Schriftzug

In der Geschichte von Babel wird ein Turm gebaut, um auf Gottes Höhe zu kommen und ihm gleich zu sein. Er verhindert dies, in dem er jedem Volk eine eigene Sprache gibt und sich so die Bauarbeiter nicht mehr verständigen können.

Auch hier in Babel wird gebaut und zwar Tempel. Diese gehen auch in die Höhe und haben so etwas mit den Turmbau gemeinsam. Ebenfalls sind auch verschiedene Völker am Bau beteiligt. Doch hier hat nun jedes Volk seinen eigenen Bauplatz. Trotzdem dürfen Mitglieder anderer Völker beim Bau kräftig helfen und auch mal den Gegner ein wenig ärgern.

Zu Beginn sind die fünf Bauplätze leer. Jeder Spieler bekommt fünf Angehörige der beteiligten Völker - Hethiter, Assyrer, Perser, Meder und Sumerer - in Form von Karten auf die Hand. Die Türme werden in sechs Stufen gebaut, die ebenfalls auf Karten erhältlich sind. Zu Beginn erhält jeder Spieler eine Karte im Wert von 1, die er im seinem ersten Tempel der Baustufe 2#Zug verbauen muss. Der Bauaufseher jedes Spielers befindet sich derzeit noch "an der Seite", sprich noch an keinem Bauplatz.

Ein Spielzug beginnt immer mit der Aufnahme von 3 Karten. Danach stehen ihm fünf verschiedene Aktionen zur Verfügung, die er bis auf eine Ausnahme beliebig oft ausführen darf. Die einfachste Aktion ist das Ausspielen einer Völkerkarte, um den Bauaufseher an den Bauplatz des Volkes zu schicken. Dort wo er sich befindet, kann man weitere Aktionen ausführen: so darf man dort Völkerkarten auslegen, die dann beim Tempelbau helfen. Der Tempelbau ist auch einfach: in zwei Vorratslagern gibt es Baustufen. Um einen Tempel zu erhöhen, muss dort die nächste Baustufe oben liegen und außerdem müssen an dem Bauplatz so viele Völkerkarten liegen, wie die Baustufe hoch ist. Wenn mein Tempel also 3 Stufen hoch ist, muss die 4 verfügbar sein und mindestens 4 Völkerkarten an dem Bauplatz ausliegen. Des weiteren kann man an dem Bauplatz, an dem der Bauaufseher verweilt, die Eigenschaften der Völker nutzen. Dazu gleich mehr.

Alle vorhergenannten Aktionen können pro Spielzug beliebig oft ausgeführt werden. Nur die Völkerwanderung darf nur einmal stattfinden. Dazu nimmt die drei obersten Karten an einem Bauplatz und legt sie an einen anderen. Der Aufenthaltsort des Bauaufsehers ist dabei egal.

Vorsicht! Einsturzgefahr!Damit nun nicht jeder stumpf vor sich hinbaut, gibt es die Völkereigenschaften. Sobald mindestens drei Vertreter eines Volkes hintereinander liegen, kann sie genutzt werden. Am erschreckensten sind die Assyrer, die den Tempel des Gegners am selben Bauplatz einstürzen lassen. Die Hethiter hingegen klauen die oberste Baustufe beim Gegner, um sie auf den eigenen Tempel zu legen, und mit den Persern lässt sich bei Bau eine Stufe überspringen. Meder und Sumerer schließlich wirken auf die Völkerkarten des Gegners; während die Meder alle Karten eines Volkes auf den Ablagestapel schicken, locken die Sumerer die Vertreter des oben liegenden Volkes auf die eigene Seite. Zuletzt haben alle Völker eine gemeinsame Eigenschaft. Sie können die Kartenhand des Gegners halbieren.

Nachdem ein Spieler nun seinen Zug gemacht hat, deckt er die nächsten beiden Tempelkarten auf und legt sie in das Lager auf seiner Seite, die niedrigere Stufe zu oberst. Da sich beide Spieler aus beiden Lagern bedienen dürfen, ist die Seite des Lagers rein organisatorisch.

Gewonnen hat, wer zuerst 15 Baustufen gebaut hat, ohne dass der Gegner deren 10 errichtet hat. Wenn dies bereits der Fall ist, wird gespielt, bis entweder einer 20 Baustufen errichtet hat oder wieder einer unter 10 Baustufen kommt.

Abwanderungsgedanken?Nachdem Kosmos in der letzten Zeit etwas leichtere Kost in der Zwei-Personen-Reihe veröffentlicht hat, stellt Babel nun wieder höhere Ansprüche. Erscheinen die Regeln beim ersten Spiel noch kompliziert, so sind sie spätestens beim dritten Spiel verinnerlicht. Von nun an braucht man zwar nicht mehr über die Regeln nachzudenken, dafür aber über seinen Spielzug. Die Menge der zur Verfügung stehenden Karten, gepaart mit der Tatsache, dass es nur 5 verschiedene Karten gibt, lassen einem Spieler viel Freiraum bei den Entscheidungen. Während zunächst der vorsichtige Aufbau beginnt, geht es ab der 10 Baustufe hin und her. Zu groß ist die Gefahr, dass der Gegner 15 Baustufen errichtet hat und man selber keine 10. Doch auf der anderen Seite bleibt auch ewig die Hoffnung schneller zu sein. Bedingt durch das ungewöhnliche Spielende mit potenzieller Verlängerung kommt es häufig zu einem Kopf-an-Kopf Rennen, bei dem nicht immer die eigenen 20 Stufen, sondern oft genug auch die 10 Stufen des Gegners im Mittelpunkt des Geschehens stehen.

Mit Babel gibt es nun endlich ein Spiel für zwei, das mit seinen Ansprüchen nahe an das Siedler-Kartenspiel heranreicht. Obwohl im Verhältnis von Glück und Taktik sowie der Vielseitigkeit diesem ähnlich, hat es ein grundlegend anderes Spielprinzip, dessen Vorteil auch darin liegt, dass es mit den Völkereigenschaften nur 5 Regeln zu lernen gilt und nicht für jede Karte eine Sonderbeschreibung notwendig ist.

So kann man Kosmos zu den beiden neuen Spielen in der kleinen Schachtel beglückwünschen. Halali! als kurzes flottes Spiel für zwischendurch und eben Babel für ausgefeilte Taktiken und ausgefuchste Züge. Man sollte keines verpassen. (wd)

Steckbrief
Babel

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Uwe Rosenberg
Hagen Dorgathen
Kosmos 2 ab 12 Jahre 45 - 60 Minuten Claus Schobig