Interview by Email

Interview by Email ist eine neue Interview-Form, bei der die Leser aktiv in das Interview eingreifen konnten. Dem Befragten wird dabei jeden Tag per Email eine Frage gestellt, die er am gleichen Tag beantwortet und die dann hier veröffentlicht wird.
Wir haben unseren Lesern die Möglichkeit gegeben, Fragen an Synes Ernst zu stellen. Wir danken allen Lesern, die hiermit zum Interview beigetragen haben.

Wir danken Synes Ernst herzlich dafür, dass er bereit war, bei dem Interview per Email mitzumachen, und bereit war, auf alle Fragen, auch die etwas provokativeren zu antworten.

Die Antworten erhält man nach Klick auf die Nummer
1 Am 11. 9. erlebte die Welt den größten Terroranschlag ihrer Geschichte. Auch jetzt, einige Tage später, ist das Ausmaß dieses Anschlags nicht bekannt. Der Welt stockt der Atem angesichts des Geschehenen. Viele Spieler haben bereits geäußert, sie hätten momentan keine Lust zu spielen, andere spielen weiter, um mit ihren bescheidenen Möglichkeiten zu zeigen, dass sie sich nicht vom Terrorismus beherrschen lassen.

Eine immer wieder gehörte Äußerung, wenn es um die Vorliebe für das Spiel geht, ist die Eigenschaft des Spiels zu vereinen. Dies betrifft sowohl das Alter, als auf Abstammung, Kultur und viele andere Eigenschaften, in denen sich Menschen unterscheiden. Welchen Beitrag kann das Spiel wirklich zur Völkerverständigung und zum Frieden beitragen?

Gleichzeitig enthalten Spiele diverse Formen der Gewalt. Dies geht von unmoralischen Handlungen über Straftaten zu Krieg und Eroberung. Darf man Inhalte von Spielen mit der Realität vergleichen? In welchem Ausmaß ist Gewalt im Spiel zulässig, um das Spiel weiterhin als Spaß betrachten zu können? Und welche Bedeutung hat das Spiel angesichts der Ereignisse wie wir sie in den letzten Tagen erlebt haben?

