CD Löwenherz

L÷wenherz

Vor einigen Monaten war an dieser Stelle die Neuauflage des Klaus Teuber Spiels Löwenherz, erschienen im Kosmos-Verlag, Gegenstand einer Rezension. In der Zwischenzeit ist durch dartmoor softworks eine PC-Umsetzung dieses in meinen Augen ausgezeichneten Spiels veröffentlicht worden. Löwenherz reiht sich damit in die Umsetzung weiterer Brettspielklassiker wie Euphrat & Tigris, Expedition nach Tikal und Torres ein.

Die gute Nachricht gleich vorweg. Löwenherz ist, was die Regeln angeht, originalgetreu 1:1 umgesetzt. Darum muss ich mich also hier nicht kümmern und kann auf die obige Rezension verweisen. Allerdings scheint es notwendig zu sein, das Original zu kennen. Denn ein Tester, der Löwenherz überhaupt nicht kannte und von mir genötigt wurde zu ergründen, wie man mit der PC-Umsetzung zurecht kommt, meinte, dass es trotz des interaktiven Tutorials, der Hilfeabfrage während des Spiels und des Begleithefts schwer sei, Löwenherz in seiner Gesamtheit, oder auch das Zusammenwirken der einzelnen Komponenten zu erfassen. Dazu kann ich nichts weiter sagen, mag aber andererseits behaupten, dass es einem Neuling, der die Regeln des Brettspiels liest, ähnlich ergehen würde. Nur, er hat in den meisten Fällen einen Mitspieler, der das Spiel kennt und erklären kann. Ob das bei einer Online-Partie oder im LAN mit realen Mitspielern auch klappen kann?

Werfen wir also einen Blick auf die Umsetzung. Alle benötigten Informationen sind auf dem Bildschirm sichtbar. In der Mitte das Spielfeld mit umlaufender Zählleiste, drum herum der Machtkartenmarkt, die eigene Kartenhand einschließlich der vorhandenen Dukaten und belegten Minen sowie diese Information für die Gegner. Wie man das bei dartmoor schon gewohnt ist, kann man auch hier die Kamera, also die Blickrichtung af das Spielfeld frei wählen. Das mag bei einem 3D-Spiel wie Torres durchaus sinnvoll sein, hier ist es jedoch kaum mehr als eine Spielerei. Glücklicherweise gibt es die Option 'Einfache Grafik', bei deren Aktivierung das gesamte Spielfeld mit Blick von oben dargestellt wird. Ich habe nachher des besseren Überblicks wegen nur noch diese Einstellung genutzt, trotz der schön gestalteten Burgen, Ritter oder Grenzsteine bei der anderen Einstellung.

Beim Einsetzen der Burgen zu Beginn werden alle Felder, wo dies möglich ist, angezeigt. Dadurch entfällt das lästige Abzählen, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Ebenso entfällt natürlich die Berechnung des Werts eines Gebiets bei seiner Gründung. Während des Spiels steht jederzeit eine UNDO-Funktion zur Verfügung, für den Fall, dass man sich vertan hat. Jederzeit? Nein, und damit gehe ich nahtlos zu den negativen Punkten über.

Ist der Kartenstapel einmal aufgebraucht, gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Warum eigentlich nicht? Ein weiterer Punkt, der mich sehr gestört hat, der Machtkartenmarkt. Aus Platzgründen sind nur drei Karten darstellbar, ok. Liegen dort aber mehr als drei Karten, erscheinen rechts und links davon kleine Pfeile zum Blättern, auch wenn nur eine Richtung möglich ist. Wie oft habe ich auf einen Pfeil geklickt und nichts ist passiert? Schlimmer noch. Der linke Pfeil ist so nahe am Nachziehstapel platziert, dass, leicht daneben geklickt, unbeabsichtigt eine verdeckte Karte nachgezogen wird. Dumm gelaufen, denn für die letzte Aktion eines Spielers kann es natürlich keine UNDO-Funktion geben, da er die nächste Karte dann schon kennt. Aber warum muss man dann das Ende seines Zuges durch einen Klick bekannt geben? Das ist meiner Meinung nach unnötig. Genauso wie das Nachziehen einer Karte, wenn das Spiel schon längst beendet ist. In beiden Fällen könnte automatisch vorgegangen werden. Ein Programmierfehler hat sich beim Setzen eines Ritters eingeschlichen. Darf man zwei Ritter setzen und verbraucht für den ersten seinen letzten Dukaten, werden für den zweiten Ritter auch noch alle erreichbaren Waldfelder als möglich markiert. Das ist irritierend, da das tatsächliche Setzen richtigerweise verweigert wird.

Etwas unglücklich fand ich die (allerdings realistische) Farbwahl für die Kupfer- bzw. Goldminen, die damit zumindest für meine Augen schlecht zu unterscheiden sind. Und die Anzeige eines Bündnisses. Hier wird nicht einfach eine Grenze um 90Grad gedreht, sondern eine Art Nebel wabert hin und her über eine der betreffenden Grenzen. Eigenartig. Eigenartig auch, dass manchmal, eine Regel war nicht erkennbar, eine verkaufte Machtkarte nicht im Markt erschein, später aber dann doch mit auftauchet.

Die beschriebenen Mängel lassen nach meiner Meinung darauf schließen, dass es sich bei Löwenherz um einen Schnellschuss handelt. Sie müssten doch eigentlich in (neutralen) Testpartien aufgefallen sein. Und Ihre Behebung dürfte nicht das Problem sein. Schade, da hätte man sich vielleicht doch noch etwas Zeit lassen sollen. Aber so kurz vor Weihnachten…

kartenübersicht

Zum Abschluss noch ein paar Worte zur KI. Selbst wenn die Spielstufe 'schwer' für die Computergegner eingestellt ist, dauert ihre 'Überlegungsphase' nicht lange. Eine Partie ist durchaus in 15 Minuten durchspielbar. Generell macht die KI einen guten Eindruck, aber Unzulänglichkeiten sind nicht zu übersehen. Ein Bündnis für ein drei Felder großes Gebiet einzugehen, das sich zudem nicht mehr vergrößern kann., ist sinnlos. Genauso wie einen Überläufer einzusetzen, der keinerlei Effekt erzielen kann. Die Dukaten sollten besser gespart werden, dann müssten nicht Karten mit Gebietserweiterungen an den Machtmarkt verkauft werden. Ich habe solche Karten immer gerne genommen. Alles in allem agieren die Computerspieler zwar gut und sind akzeptable Gegner, aber selbst mit stärkster eingestellter Stufe sind sie in der Regel doch zu besiegen, wenn man selbst keinen groben Schnitzer macht.

Löwenherz hat mir als Brettspiel schon ausnehmend gut gefallen. Ähnlich ergeht es mir mit der PC-Umsetzung. Die unübersehbar vorhandenen Mängel in der grafischen Gestaltung und der Bedienoberfläche verblassen durch die rosarote Brille des Fans. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine verbesserte Version. Ob das Programm aber bei reinen Computerfreaks ankommt, mag ich bezweifeln. Und die Masse der Brettspieler wird sowieso eine ftf-Partie dem Computer vorziehen.

Steckbrief

Löwenherz

Spielvorlage Löwenherz

Autor und Verlag des Spieles

Klaus Teuber/Kosmos

Hersteller der CD-Rom

Dartmoor Softworks

Mindest-Systemvoraussetzungen laut Hersteller

CPU / Arbeitsspeicher

400Mhz / 64MB