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Zunächst fängt alles ganz harmlos an. Wir öffnen eine Schachtel. Zunächst sehen wird einen Spielplan. Breiten wir ihn aus und schauen ihn uns an, vor uns liegt Nordamerika: viel USA, ein bisschen Kanada und Mexiko. Nein, das klingt zu nüchtern, vor uns liegt das Land der - beinahe - unbegrenzten Möglichkeiten. Dazu fällt die Regel auf, die auf dem Titelbild eine dicke Lok zeigt. Wer die heutigen Eisenbahnen in den USA gesehen hat, weiß, dass die Lok stilecht für den amerikanischen Kontinent ist. Heben wir Spielplan und Regel an: über 100 kleine Lokomotiven warten darauf, dass mit ihnen gespielt wird. Außerdem gibt es Aktienkarten und Geldscheine; alles, was wir benötigen, um den großen Aufstieg in den USA zu schaffen, wollen wir doch der reichste Eisenbahnbaron von Nordamerika werden.

Startbahnhof der BNL und UmgebungWie aber geht das? Zu Spielbeginn sind die 10 Gesellschaften bereits gegründet. Jede Eisenbahngesellschaft - mit Ausnahme der Union Pacific - hat einen Startbahnhof. Die "El Paso & El Grande" als größte Eisenbahngesellschaft befährt zwei Strecken, alle anderen Gesellschaften befahren eine Strecke. Damit wir Spieler auch wissen, wo die Eisenbahngesellschaft fährt, steht auf der Strecke jeweils eine der kleinen Lokomotiven, in der Farbe der Eisenbahngesellschaft.

Nun aber müssen wir noch teilhaben an den Gesellschaften. Dazu bekommen wir 5 Aktien, schließlich sind wir nicht irgendein armer Schlucker, sondern auf dem Weg zum Reichtum. Eine dieser 5 Aktien gehört zur Union Pacific und ist eine Investition in die Zukunft. Dazu später mehr. Die anderen Aktien gehören zu den 10 bereits aktiven Gesellschaften. Zu Beginn darf jeder Spieler eine Aktie vor sich legen. Das zeigt, bei welcher Gesellschaft er bereits Teilhaber ist; in den meisten Fällen ist er derzeit noch Monopolist.

Der Joker der SchienenkartenAuf dem Spielplan befinden sich vier Arten von Schienen: die klassische, die an den Küsten und an den Grenzen der USA zu finden ist, die weiße im Nordosten die schwarze im Südosten und im mittleren Süden, und die gestreifte im Nordwesten. Schienenkarten zeigen, auf welcher Schienenart eine neue Strecke befahren werden darf. Zum Start erhält jeder Spieler noch drei Schienenkarten.

Zum Start gehört als letztes die Verwaltung der restlichen Aktien. Zunächst werden vier Aktien offen ausgelegt, danach werden nach einem vorgegebenen Verfahren vier Wertungskarten in die restlichen Aktien eingemischt. So wird sichergestellt, daß zunächst keine Wertungskarte auftaucht. Im zweiten Abschnitt gibt es dann eine dieser Karten und die letzten drei befindet sich im größten Anteil der Aktien, ihr Erscheinen ist damit unvorhersehbar. Diese Wertungskarten bestimmen, wann es Prämien für die Aktionäre einer Eisenbahngesellschaft gibt.

Lassen wir uns von dem aufwendig klingenden Start nicht abschrecken. Er dauert nur beim ersten Spiel lange, danach geht er schnell von der Hand. Die Regeln für das Spiel sind um so einfacher, kann ein Spieler, wenn er an der Reihe ist, "nur" aus zwei Aktionen wählen. Die eine Aktion vergrößert das Schienennetz einer Eisenbahngesellschaft, bei der anderen werden Investionen in die Eisenbahngesellschaften getätigt. Die einzige weitere Regel erkärt, wie bei Wertungen aus den Investionen Geld gewonnen wird.

Der Ausbau geht in vier einfachen Schritten vor sich. Zunächst erhält der Spieler eine weitere Schienenkarte. Danach wählt er die Gesellschaft, deren Streckennetz er ausbauen möchte. Dabei muß der Spieler beachten, dass jede Eisenbahngesellschaft nur auf bestimmten Schienenarten fährt, und eine entsprechende Schienenkarte ablegen. Anschließend markiert er die neu befahrene Strecke mit einer Lok der Gesellschaft, wobei die neue Strecke an das bereits bestehende Netz der Gesellschaft anschließen muß. Als Belohnung für den Streckenausbau erhält der Spieler eine Aktie. Diese kann er sich aus den vier offen ausliegenden Aktien wählen oder er nimmt eine Aktie der Union Pacific oder er zieht eine Aktie von Kartenstapel. Letzteres hat den Vorteil, dass niemand weiß, welche Aktie der Spieler erhält, birgt aber auch die Gefahr, eine unbrauchbare Aktie zu erhalten. Damit man nun nicht auf seinem Schrott sitzen bleibt, darf man zusätzlich zum Erhalt einer Aktie auch noch eine Aktie tauschen. Dazu legt man eine beliebige Aktie von der Hand ab, die dann aus dem Spiel ist, und erhält eine Union-Pacific-Aktie.