2 Du bist, zumindest in Deutschland, mehr als Mitglied bzw. als 1. Vorsitzender der Jury "Spiel des Jahres" bekannt. Als wir dich unseren Leser vorstellen wollten, schauten wir zunächst auf dein Portrait auf der Website der Jury. Dort findet man ausführlich deinen journalistischen Werdegang, jedoch keine Informationen zu dir mit Bezug auf Gesellschaftsspiele. Wir kamst du zum Spielen und zum Spiele-Journalismus?
3 Viele Spiele kommen in verschiedenen Gruppen unterschiedlich gut an. Durch seine Buch "Kleine Philosophie der Passionen: Spielen" wissen wir von Michael Knopf, dass er vorzugsweise mit ihm bekannten Menschen spielt. Knut Michael Wolf hingegen ist unter anderen auf diverses Spieltreffs und Presseveranstaltungen zugegen. Mit wem spielst du?
Als Mitglied der Jury "Spiel des Jahres" entscheidest du auch über den Preis "Kinderspiel des Jahres". Mit wem spielst du Kinderspiele?
4 Viele Spieler hegen Vorlieben für ein oder mehrere "Typen" von Spielen; so äußerte sich Dorothea Hess einmal dahingehend, dass sie gerne Legespiele spielt. Hast du bestimmte Spieletypen, die dir besonders gefallen? Wenn ja, was gefällt dir an diesem Typ Spiel so besonders?
5 Deine Rezensionen sind außerhalb der Schweiz schwer erhältlich. Wie kommt man an sie heran?
Dazu erhielten wir eine spezielle Frage "Wird die Spieleseite bei der Neulancierung der Weltwoche wieder aufgenommen?"
6 Als Rezensent lieferst du Informationen über Spiele. Wie aber informierst du dich über neue Spiele? Inwieweit nutzt du dabei das Internet?
Dazu erhielten wir eine spezielle Frage von Tobias Moos: "Wie stark (oder überhaupt) nutzen Sie das Internet als Entscheidungshilfe für das SdJ?"
7 Als Schweizer gehört du einem Land an, in dem vier Sprachen gesprochen werden. Wenn man die Schweiz mit Spielen verbindet, fallen einem zunächst Urs Hoststettler und sein Verlag "Fata Morgana" sowie das Spielfest in St. Gallen ein. Was kennzeichnet die Schweizer Spielekultur? Was unterscheidet sie von der deutschen und österreichischen Spielekultur? Und wie geht sie mit der Vielsprachigkeit um?
8 In der Jury SdJ sind überwiegend Deutsche vertreten. Es gibt mit Tom Felber und dir zwei Schweizer, derzeit aber keinen Österreicher. Wenn es neue Mitglieder für die Jury gibt, welche Kriterien müssen sie erfüllen und wer sucht sie aus? Findet dabei die Herkunft sowohl bezogen auf das Land (Deutschland, Schweiz, Österreich) als auch das Medium Berücksichtigung. Bzgl. des Mediums heißt es "Printmedium". Wurden andere Medien wie Fernsehen, Radio oder auch Internet bewusst ausgeschlossen und wenn ja warum?
9 Wolfgang ist hauptberuflich bei Bertelsmann beschäftigt. Dort gibt es eine Regelung, dass Mitarbeiter, auch die der Geschäftsleitung, spätestens mit 70 Jahren in den Ruhestand gehen müssen. Die Jury SdJ vergibt nun den Preis seit 23 Jahren und die Altersstruktur hat sich dabei auch nach oben bewegt. Inwieweit ist es notwendig, bei der Jury SdJ auf eine gemischte Altersstruktur zu achten und welche Maßnahmen werden dazu ergriffen?
10 Es gibt den Verein "Spiel des Jahres", dem die Jury-Mitglieder angehören. Welche Aufgaben nimmt der Verein wahr? Können auch "normale" Spieler Mitglied werden? Wenn ja, was müssen sie dafür tun und was haben sie davon?
11 Es gibt immer wieder Kritik an der Preisverleihung, vor allem auch stark im Internet. Wie gehst du mit dieser Kritik um? Wie groß ist der Anteil der positiven Kritik und wer äußert sie?
12 Mit Carcassonne scheint der "Jury Spiel des Jahres" in diesem Jahr erstmals seit den Siedlern von Catan wieder eine Prämierung gelungen zu sein, die sowohl Selten-, Familien- und Vielspieler als auch Freaks gleichermaßen begeistert. Wenn ich mich recht erinnere, hatten sie sich im Jahr 1995 frühzeitig auf die Siedler von Catan als SDJ festgelegt und dadurch einen wahren " Spieleboom" ausgelöst. Könnte ihrer Meinung nach Carcasonne einen ähnlichen Effekt erzielen?
13 Es gibt eine Vielzahl sehr guter Kartenspiele! Kartenspiele stehen auch immer wieder einmal auf der Auswahlliste, was mit Sicherheit eine Wertschätzung eines solchen Spiels darstellt. Dennoch haben sich Kartenspiele nie durchsetzen können (Anmerkung der PK: u. a. "verlor" 6 nimmt gegen Manhattan, Bohnanza gegen Mississippi Queen und Ohne Furcht und Adel gegen Torres) Ich gehe davon aus, dass dies aus rein kommerziellen Gründen geschieht Gewinnspanne zu gering)? Hat die Jury schon einmal über einen zusätzlichen Sonderpreis nachgedacht:"Bestes Kartenspiel"?
Die Jury hält bis auf die Unterscheidung "Spiel des Jahres", "Kinderspiel des Jahres" und mancher Sonderauszeichnung an der Verleihung eines (Haupt)preises fest. Welche Gründe sprechen dafür (und auch dagegen)?
14 In ihrer Rede zum diesjährigen Spiel des Jahres schreiben Sie, dass die Verlage verstärkt Spiele mit einfachem Einstieg veröffentlichen würden, um das Kulturgut Spiel damit einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Zumindest kann ich keineswegs feststellen, dass sich der aktuelle Spiele-Jahrgang groß von dem der Vorjahre unterscheidet und dass mehrere Verlage Spiele mit einfachem Einstieg bevorzugen würden. Daher wirkt eine solche Äußerung für mich wie eine gezielte Beeinflussung der Verlagspolitik.
Finden Sie nicht, dass Sie mit einer solchen Äußerung die Machtposition der Jury zu sehr ausnutzen?
15 In immer mehr Ländern werden ein oder auch mehrere Spiele ausgezeichnet. Zuletzt entstand der österreichische Preis "Spiel der Spiele". Was ist von dieser Entwicklung zu halten? Wir stehen mit der Währungsreform kurz vor einem der wichtigsten Schritte für ein vereintes Europa (wenn derzeit auch ohne die Schweiz). Was ist von einem europäischen Spielepreis zu halten. Wie könnte so etwas bei den verschiedenen Sprachen und Kulturen aussehen?
16 Ich denke viele Spieler würde interessieren, welche kommerziellen Randbedingungen der Spiel-des-Jahrs-Pöppel hat, d.h. kann sich ein Kleinverlag die Auszeichnung leisten? Welche Abgaben muss ein Verlag pro verkauften Spiel für den Pöppel zahlen? Werden Unterschiede zwischen "Auswahlliste" und "Spiel des Jahres" gemacht? Was geschieht mit diesen Zahlungen? In wie weit wird die Jury für ihre Arbeit entlohnt?"
17 Ein "Spiel des Jahres" soll sich bis zu 500 000 mal pro Jahr verkaufen. Gerüchte besagen, dass Torres nur 100 000 mal über den Ladentisch ging. Meine Frage: besitzt die Jury evt. die Verkaufszahlen der einzelnen SDJ`s (Größenordnung), und zwar a) im Jahr der Prämierung und b)in den Folgejahren (z.B. bis zum Auslaufen der Lizenz)? Ich hoffe die Frage ist nicht zu indiskret.
18 Du bist auch Mitglied im Verein Deutsches Spiele-Archiv e. V. Welche Aufgaben und Ziele hat dieser Verein? Was ist deine Rolle in diesem Verein?
19 Wenn man einerseits Mitglied in der Jury SdJ ist, andererseits im Verein Deutsches Spiele-Archiv e. V, so kann es zu Interessenkonflikten kommen. Wie verhält man sich dann?
20 Das Spielearchiv ist als Institution bekannt. Welchen Nutzen haben (a) Spieler, (b) Spieleautoren, (c) Verlage und (d) Journalisten vom Spielearchiv?
21 In drei Wochen haben wir nun vieles dich und deine Arbeit, aber auch über die Jury SdJ und das Deutsches Spiele-Archiv erfahren. Du bist nun seit mehr als zwei Jahrzehnten in diesem Bereich tätig. Was macht dir an der Arbeit (noch) Spaß? Welche Ziele hast du für die Zukunft? Und wie lange möchtest du noch weitermachen?
22 Möchtest du unseren Lesern noch etwas mitteilen?


16. September:

Am 11. 9. erlebte die Welt den größten Terroranschlag ihrer Geschichte. Auch jetzt, einige Tage später, ist das Ausmaß dieses Anschlags nicht bekannt. Der Welt stockt der Atem angesichts des Geschehenen. Viele Spieler haben bereits geäußert, sie hätten momentan keine Lust zu spielen, andere spielen weiter, um mit ihren bescheidenen Möglichkeiten zu zeigen, dass sie sich nicht vom Terrorismus beherrschen lassen.

Eine immer wieder gehörte Äußerung, wenn es um die Vorliebe für das Spiel geht, ist die Eigenschaft des Spiels zu vereinen. Dies betrifft sowohl das Alter, als auf Abstammung, Kultur und viele andere Eigenschaften, in denen sich Menschen unterscheiden. Welchen Beitrag kann das Spiel wirklich zur Völkerverständigung und zum Frieden beitragen?

