Es gibt keine Engel und so hat jeder Mensch seine eigenen dunkle Geheimnisse. Diese hält er gerne versteckt, während es allen Verwandten und Bekannten darauf ankommt, diese Geheimnisse zu erkennen und den Geheimnisträger bloßzustellen.
Dies ist Thema von "Dark Side". Auf Karten sind die dunklen Geheimnisse beschreiben. Sie sind fünf Lebensbereichen zugeordnet und je nach Schwere des Vergehens wird das Geheimnis mit ein bis fünf Punkten bewertet. Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler je nach Spielerzahl entweder 12 oder 15 dieser Geheimniskarten. Er addiert die jeweiligen Werte pro Lebensbereich und ermittelt so seine dunkle Seite. Jeder stellt noch seine Spielfigur auf die 10 Punkte der Erfolgstreppe. Dann kann es losgehen.
Ist ein Spieler am Zug, so deckt er zunächst eine Aktionskarte
auf. Es gibt fünf verschiedene Typen, die das weitere Handeln bestimmen.
Bei Erfolg gibt es Punkt für den am Zug befindlichen Spieler und manchmal
auch für die Mitspieler.
Die einfachsten Karten sind die Therapiekarten. Der Spieler nennt einen
Lebensbereich und jeder Mitspieler muss, sofern vorhanden, eine Karte dieses
Bereichs offen vor sich auslegen. Die Werte dieser Karten werden dem am Zug
befindlichen Spieler gutgeschrieben.
Bei einem Verdacht bezichtigt man einen Mitspieler, in dem vorgegebenen
Lebensbereich mindestens x Punkte auf der Hand zu halten. Hat er sie, muss
er die Karten auslegen und die Werte werden wieder zu Punkten. Ist der Verdacht
falsch, werden keine Karten ausgelegt und es gibt auch keine Punkte.
Zwiespältig sind die Prahlereien. In einem vorgegebenen Lebensbereich
behauptet der Spieler, x Punkte auf zwei Karten zu haben. Glauben ihm die
Mitspieler, so bekommt er die Punkte gutgeschrieben. Zweifeln sie es an,
so muss er die Karten, wenn er nicht gelogen hat, auslegen. Er bekommt nun
aber die doppelte Punktzahl. Wurde er hingegen beim Lügen erwischt,
so geschieht nichts weiter.
Die Party-Karten sind eine Mischung aus Verdacht und Prahlerei. Zunächst
wird ein Mitspieler nach der Anzahl der Karten auf der Hand in einem vorgegebenen
Lebensbereich gefragt. Pro Karte gibt es zwei Punkte. Anschließend
gibt es eine Prahlrunde, bei der jeder Spieler prahlen muss. Sie wird so
ausgewertet, als hätte jeder Spieler eine Prahlereikarte gezogen.
Zuletzt gibt es die Gegenüberstellung. Sechs Karten werden auf
durchnummerierte Plätze gelegt. Eine der sechs Karte zwingt dazu, eine
Karte mit dem höchsten Wert offen auszulegen, eine andere gibt so viele
Punkte, wie der Platz angibt. Vier Karten sind neutral. Nun nimmt jeder Spieler
eine Karte, deckt sie auf und führt gegebenenfalls die Anweisung auf.
Wird die höchste Karte ausgespielt, geht der Wert als Punkte an den
am Zug befindlichen Spieler.
Nachdem der Spieler seine Aktionskarte ausgeführt hat, darf er einen
Mitspieler anklagen. Dazu bezichtigt er ihn, im einem bestimmten Lebensbereich
seine dunkle Seite zu haben. Die weitere Mitspieler können nun entscheiden,
ob sie als Nebenkläger auftreten wollen. Danach darf der Angeklagte
entweder zu der Anklage Stellung nehmen, indem er die Anschuldigung
bestätigt oder abweist. Bei einer erfolgreichen Anklage gibt es Pluspunkte
für die Kläger. War die Anschuldigung falsch, gibt es Minuspunkte.