Aktie der Sioux Falls Royal Blue Das Investieren ist noch einfacher: auch hier bekommt man zunächst eine Schienenkarte. Danach legt man Aktien aus. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: entweder legt man zwei beliebige Aktien aus oder man legt beliebig viele Aktien aus, die dann aber zu einer Gesellschaft gehören müssen. Danach wirft man eine beliebige Schienenkarte ab, hat bei der Aktion also eine Schienenkarte getauscht.

Aktie der Marquette Rocky RoadBevor wir darauf eingehen, wie aus diesen beiden Aktionen großer Spielspaß entsteht, brauchen wir noch Kenntnisse über die Wertungen. Immer wenn eine Karte vom Kartenstapel gezogen wird oder eine offene Aktie ausgewählt wurde und die Auslage aufgefüllt wird, kann eine Wertungskarte kommen. Dann wird gewertet, und zwar für alle Eisenbahngesellschaften. Zunächst wird der Wert der Gesellschaft ermittelt. Jede Lok auf dem Spielplan den Wert von einer Million. Hinzu kommt noch einmal eine Million für den Startbahnhof. Eine Gesellschaft mit 3 Loks hat somit einen Wert von 4 Millionen. Der größte Aktionär dieser Gesellschaft erhält diesen Betrag; der zweitgrößte erhält den halben Betrag, wobei gegebenenfalls abgerundet wird. Gibt es nur einen Aktionär, erhält er beide Prämien. Alle anderen Spieler gehen leer aus. Bei Gleichständen werden die Beträge aufgeteilt. Dabei kann es zu weiteren Abrundungen kommen, so dass oft nur noch ein kleiner Betrag übrig bleibt.

Eine Sonderrolle spielt die Union Pacific: sie hat keinen Startbahnhof und keine Loks. Bei Wertungen gibt es für sie eine feste Prämienausschüttung. Während es bei der ersten Wertung noch keine Prämie gibt, steigt sie im Verlauf des Spiels bis auf 20 Millionen für den größten Aktionär an. Auch erhalten die fünf größten Aktionäre Prämien, und nicht nur die beiden größten. Ein Monopol wird hier nicht belohnt.

Loks in 5 FarbenLoks in weiteren 5 Farben

Worin besteht denn nun der Spielreiz? Das wichtigste ist der immer schwelende Konflikt, zwischen beiden Aktion wählen zu müssen. Wenn man baut, erhält man eine Aktie, aber wenn eine Wertung kommt, sind die Aktien auf der Hand wertlos. Legt man aber Aktien aus, bauen die anderen Spieler und erhalten Aktien und gefährden die Mehrheit... es sei denn, es kommt die Wertung, dann sind deren Aktien wertlos...

Auch bei der Auswahl der Aktien hat man weitreichende Entscheidungen zu treffen. Versuche ich ein Monopol zu verteidigen oder kaufe ich mich lieber in eine neue Gesellschaft ein oder greife ich die Aktienmehrheit eines anderen Spielers an?

Insgesamt ist die Entscheidungsvielfalt bei Union Pacific sehr groß. Durch die Aktienkarten erhält es die notwendige Portion Glück, die notwendig ist, damit es locker bleibt und nicht in langwierigen strategischen Überlegungen ausartet. Jeder einzelne Zug ist schnell ausgeführt. In dieser Kürze eines Spielzuges gepaart mit seinen Einflüssen auf das Spielgeschehen liegt die Würze.

Aktie der Union PacificUnion Pacific spielt sich in jeder Besetzung gut. Dies ist bemerkenswert bei einem Spiel, wo die Interaktionen zwischen den Spielern nur über das Material ablaufen und sich scheinbar die Einflußmöglichkeiten bei größerer Spielerzahl verringern. Durch die große Anzahl von Eisenbahngesellschaften gibt es aber auch bei Höchstbesetzung genügend Entfaltungsmöglichkeiten und nur selten liegt ein Spieler abgeschlagen hinten. Ein Phänomen, das nur wenige Spiele bei großer Spieleranzahl aufweisen können.

Entsteht die Kurzweil durch die Regeln, so wird der Spielreiz durch das Material bestens unterstützt. Die Loks animieren zum Spiel. Aus stabilen Plastik gefertigt sind sie praktisch und bieten auf der Landkarte einen hübschen Anblick. Die solide Kartenqualität ist bei Amigo eigentlich keine Erwähnung wert, genauso wie das durchdachte Inlett, wie wir es schon bei Elfenland vorgefunden haben. Bemerkenswert ist die Farbgebung für die Gesellschaften. 10 verschiedene Farben zu finden, die gut unterscheidbar sind, ist an sich schon eine Meisterleistung. Wir haben uns ausgiebig mit Farbenblindheit beschäftigt und unser farbenblinder Testspieler konnte problemlos mitspielen. Davor ziehen wir den Hut.
Empfehlenswert ist es in den Abendstunden für eine ausreichende Beleuchtung zu sorgen.

Nach Elfenland hat das Team Amigo - Alan R. Moon wieder einen Volltreffer gelandet und so darf man gespannt sein, ob und was dieses Team für das nächste Jahrtausend herausbringt.

Bleibt zum Schluss noch die 2-Personenregel. Sie klingt interessant, aber wir haben sie noch nicht ausprobiert. Es ist zu einfach, weitere Mitspieler zu finden. (bd) (wd)

Steckbrief
Union Pacific

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Grafik
Alan R. Moon Amigo 2 - 6 ab 12 Jahre ca. 90 Minuten Franz Vohwinkel