Die gute Nachricht gleich vorweg. Löwenherz ist, was die Regeln angeht, originalgetreu 1:1 umgesetzt. Darum muss ich mich also hier nicht kümmern und kann auf die obige Rezension verweisen. Allerdings scheint es notwendig zu sein, das Original zu kennen. Denn ein Tester, der Löwenherz überhaupt nicht kannte und von mir genötigt wurde zu ergründen, wie man mit der PC-Umsetzung zurecht kommt, meinte, dass es trotz des interaktiven Tutorials, der Hilfeabfrage während des Spiels und des Begleithefts schwer sei, Löwenherz in seiner Gesamtheit, oder auch das Zusammenwirken der einzelnen Komponenten zu erfassen. Dazu kann ich nichts weiter sagen, mag aber andererseits behaupten, dass es einem Neuling, der die Regeln des Brettspiels liest, ähnlich ergehen würde. Nur, er hat in den meisten Fällen einen Mitspieler, der das Spiel kennt und erklären kann. Ob das bei einer Online-Partie oder im LAN mit realen Mitspielern auch klappen kann?
Werfen wir also
einen Blick auf die Umsetzung. Alle benötigten Informationen sind auf
dem Bildschirm sichtbar. In der Mitte das Spielfeld mit umlaufender
Zählleiste, drum herum der Machtkartenmarkt, die eigene Kartenhand
einschließlich der vorhandenen Dukaten und belegten Minen sowie diese
Information für die Gegner. Wie man das bei dartmoor schon gewohnt ist,
kann man auch hier die Kamera, also die Blickrichtung af das Spielfeld frei
wählen. Das mag bei einem 3D-Spiel wie Torres durchaus sinnvoll sein,
hier ist es jedoch kaum mehr als eine Spielerei. Glücklicherweise gibt
es die Option 'Einfache Grafik', bei deren Aktivierung das gesamte Spielfeld
mit Blick von oben dargestellt wird. Ich habe nachher des besseren
Überblicks wegen nur noch diese Einstellung genutzt, trotz der schön
gestalteten Burgen, Ritter oder Grenzsteine bei der anderen Einstellung.
Beim Einsetzen der Burgen zu Beginn werden alle Felder, wo dies möglich ist, angezeigt. Dadurch entfällt das lästige Abzählen, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Ebenso entfällt natürlich die Berechnung des Werts eines Gebiets bei seiner Gründung. Während des Spiels steht jederzeit eine UNDO-Funktion zur Verfügung, für den Fall, dass man sich vertan hat. Jederzeit? Nein, und damit gehe ich nahtlos zu den negativen Punkten über.
Ist der Kartenstapel
einmal aufgebraucht, gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Warum eigentlich
nicht? Ein weiterer Punkt, der mich sehr gestört hat, der Machtkartenmarkt.
Aus Platzgründen sind nur drei Karten darstellbar, ok. Liegen dort aber
mehr als drei Karten, erscheinen rechts und links davon kleine Pfeile zum
Blättern, auch wenn nur eine Richtung möglich ist. Wie oft habe
ich auf einen Pfeil geklickt und nichts ist passiert? Schlimmer noch. Der
linke Pfeil ist so nahe am Nachziehstapel platziert, dass, leicht daneben
geklickt, unbeabsichtigt eine verdeckte Karte nachgezogen wird. Dumm gelaufen,
denn für die letzte Aktion eines Spielers kann es natürlich keine
UNDO-Funktion geben, da er die nächste Karte dann schon kennt. Aber
warum muss man dann das Ende seines Zuges durch einen Klick bekannt geben?
Das ist meiner Meinung nach unnötig. Genauso wie das Nachziehen einer
Karte, wenn das Spiel schon längst beendet ist. In beiden Fällen
könnte automatisch vorgegangen werden. Ein Programmierfehler hat sich
beim Setzen eines Ritters eingeschlichen. Darf man zwei Ritter setzen und
verbraucht für den ersten seinen letzten Dukaten, werden für den
zweiten Ritter auch noch alle erreichbaren Waldfelder als möglich markiert.
Das ist irritierend, da das tatsächliche Setzen richtigerweise verweigert
wird.
Etwas unglücklich fand ich die (allerdings realistische) Farbwahl für die Kupfer- bzw. Goldminen, die damit zumindest für meine Augen schlecht zu unterscheiden sind. Und die Anzeige eines Bündnisses. Hier wird nicht einfach eine Grenze um 90Grad gedreht, sondern eine Art Nebel wabert hin und her über eine der betreffenden Grenzen. Eigenartig. Eigenartig auch, dass manchmal, eine Regel war nicht erkennbar, eine verkaufte Machtkarte nicht im Markt erschein, später aber dann doch mit auftauchet.
Die beschriebenen Mängel lassen nach meiner Meinung darauf schließen, dass es sich bei Löwenherz um einen Schnellschuss handelt. Sie müssten doch eigentlich in (neutralen) Testpartien aufgefallen sein. Und Ihre Behebung dürfte nicht das Problem sein. Schade, da hätte man sich vielleicht doch noch etwas Zeit lassen sollen. Aber so kurz vor Weihnachten
Zum Abschluss noch ein paar Worte zur KI. Selbst wenn die Spielstufe 'schwer' für die Computergegner eingestellt ist, dauert ihre 'Überlegungsphase' nicht lange. Eine Partie ist durchaus in 15 Minuten durchspielbar. Generell macht die KI einen guten Eindruck, aber Unzulänglichkeiten sind nicht zu übersehen. Ein Bündnis für ein drei Felder großes Gebiet einzugehen, das sich zudem nicht mehr vergrößern kann., ist sinnlos. Genauso wie einen Überläufer einzusetzen, der keinerlei Effekt erzielen kann. Die Dukaten sollten besser gespart werden, dann müssten nicht Karten mit Gebietserweiterungen an den Machtmarkt verkauft werden. Ich habe solche Karten immer gerne genommen. Alles in allem agieren die Computerspieler zwar gut und sind akzeptable Gegner, aber selbst mit stärkster eingestellter Stufe sind sie in der Regel doch zu besiegen, wenn man selbst keinen groben Schnitzer macht.
Löwenherz hat mir als Brettspiel schon ausnehmend gut gefallen. Ähnlich ergeht es mir mit der PC-Umsetzung. Die unübersehbar vorhandenen Mängel in der grafischen Gestaltung und der Bedienoberfläche verblassen durch die rosarote Brille des Fans. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine verbesserte Version. Ob das Programm aber bei reinen Computerfreaks ankommt, mag ich bezweifeln. Und die Masse der Brettspieler wird sowieso eine ftf-Partie dem Computer vorziehen.
Steckbrief |
Löwenherz |
| Spielvorlage | Löwenherz |
Autor und Verlag des Spieles |
Klaus Teuber/Kosmos |
Hersteller der CD-Rom |
Dartmoor Softworks |
Mindest-Systemvoraussetzungen laut Hersteller |
|
CPU / Arbeitsspeicher |
400Mhz / 64MB |