Gleichzeitig enthalten Spiele diverse Formen der Gewalt. Dies geht von unmoralischen Handlungen über Straftaten zu Krieg und Eroberung. Darf man Inhalte von Spielen mit der Realität vergleichen? In welchem Ausmaß ist Gewalt im Spiel zulässig, um das Spiel weiterhin als Spaß betrachten zu können? Und welche Bedeutung hat das Spiel angesichts der Ereignisse wie wir sie in den letzten Tagen erlebt haben?

Antwort: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele Menschen nach den Terroranschlägen in den USA sagen, sie hätten momentan keine Lust zu spielen. Der Kopf ist so voll, die Gedanken sind anderswo, man hat Mühe, sich auf Anderes zu konzentrieren. Man spürt, dass hier etwas passiert ist, das die Welt verändert, und zwar gewaltsam, auf schreckliche Art und Weise.
Wessen Ordnung zerstört wird, mag nicht spielen. Ein Todesfall in der Familie - wer spielt da noch? Beim Spielen begibt man sich für eine gewisse Zeit in eine andere Welt, man verschiebt seinen Standort. Was aber, wenn dieser Standort zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht vorhanden ist? In einem solchen Moment muss man sich selbst suchen. Und erst wenn man sich wieder gefunden hat, kann man - wie das im Spiel nötig ist - auf andere zugehen oder mit seiner eigenen Persönlichkeit spielen.

Ich hatte am Donnerstag Spielabend. Sind wir in der Regel ein Dutzend bis 20 Teilnehmende, so kamen diesmal nur sieben. Die übrigen hatten wohl keine Lust. Die andern aber meinten, jetzt müsse man erst recht spielen.

Ich bin auch dieser Meinung: Denn das Spiel vereint, und zwar über kulturelle und andere Grenzen hinweg. Ich nenne nur ein Beispiel. Das gemeinsame Carrom-Spiel hat sehr viel zur Integration der tamilischen Flüchtlinge in der Schweiz beigetragen. Spielt man, hat man sich bereits auf das Einhalten von Regeln geeinigt, was die Grundlage der friedlichen Koexistenz ist. Was will man noch mehr?

Es ist klar, dass sich das Spiel sehr oft auch um Wettbewerb und Konflikt dreht. Das ist nichts Schlechtes. Zum einen müssen sich im Spiel alle an die gleichen Regeln halten. Wer das nicht tut, ist ein Spielverderber und wird sanktioniert, indem man mit ihm nicht mehr spielt. Weil im Spiel für alle die gleichen Regeln gelten, haben auch alle Teilnehmenden die gleiche Chancen. Wenn man verloren hat, ist dies nicht endgültig, sondern kann nochmals von vorne beginnen mit neuer Chance.
Problematisch halte ich Spiele, bei denen man sich nicht mit spielerischen Mitteln gegen den drohenden Untergang wehren kann. Ich nenne als Beispiel nur "Rette sich, wer kann!", in dem in scheindemokratischer Manier bestimmt wird, wer aus dem Rettungsboot geschmissen wird. Ich gebe zu, dass ich dieses Spiel unheimlich gerne spiele und auch wütend werde, wenn es mich trifft. Nur: Vorsicht ist geboten, wenn Menschen mitmachen, die keine Frustrationstoleranz haben und dann diese Wut in sich hineinfressen.

Bei solchen Spielen muss man sich jedoch bewusst sein, dass zwischen Spiel und Realität eine klare Grenze besteht. Diese Grenze ist für das Spiel bestimmend: Das Spiel kommt nur zustande, indem man sich von der realen Welt in eine fiktive Welt hineinbegibt, die eigene Regeln hat, eine eigene Zeit und einen eigenen Ort. Wer das nicht respektiert, hat den Sinn des Spiels nicht verstanden. Deshalb darf es im Spiel auch keine Gewalt geben, weil das dem "wirklichen" Menschen weh tut. Nur: Vielleicht bin ich naiv, aber ich kenne im aktuellen Angebot kein Spiel, in dem Gewalt eine Rolle spielt. Oder ist das, was in "Rette sich wer kann!", "Intrige" oder "Krieg und Frieden" abspielt, Gewalt?

Ich sehe das nicht so. Vielmehr bin ich überzeugt, dass das gemeinsame Spiel an und für sich das Verständnis für Mitspieler und Mitmenschen fördert. Wenn es Spiele gibt, die tendenziell Aggressionen eher fördern, gibt es noch mehr solche, die eher demonstrieren, wie friedlich Zusammenleben trotz Wettbewerb und Auseinandersetzung sein kann.

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17. September:

Du bist, zumindest in Deutschland, mehr als Mitglied bzw. als 1. Vorsitzender der Jury "Spiel des Jahres" bekannt. Als wir dich unseren Leser vorstellen wollten, schauten wir zunächst auf dein Portrait auf der Website der Jury. Dort findet man ausführlich deinen journalistischen Werdegang, jedoch keine Informationen zu dir mit Bezug auf Gesellschaftsspiele. Wir kamst du zum Spielen und zum Spiele-Journalismus?

Wie ich zum Spielen gekommen bin? Es klingt banal: Ich habe bereits als Kind sehr viel gespielt. Offenbar sind damit so gute Erinnerungen verbunden, dass ich auch als Jugendlicher und Erwachsener gespielt habe. Ich bin als Zweitältester von sechs Geschwistern aufgewachsen. Sie waren zusammen mit Freunden die ersten Spielpartner. Gespielt haben wir die Klassiker wie "Eile mit Weile", "Halma", "Dame", "Reise durch die Schweiz", "Europareise". Einer unserer ersten Lieblinge war "Monopoly", obwohl es meine Mutter nicht gerne sah, wie wir mit Geld um unsschmissen. Kaum war "Malefiz" auf dem Markt, erhielten wir es schon als Weihnachtsgeschenk.

