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Love Letter oder neue Chance für ein kleines Spiel?Love Letter oder neue Chance für ein kleines Spiel?

Als letztes Jahr Hanabi zum Spiel des Jahres gekürt wurde, durchbrach diese Auszeichnung ein ehernes, ungeschriebenes Gesetz: Ein kleines Spiel kann nicht Spiel des Jahres werden. Das war beim Deutschen Spielepreis anders, doch dort ist es lange her:1994 gewannmit 6 nimmt ein Spiel in der Kartenspiel-Stülpschachtel.

Drei Charaktere aus Love Letter

In diesem Jahrgang gibt es nun ein Spiel, das viele Spiele begeistert und noch minimalistischer daherkommt: Love Letter. Der Minimalismus besteht in der Kartenanzahl. Aus gerade einmal 16 Stück besteht das Spiel. Verringern wir diese Zahl noch einmal. Zu Beginn bekommt jeder Spieler eine Karte und eine wird aus dem Spiel genommen und so verbleiben gerade mal 11 Karten im Spiel zu viert. Da ein Durchgang endet, wenn der Nachziehstapel leer ist und manchmal sogar zwei Karten pro Spielzug verbraucht werden, kann ein hinten sitzender Spieler durchaus nur zwei Spielzüge haben. Hinzu kommt noch, dass ich in einem Spielzug genau zwei Karten besitze. Meine Entscheidung besteht also darin, welche dieser beiden Karten ich spiele und gegebenenfalls, wer mein Partner oder genauer mein Ziel ist. Hätte mir jemand diesen Ausschnitt von einem Spiel erzählt, meine Antwort zu diesem Spiel wäre ein "Gähn!" oder ähnlich Abwertendes gewesen.
Nun kenne ich das Spiel und es hat nicht nur mich überzeugt. Das ungewöhnliche Thema, Liebesbriefe an eine Prinzessin zu senden, die übergroßen Spielkarten mit feinen Illustrationen und klaren Anweisungen sowie rote Herzchen als Zeichen des Gewinns einer Spielrunde animieren zum Spielen. Die Regeln sind dabei so einfach und die Spieldauer so gering, dass sich das Spiel sehr gut für Gelegenheitsspieler eignet. Was Vielspieler, genauer Strategiespieler, angeht, habe ich schon viele erlebt, die ihren Spaß bei dem Spiel hatten; wenn ich es genau überlege, waren es die meisten. Der Rest fällt für mich in die Kategorie "man kann es halt nicht allen Recht machen".

Wenn ich von einem Spiel überzeugt bin, und dazu gehört auch, dass ich sehe wie das Spiel bei vielen anderen Spielern ankommt, gehen mir die Fragen durch den Kopf, ob ein solches Spiel Chancen auf Auszeichnungen hat. Bei diesem Spiel muss ich das, denn es hat bereits internationale Anerkennung bekommen. Meine durch den Kopf spukenden Fragen beziehen sich auf die wichtigsten deutschen Spielepreise.
Ich mache deshalb einen Ausblick auf das Spiel des Jahres und den Deutschen Spielepreis. Als einfaches Spiel, bezogen auf die Regelkomplexität, ist es für mich ein Kandidat in der Kategorie Spiel des Jahres. Nun war der Titelträger aus dem letzten Jahr ein kleinformatiges Spiel. Die jährlichen Entscheidungen werden zwar unabhängig voneinander gefällt, trotzdem bleibt der Gedanke im Kopf ob es nicht ein Nachteil ist, dass Love Letter in einer nicht viel größeren Schachtel erschienen ist. Dazu sei angemerkt, dass der Platzbedarf des Spielmaterials keine größere Schachtel rechtfertigt und dass es für mich bei den vielen Spielen hier im Haushalt auch gut ist, dass es nur wenig Platz im Regal einnimmt. Vom spielerischen Anspruch her bin ich sicher, dass Love Letter ein würdiger Titel ist. Zumindest eine Empfehlung, wenn nicht gar eine Nominierung traue ich dem Spiel auf jeden Fall zu und eine Nichtberücksichtigung seitens der Jury wäre für mich eine große Überraschung und würde bei mir Verwunderung auslösen.
Anders sieht es beim Deutschen Spielepreis aus. Hier überwiegen seit langem die Strategiespiele und so hat Love Letter hier einen deutlich schwierigeren Stand. Obwohl es (bisher) in diesem Jahrgang keine so überzeugenden Strategiespiele wie im letzten Jahr gibt, kann ich mir Love Letter nicht als Sieger vorstellen. Das wäre hier die Überraschung, aber einen Platz in den Top 10 traue ich ihm zu. Vielleicht liefert ja der Pfefferkuchel, der Spielepreis des Spieletreffs in Oberhof, einen ersten Anhaltspunkt. Mit einer guten Platzierung dort hat schon mancher Erfolgsweg eines Spieles begonnen. (wd)