In beiden Fällen bekommt der Hauptankläger mehr Punkte als die
Nebenkläger.
Der Angeklagte kann aber auch vor Gericht gehen. Dies bedeutet, dass die
Punkte für den Hauptkläger noch einmal erhöht werden. Dieser
darf daraufhin auch die Anklage fallen lassen.
Nachdem die dunkle Seite des Spieler bekannt ist, kann er noch einmal für
weniger Punkte auf seine zweite dunkle Seite angeklagt werden. Ist auch dies
geschehen, ist er vor weiteren Anklagen sicher.
Je nach Spielerzahl endet das Spiel nach 5 bis 8 Runden. Gewonnen hat dann der Spieler mit den meisten Punkten, aber nur, wenn seine dunkle Seite nicht entlarvt wurde oder wenn alle Spieler bloßgestellt worden sind.
Dark Site ist ein Deduktionsspiel, ein Genre, in dem es nicht
sehr viele Spiele gibt. Nachdem die Funktion der Aktionskarte und der Ablauf
einer Anklage klar geworden sind, lässt sich Dark Side leicht spielen.
Die einfache Handhabung mit den Punkten sichert, dass keine Falschauskünfte
erteilt werden. Dies ist besonders wichtig, denn manches Deduktionsspiel
leidet darunter, dass Falschauskünfte eine Lösung unmöglich
machen. Während man das Spiel kennen lernt, unterhalten die Beschreibung
der dunklen Geheimnisse; in späteren Spielen steht das die Detektivarbeit
im Vordergrund.
Einige Punkte müssen wir näher beleuchten. Zunächst ist da
das Material: die Spielfiguren und die Chips sind aus Plastik. Die Karten
sind in aus dünnen Hochglanzpapier. Dies ist ungewöhnlich, sind
die meisten Spiele doch mit Holzfiguren, Pappplättchen und
Standardpappkarten ausgestattet. Das Spielmaterial ist funktionell und bisher
haben auch die dünnen Karten nicht gelitten.
Ein anderer Punkt betrifft die Geheimnisse. Das Spiel ist ab 10 Jahre.
Während man das Geheimnisse "ich bin scharf auf die Freundin meines
besten Freundes" noch erklären kann, gestaltet sich dies bei "Ich habe
eine Affäre mit dem Lehrer" schwieriger. Hier hätten die Inhalte
an die Altersangabe angepasst werden müssen.
Der größte Schwachpunkt aber sind Thematik und Aufmachung. Das
Cover zeigt ein Fantasy-Gemälde, die Erfolgstreppe auf dem Spielplan
erinnert an Escherbilder. Titel und Untertitel - er lautet: enthüllen
sie die dunklen Machenschaften Ihrer Gegner! - ließen uns eher ein
Partyspiel á la Skrupel vermuten. Es wird in keiner Weise deutlich,
dass es sich um ein Deduktionsspiel handelt. So ist zu befürchten, dass
Dark Side an die falschen Spieler gerät.
Wer gerne Deduktionsspiele spielt, sollte sich von den obigen Kritikpunkten nicht abschrecken lassen, denn das Spielsystem überzeugt. Dies liegt an den verschiedenartigen Aktionskarten und an dem Wertungssystem. Wer zu vorsichtig ist, wird niemanden entlarven und in Rückstand geraten. Zu voreilige Spieler verlieren Punkte durch falsche Anschuldigungen; und ist man erst einmal entlarvt, muss man mit einem Kraftakt auch die Mitspieler entlarven. So kann man versuchen, auch in scheinbar ausweglosen Situationen das Spiel noch herumzureißen. Ob dies gelingt, ist eine andere Frage. (wd)
Steckbrief |
Autor | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Illustration |
| Reiner Knizia | Clementoni | 3 - 5 | ab 10 Jahre | 60 Minuten | keine Angabe |