Als ich das Gymnasium besuchte, trat das Spiel ein wenig in den Hintergrund. Mehr Zeit für solche Spässe hatte ich dann während des Studiums, wo die Heyne-Taschenspiele meine Neugierde weckten. Die grossen Serien von 3M oder Parker waren für mich als armen Studenten schlicht unerschwinglich. Und trotzdem war es so, dass einer meiner Studienkollegen einmal sagte, er komme sehr gerne zu mir zu Besuch, weil da immer die neusten Spiele vorhanden seien.

Als Lokaljournalist in Basel lernte ich - als ich über die Neueröffnung eines Spieleladens berichten musste - Walter Luc Haas kennen. Er führte mich nicht nur in die große Welt des Spielens ein, sondern ermunterte mich auch, über Spiele zu schreiben. Als sich beim "Tages-Anzeiger" in Zürich Ende der siebziger Jahre beim Ausgeh-Magazin "Züri-Tipp" die Möglichkeit dazu ergab, begann ich meine regelmässige Spielrezensionen.Zuerst beim "Tages-Anzeiger", dann bei der "Berner Zeitung", dem "Bund", hierauf bei den "Luzerner Neusten Nachrichten" und der "Neuen Luzerner Zeitung" (wo ich heute noch schreibe) sowie bei der "Weltwoche" und unter Pseudonym beim "Brückenbauer", der rund eine Million Auflage hat.

Im Unterschied zu anderen habe ich auch immer regelmässig über die Branche oder über Personen, die für das Spiel wichtig sind, geschrieben, so zum Beispiel 1987 in der "Schweizer Illustrierten" eine zwanzigseitige Strecke über deutsche Spielautoren.

Von meiner Tätigkeit her als politischer Journalist lernte ich in den frühen achtziger Jahren Reiner Müller kennen, der damals noch beim "Vorwärts"-Verlag tätig war. Ich sagte ihm spontan zu, als er mich fragte, ob ich bei der neuen "Spielbox" mitmachen würde. Wer die ersten Ausgaben noch besitzt, kann dort meine Rezensionen lesen. Oder das erste Portrait über Johann Rüttinger, die Entstehungsgeschichte von "Malefiz" oder die ultimative Story über Puzzles.

Bei der Preisverleihung 1980 lernte ich in Essen erstmals die Jury "Spiel des Jahres" kennen. Die Folge dieses nachhaltigen Kontakts: 1982 hielt ich als jüngstes Jury-Mitglied die Laudatio auf "Sagaland".

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18. September:

Viele Spiele kommen in verschiedenen Gruppen unterschiedlich gut an. Durch seine Buch "Kleine Philosophie der Passionen: Spielen" wissen wir von Michael Knopf, dass er vorzugsweise mit ihm bekannten Menschen spielt. Knut Michael Wolf hingegen ist unter anderen auf diverses Spieltreffs und Presseveranstaltungen zugegen. Mit wem spielst du?
Als Mitglied der Jury "Spiel des Jahres" entscheidest du auch über den Preis "Kinderspiel des Jahres". Mit wem spielst du Kinderspiele?

Meine erste und wichtigste Spielgruppe ist die Familie: meine Frau Charlotte, mein Sohn Philipp (26), der zurzeit in Basel eine Dissertation im Fach Biochemie schreibt, und meine Tochter Katrin (24), die den Beruf einer Papeteristin (Schreibwaren und Papier) ausübt. Glücklicherweise haben sie mit Esther bzw. Adriano Partner, die ebenfalls sehr gerne spielen.
Meine zweite Gruppe ist der monatliche Spieletreff in der Ludothek Ostermundigen, den ich vor mehr als einem Dutzend Jahren ins Leben gerufen habe. Hier kommen bis zu zwanzig Spielerinnen und Spieler aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen. Es befinden sich wohl begeisterte Vielspieler darunter, aber keine Freaks. Wichtig ist für mich in diesem Rahmen der Erfahrungsaustausch über Spiele.

Spontan werden regelmässig Nachbarn zum Spiel eingeladen. Schliesslich spielen wir häufig in Vereinen oder Gruppen, die nichts mit Spielen zu tun haben.

Wichtig ist für mich auch die Beobachtung von Spielenden, sei es an Spielabenden oder an Spielveranstaltungen wie St. Gallen, Essen, Wien. Wie lesen sie Spielanleitungen, wie diskutieren sie, welche Eindrücke haben sie. Das gibt mir wertvolle Hinweise auf die Qualität eines Spiels.

Was Kinderspiele betrifft, verlasse ich mich auf die Erfahrungen mit Nachbarskindern oder Kindern von Arbeitskollegen.

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19. September:

Viele Spieler hegen Vorlieben für ein oder mehrere "Typen" von Spielen; so äußerte sich Dorothea Hess einmal dahingehend, dass sie gerne Legespiele spielt. Hast du bestimmte Spieletypen, die dir besonders gefallen? Wenn ja, was gefällt dir an diesem Typ Spiel so besonders?

Ich bin nicht der große Stratege oder Taktiker. Das heisst nicht, dass ich entsprechende Spiele nicht spiele. Ich bevorzuge jedoch Spiele, bei denen sich im Verlauf des Spiels auf dem Tisch etwas entwickelt. "Carcassonne" gehört dazu, um nur ein aktuelles Beispiel zu nennen, oder "Siedler von Catan". Die beiden zählen unbedingt zu meinen Top 10, wohl auch deshalb, weil nicht ein Kampf von Figur gegen Figur stattfindet.

Eine zweite Gattung, für die ich immer zu haben bin, sind Auktionsspiele, nicht zuletzt auch wegen des Bluffens. Bei diesen Spielen lernt man einander sehr gut kennen, weil man sehr viel Persönlichkeit mitgeben muss, um zum Erfolg zu kommen. Favorit: "Kuhhandel". Spiele, bei denen das Spiel mit der ganzen Persönlichkeit von Bedeutung ist, sind Kartenspiele. Man muss sich nicht auf ein Brett konzentrieren, das das Sichtfeld einengt, sondern kann sich auf die Karten und seine Mitspieler konzentrieren. Das gilt auch für Spiele mit verdeckten Karten wie "Heimlich & Co."

