinzip wird noch um zwei Elemente bereichert. Zum einen darf ein
Spieler, der während eines Durchgangs deutlich mehr Energiepunkte besitzt,
einmalige in die Karten des Gegners schauen, zum anderen bilden 11 Textkarten
Ausnahmen. Diese Karten wirken immer dann, wenn sie ausgespielt werden und
sie haben ebenso eine Energieleiste wie alle anderen Karten auch. Wer sich
über die ungerade Anzahl wundert, dem sei gesagt, dass der Balrog eine
Textkarte weniger hat. Dafür besitzt er eine Karte, bei der alle
Energieelemente geladen sind; eine solche Karte hat Gandalf nicht zur
Verfügung.
Das Duell ist eines der Spiele, die mit wenigen Regeln viel
Spaß bereiten. Das Auswertungsprinzip ist einfach und überschaubar,
die Konsequenzen leicht absehbar und das Spiel somit flüssig. Da die
Kartensets überwiegend identisch sind, spielt das Glück eine
untergeordnete Rolle. In den ersten Durchgängen hat der Spieler bis
zum Schluss eine Entscheidung aus zuletzt noch vier Karten; bei dem einfachen
Prinzip völlig ausreichend. Lediglich im Finale hat er bei der letzten
Karte keinen Einfluss, doch oft genug kommt es gar nicht so weit, weil das
Finale schon entschieden ist oder es kein Finale gibt.
Die Ausgangssituation der beiden Kontrahenten ist leicht unterschiedlich,
das Duell gehört daher zu den Spielen mit asymmetrischer Startposition.
Ich finde solche Spiele besonders reizvoll, da ich für das Spiel zwei
Taktiken anwenden muss. Bei meinen bisherigen Spielen hatte der Balrog ein
deutliches Übergewicht an Siegen, das durch die sechs unterschiedliche
Karten kaum zu erklären
ist. Selbst wenn es sich bewahrheiten sollte, dass der Balrog
einen Vorteil hat, tut dies dem Spiel keinen Abbruch, denn bei der Spieldauer
ist es ein Leichtes, zwei Spiele durchzuführen, dabei jedem jede Rolle
zuzuweisen und die Ergebnisse für einen Gesamtsieger zu addieren.
Bei diesem Spiel muss ich ein Wort zum Material sagen: die Brücke ist
ein Punktezähler, genau wie es die Energieleiste ist. Das Spiel hätte
auch mit einfacherem Material funktioniert, das Auge spielt schließlich
mit und die Brücke - einziger Mangel: die oberste Stufe musste geklebt
werden - auf dem Spielplan mit dem Abgrund, den Orks und den Hobbits sorgt
für Atmosphäre. Bei mir als großer Herr der Ringe Fan ganz
besonders, denn die Szene mit Gandalf und dem Balrog ist zunächst so
traurig, bis man erfährt, dass Gandalf als der weiße Zauberer
zurückkehrt. Zurückkehren werde ich auch zu diesem Spiel, weil
es schnell und einfach gespielt ist und dabei bis zum Ende spannend bleibt.
(wd)
Steckbrief |
Autor | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Illustration |
| Peter Neugebauer | Kosmos | 2 | ab 10 Jahre | 30 - 40 Minuten | John Howe |