Schliesslich werde ich richtiggehend neidisch auf Autoren, die so genial-einfache Ideen haben wie "Sechs nimmt!", oder "Malefiz" und "Carcassonne", oder bekannte Spielideen zu etwas Neuem zusammenkomponieren, wie "Siedler von Catan".

Und ganz zum Schluss: Bei komplex-verrückten Sachen lese ich die Regeln, staune und lasse mich dann doch noch verführen, so bei einfacheren Wargames, aber auch beim "Herrn der Ringe" von Reiner Knizia, den ich für seinen Mut bewundere, diesen gewaltigen Stoff spielerisch in den Griff zu bekommen.

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20. September:

Deine Rezensionen sind außerhalb der Schweiz schwer erhältlich. Wie kommt man an sie heran?

Dazu erhielten wir eine spezielle Frage von Beat Zaugg: "Wird die Spieleseite bei der Neulancierung der Weltwoche wieder aufgenommen?"

Einige der Rezensionen sind über www.toy-net.ch zu finden, jene aus der "Neuen Luzerner Zeitung über www.zisch.ch Was die Spielseite der "Weltwoche" betrifft, so habe ich bei der Chefredaktion, die für die Neukonzeptionierung der Zeitung zuständig ist, meine dringende Bitte deponiert, bei der Neulancierung die aus Spargründen gestrichene Spielseite wieder einzuführen. Wir werden sehen.

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21. September 2001:

Als Rezensent lieferst du Informationen über Spiele. Wie aber informierst du dich über neue Spiele? Inwieweit nutzt du dabei das Internet?
Dazu erhielten wir eine spezielle Frage von Tobias Moos: "Wie stark (oder überhaupt) nutzen Sie das Internet als Entscheidungshilfe für das SdJ?"

Über Spiele informiere ich mich in Gesprächen mit den verantwortlichen Frauen und Männern in den Verlagen (Redakteure, Pressesprecher, Vorstände), mit Autorinnen und Autoren, mit der Lektüre von Rezensionen Dritter, wobei für mich hier die Fachzeitschriften wichtig sind. Daneben tausche ich meine Erfahrungen auch mit anderen Jury-Mitgliedern aus. Zusammen mit dem eigenen Spielerfahrungen bildet sich langsam das Urteil über ein Spiel heraus.

Als "Entscheidungshilfe" für "Spiel des Jahres" nutze ich das Internet nicht direkt. Hingegen lese ich regelmässig die einschlägigen Seiten im Internet, wobei mich nicht in erster Linie die Diskussion über die Jury interessiert ... sondern der Austausch über Spiele. Wenn zum Beispiel Regelunklarheiten diskutiert werden, trägt dies auch dazu bei, meinen Wissensstand zu verbessern. Manchmal habe ich jedoch den Eindruck, dass viel zu verbissen über minimste Details diskutiert wird, schlimmer noch als die Modellbau-Freak, die sich stunden- und seitenlang über Farbnuancen auslassen können, die ein menschliches Auge kaum mehr erkennt.

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22. September 2001:

Als Schweizer gehört du einem Land an, in dem vier Sprachen gesprochen werden. Wenn man die Schweiz mit Spielen verbindet, fallen einem zunächst Urs Hoststettler und sein Verlag "Fata Morgana" sowie das Spielfest in St. Gallen ein. Was kennzeichnet die Schweizer Spielekultur? Was unterscheidet sie von der deutschen und österreichischen Spielekultur? Und wie geht sie mit der Vielsprachigkeit um?

Eine eigentliche national geprägte Schweizer Spielkultur gibt es nicht. Schweizerinnen und Schweizer spielen so viel oder so wenig wie andere Menschen in Europa. Wesentlich für die Szene in unserem Land ist die Tatsache, das es bei uns praktisch keine Verlage mehr gibt. "Fata Morgana" ist einer, die "Spielwerkstatt Murmel" ein anderer, "Carlit" - eine hundertprozentige Ravensburger Tochter - ein dritter, der aber nur noch sehr wenig eigene Spiele produziert. Damit ist gleich gesagt, dass in der Schweiz auch das Verlagsumfeld fehlt, das gerade die deutsche Szene so reich macht. Es fehlen also - bis auf ganz wenige Ausnahmen Autorinnen und Autoren, es fehlen Redakteure, es fehlen Product Manager, Kolleginnen und Kollegen in den Pressestellen. Die Schweizer Spielelandschaft wird viel mehr von Importeuren und vom Handel geprägt, unter denen sich wohl einige befinden, die sich mit viel Kompetenz und Liebe zur Sache für das Spiel einsetzen. Die meisten aber haben das Spiel nur als Ware im Kopf, die abverkauft werden muss. Kommt hinzu, dass viele Importeure Spiele neben Spielzeug, Puppen und Eisenbahnen im Sortiment führen, weil mit Spielen allein nicht genügend Umsatz gemacht werden kann. Daraus ergibt sich beinahe von selbst, dass für das Spiel in der Schweiz relativ wenig gemacht wird. Es hängt also sehr viel von der Eigeninitiative Einzelner ab, sei es bei den Importeuren, im Handel usw.

Eine solche Eigeninitiative ist besonders bemerkenswert - die Schweizer Ludotheken. Nirgends sonst gibt es so viele Ludotheken wie in unserem Land. Sie werden in der Regel ehrenamtlich betreut von Frauen, welche beraten, ausleihen, Spiele einkaufen und einsortieren. Der Verband unternimmt sehr viel für die Aus- und Weiterbildung der Ludothekarinnen. Die erzielte Breitenwirkung ist enorm: Die Ludotheken sind die eigentlichen Spielzentren in der Schweiz.

Was wird in der Schweiz gespielt? Alles, was auf dem Markt erhältlich ist. Das Problem ist allerdings, dass es sehr lange dauert, bis ein Spiel aus einem kleineren oder mittleren deutschen Verlag in Schweizer Läden auftaucht (auch hier: es gibt Ausnahmen). Importeure sind einfach zu wenig risikofreudig, aus der Sicht der Konsumenten.

Besonders beliebt ist das Stichspiel mit Karten namens Jass. Die Regeln finden sich in den einschlägigen Büchern. Eine Besonderheit, die zeigt, dass sich in der Schweiz mehrere Kulturräume treffen: In der Deutschschweiz wird mit dem deutschen Blatt gespielt, in der Westschweiz mit dem französischen. Und noch genauer gesagt: Das deutsche Blatt ist dort das Traditionsblatt, wo im frühen Mittelalter die Alemannen zu Hause waren. Die "Franken" spielen heute noch mit Karo usw. Die meisten Schweizer bevorzugen ein Blatt, können aber mit beiden spielen.

An den Sprachgrenzen werden auch kulturelle Unterschiede sichtbar. Die französischsprachige Romandie richtet sich spielerisch nach Frankreich aus, die Deutschschweiz nach Deutschland. Das heisst auch, dass nicht überall die gleichen Spiele gespielt werden. So ist Jeux Descartes seit längerem in der Westschweiz bekannt, in der Deutschschweiz erst, seit es auch einen Vertrieb in Deutschland gibt.

Spiele mit mehrsprachigen Regeln (es gibt auch noch italienisch und rätoromanisch) sind aus Kostengründen selten, und es ist ein Horror von Schweizer Importeuren, dass die deutschen Verlage kaum fremdsprachigen Spielanleitungen (ausser englisch) liefern.

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23.September:

In der Jury SdJ sind überwiegend Deutsche vertreten. Es gibt mit Tom Felber und dir zwei Schweizer, derzeit aber keinen Österreicher. Wenn es neue Mitglieder für die Jury gibt, welche Kriterien müssen sie erfüllen und wer sucht sie aus? Findet dabei die Herkunft sowohl bezogen auf das Land (Deutschland, Schweiz, Österreich) als auch das Medium Berücksichtigung. Bzgl. des Mediums heißt es "Printmedium". Wurden andere Medien wie Fernsehen, Radio oder auch Internet bewusst ausgeschlossen und wenn ja warum?

Der Verein "Spiel des Jahres" ergänzt sich laut Satzung selbst. Es sind die Mitglieder, welche die Neumitglieder in den Verein wählen. Zur Mitarbeit in der Jury werden ausschliesslich Fachjournalisten berufen, die über Jahre hinweg in Publikumsmedien, bei Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunk- oder Fernsehanstalten fundiert über Spiele gearbeitet und  damit Kompetenz, Urteilsfähigkeit und Nachhaltigkeit nachgewiesen haben. Vorausgesetzt wird auch die Bereitschaft, sich für die Ziele des Vereins zu engagieren, was mitunter auch Opfer an Freizeit bedeutet. Neben der Fachkompetenz legen wir auch grossen Wert auf soziale Kompetenz und Teamfähigkeit. Unabdingbar ist schliesslich die Unabhängigkeit jedes einzelnen Mitglieds von der Spielebranche.

Sehr oft wird die Frage nach dem angeblich "vakanten Sitz Österreichs" gestellt. Die Frage geht von der irrigen Annahme aus, bei der Zusammensetzung der Jury spielten irgendwelche Quoten eine Rolle. So ist nirgends festgeschrieben, dass die Schweiz oder Österreich in der Jury vertreten sein müssten. Das ist auch gut so. Würde man nämlich Quotenregelungen einführen, bliebe es nicht gbei den "Ländervertretungen", und am Schluss würde - oh Gräuel! - sogar noch die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei über die Aufnahme entscheiden.

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24. September 2001::

Wolfgang ist hauptberuflich bei Bertelsmann beschäftigt. Dort gibt es eine Regelung, dass Mitarbeiter, auch die der Geschäftsleitung, spätestens mit 70 Jahren in den Ruhestand gehen müssen. Die Jury SdJ vergibt nun den Preis seit 23 Jahren und die Altersstruktur hat sich dabei auch nach oben bewegt. Inwieweit ist es notwendig, bei der Jury SdJ auf eine gemischte Altersstruktur zu achten und welche Maßnahmen werden dazu ergriffen?

Die derzeitige Altersstruktur der Jury "Spiel des Jahres" ist in der Tat nicht ganz unproblematisch. Wir sind uns dessen bewusst und suchen verstärkt nach Möglichkeiten, mit jüngeren Kolleginnen und Kollegen in Kontakt zu kommen. Leider müssen wir aber feststellen, dass sehr oft jüngere Medienschaffende mit viel Elan beginnen, über Spiele zu schreiben, dass aber plötzlich nach beruflichen Veränderungen die Zeit dafür fehlt. Und nicht selten kommt es vor, dass Verlage oder Chefredaktionen Spielkolumnen in Zeitungen und Zeitschriften aus Konzept- oder Kostengründen einfach streichen. Was nun? Damit fehlt nämlich auch eine der Voraussetzungen für eine mögliche Aufnahme in den Verein "Spiel des Jahres".

Allerdings bin ich auch der Meinung, dass die Jury nicht allzu viele Köpfe zählen sollte. Wer je eine stundenlange Diskussionsrunde mit einem Dutzend Journalisten geleitet hat, die ja alle zu Recht von ihrer Meinung überzeugt sind, weiss wovon ich rede ....

Und schliesslich: Wenn wir die Bertelsmann-Regelung für die Jury einführen wollen, käme sie erst in einigen Jahren zum Zuge.

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25. September 2001:

Es gibt den Verein "Spiel des Jahres", dem die Jury-Mitglieder angehören. Welche Aufgaben nimmt der Verein wahr? Können auch "normale" Spieler Mitglied werden? Wenn ja, was müssen sie dafür tun und was haben sie davon?

Diese Frage lässt sich kurz beantworten: Der Verein "Spiel des Jahres" steht nur Fachjournalisten offen, wobei der Verein selber bestimmt, wen er aufnimmt. Siehe Antwort auf die Frage vom 23. September.

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26. September 2001:

Gleich zwei Leser (Frank Gartner und Christian Schnabel) stellten je eine Frage, die wir wie folgt zusammenfassen möchten: Es gibt immer wieder Kritik an der Preisverleihung, vor allem auch stark im Internet. Wie gehst du mit dieser Kritik um? Wie groß ist der Anteil der positiven Kritik und wer äußert sie?

Es ist wie überall im Leben: Es scheint einfach schwieriger zu sein, Lob oder positive Kritik anzubringen als negative. Ich habe keine Mühe mit diesem Umstand, weil ich weiss, dass ich mich ja ähnlich verhalte, wenn es mich nicht betrifft ...

Wer sich exponiert, muss damit rechnen, dass seine Meinungen oder Handlungweisen nicht von allen jubelnd begrüsst werden. Das gilt für Medienschaffende wie für die Mitglieder von Gremien, die Preise und Auszeichnungen vergeben, und zwar von den Nobelpreisen über die Film-Oscars und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bis hin zu "Spiel des Jahres". Dabei ist es letztlich egal, welche Entscheide getroffen werden. Kritik kommt immer, weil Wahl immer auch immer Auswahl bedeutet, was wiederum zur Folge hat, dass solche gibt, die nicht ausgewält worden sind und dann Kritik am Entscheid üben. Das halte ich für völlig normal. Deshalb bin ich der Meinung: Wer Kritik nicht erträgt, hat in solchen Gremien nichts zu suchen.

In der Regel nehme ich solche Kritik zur Kenntnis und frage mich auch, ob sie berechtigt sei. Schliesslich sind wir nicht vollkommen, weder als Individuen noch als Gremium.

Was mich jedoch ärgert, wenn Kritik geäussert wird, ohne dass man sich die Mühe genommen hat, über die Hintergründe zu informieren. Oder wenn man bewusst Tatsachen ausblendet und mit Halbwissen, Halbwahrheiten und gar böswilligen Unterstellungen um sich schlägt oder seine Kritik auf Grund von Gerüchten äussert. Erschreckend finde ich auch die Besserwisserei und Rechthaberei, die Diskussionen unter Spielern in einem erheblichen Masse prägen. Sind denn Spieler unter sich wirklich so intolerant, frage ich mich nicht selten. Viele können nicht zuhören, sondern plaudern drauf los, als ob der "Gesprächspartner" nur aus Luft besteht. Und ebenfalls erschreckend finde ich die Verbissenheit, mit der über Spiele (und damit auch "Spiel des Jahres") geredet wird. Wo bleibt da die Gelassenheit die das Spiel und damit auch die Spieler auszeichnet?

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27. September 2001:

Von Christian Schnabel: "Mit Carcassonne scheint der "Jury Spiel des Jahres" in diesem Jahr erstmals seit den Siedlern von Catan wieder eine Prämierung gelungen zu sein, die sowohl Selten-, Familien- und Vielspieler als auch Freaks gleichermaßen begeistert. Wenn ich mich recht erinnere, hatten sie sich im Jahr 1995 frühzeitig auf die Siedler von Catan als SDJ festgelegt und dadurch einen wahren " Spieleboom" ausgelöst. Könnte ihrer Meinung nach Carcasonne einen ähnlichen Effekt erzielen?"

Ich hoffe, dass "Carcassonne" als "Spiel des Jahres 2001" einen ähnlichen Effekt auslösen wird wie seinerzeit "Die Siedler von Catan". Erfahrungen, die ich in Kreisen gemacht habe, die nicht zu Vielspielern zählen, stimmen mich in bezug auf "Carcassonne" optimistisch. Als "Spiel des Jahres" hat es in erster Linie die Aufgabe zu erfüllen, möglichst viele Menschen zum Spielen zu verführen. Auf diese Weise dient die Wahl dazu, den Vereinszweck der Jury zu erfüllen - die Förderung des Spielens in unserer Gesellschaft. Das haben die "Siedler" als neuer Klassiker erreicht, das wird auch "Carcassonne" gelingen.

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28. September 2001:

Von Frank Gartner: "Es gibt eine Vielzahl sehr guter Kartenspiele! Kartenspiele stehen auch immer wieder einmal auf der Auswahlliste, was mit Sicherheit eine Wertschätzung eines solchen Spiels darstellt. Dennoch haben sich Kartenspiele nie durchsetzen können (Anmerkung der PK: u. a. "verlor" 6 nimmt gegen Manhattan, Bohnanza gegen Mississippi Queen und Ohne Furcht und Adel gegen Torres) Ich gehe davon aus, dass dies aus rein kommerziellen Gründen geschieht Gewinnspanne zu gering)? Hat die Jury schon einmal über einen zusätzlichen Sonderpreis nachgedacht:"Bestes Kartenspiel"?"
Ergänzung der PK: Die Jury hält bis auf die Unterscheidung "Spiel des Jahres", "Kinderspiel des Jahres" und mancher Sonderauszeichnung an der Verleihung eines (Haupt)preises fest. Welche Gründe sprechen dafür (und auch dagegen)?

Die Meinung. dass Kartenspiele aus kommerziellen Gründen keine Chance hätten, "Spiel des Jahres" zu werden, trifft nicht zu. Es gibt keinen offiziellen Entscheid der Jury, dass ein Kartenspiel nie "Spiel des Jahres" werden könne. Es gibt nur Einzelmeinungen dazu. Bis jetzt ist es nicht gelungen, eine Mehrheit für ein Kartenspiel als "Spiel des Jahres" zu erreichen, obwohl einige Kartenspiele durchaus die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen.
Meinungen innerhalb der Jury sind nie abgeschlossen. Wir durchlaufen immer wieder Denkprozesse, in denen grundsätzliche Fragen gesetellt werden. Denn nur so kann die Botschaft von "Spiel des Jahres" ihr Gültigkeit trotz gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen bewahren. Diese Leistung hat die Jury in den 23 Jahren ihres Bestehens erbracht, es wird auch in Zukunft so bleiben.

Die Idee von Spartenpreisen - Kartenspiel des Jahres, Taktikspiel des Jahres usw. - ist in der Jury immer wieder diskutiert worden. Wir sind bisher aber immer wieder zur Überzeugung gelangt, dass man mit einer solchen Diversifizierung nicht die gleiche Öffentlichkeitswirkung erzielen würde wie mit einem Hauptpreis SPIEL DES JAHRES. Das sagt mit einem eingängigen Begriff alles. Dem ist nichts mehr beizufügen.

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29. September 2001:

Von Lüder Basedow: In ihrer Rede zum diesjährigen Spiel des Jahres schreiben Sie, dass die Verlage verstärkt Spiele mit einfachem Einstieg veröffentlichen würden, um das Kulturgut Spiel damit einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Zumindest kann ich keineswegs feststellen, dass sich der aktuelle Spiele-Jahrgang groß von dem der Vorjahre unterscheidet und dass mehrere Verlage Spiele mit einfachem Einstieg bevorzugen würden. Daher wirkt eine solche Äußerung für mich wie eine gezielte Beeinflussung der Verlagspolitik.
Finden Sie nicht, dass Sie mit einer solchen Äußerung die Machtposition der Jury zu sehr ausnutzen?

Die Jury hat durch ihr 23-jähriges Wirken wesentlich dazu beigetragen, dass es im deutschsprachigen Europa heute noch eine vitale Spielkultur gibt, die kräftig genug ist, um auch im 21. Jahrhundert zu überleben. Dessen sind sich alle bewusst, die in der Branche das Sagen haben, wie Gespräche mit führenden Vertretern der Branche immer wieder zeigen.

Wie hat die Jury dies erreicht? Zum einen durch die Signalwirkung, die von jeder einzelnen Auszeichnung ausgeht, zum andern durch eine kontinuierliche von hoher Fachkompetenz geprägte Überzeugungsarbeit innerhalb der Spielebranche. "Spiel des Jahres" kann sich glücklicherweise in diesem Bereich massgeblich auf das Deutsche Spielearchiv abstützen, wo diese Kompetenz auch physisch vorhanden ist.

Zu dieser Arbeit gehören neben den Spielkritiken der einzelnen Jurymitglieder Gespräche mit Autoren, Redaktoren und Verlagsvertretern, Stellungnahmen in Interviews, Präsenz an Messen und Veranstaltungen, Äusserungen an Pressekonferenzen sowie Reden und Vorträge.

Die Feststellung, dass die Verlage sich vermehrt wieder um einfachere, schlankere Spiele mit schnellem Einstieg bemühten, wird auch von anderen Beobachtern der Szene geteilt, und zwar auch von solchen ausserhalb der Jury. Wenn Reden über die Unterhaltung und das Pausenfüllen hinaus einen Sinn haben sollen, müssen sie etwas bewirken. Sonst würde man auch nicht die Arbeit auf sich nehmen, die in einer Rede steckt. Ich will mit meinen Reden durchaus Einfluss nehmen auf die Spieleszene. So habe ich die Autoren und Verlage dazu aufgerufen, den Spielern etwas zuzumuten.

Im vergangenen Juni wollte ich sie daran erinnern, sich vermehrt an den Bedürfnissen des breiten Spielpublikums zu orientieren. "Kundennähe" heisst in allen Branchen das Zauberwort, warum nicht auch in der Spielebranche?

Als Vorsitzender der Jury "Spiel des Jahres" habe ich selbstverständlich ein Privileg: Ich kann meine Meinung zum Beispiel am Gala-Abend in Berlin äussern, wo jene Hundertschaft von Menschen anwesend ist, die wesentlich darüber entscheidet, wohin die Zukunft des deutschsprachigen Gesellschaftsspiels geht. Jeder Vereinsvorsitzende nutzt eine solche Gelegenheit, um seine Botschaft in die Öffentlichkeit zu tragen. Wer es unterlässt, ist selber schuld.

Ist das Ausnützen einer "Machtposition"? Nie und nimmer. Letztlich wird immer noch in Ravensburg, München, Dietzendorf, Dreieich oder Berlin entschieden, was nächstes Jahr auf den Markt kommt. Und nicht in Marburg!

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30. September 2001:

Idee von Arno Hofer: In immer mehr Ländern werden ein oder auch mehrere Spiele ausgezeichnet. Zuletzt entstand der österreichische Preis "Spiel der Spiele". Was ist von dieser Entwicklung zu halten? Wir stehen mit der Währungsreform kurz vor einem der wichtigsten Schritte für ein vereintes Europa (wenn derzeit auch ohne die Schweiz). Was ist von einem europäischen Spielepreis zu halten. Wie könnte so etwas bei den verschiedenen Sprachen und Kulturen aussehen?

Vorauszuschicken ist, dass es sich bei "Spiel des Jahres" um einen Preis für das deutschsprachige Europa handelt. Die Initianten haben bei der Gründung des Vereins bereits übernational gedacht. Das war auch richtig. Denn man kann, wie der Alltag zeigt, von einer mehr oder weniger einheitlichen Spielekultur innerhalb dieses geographischen Raums sprechen.

Eine gesamteuropäische Spielekultur gibt es jedoch nicht. Italiener spielen anders als Franzosen und diese wiederum anders als die Menschen in den skandinavischen Länndern. Deshalb wäre es meiner Ansicht nach auch völlig unlogisch, einen europäischen Spielepreis zu schaffen. Ich wüsste nicht, welchen Titel man im vergangenen Jahr hätte wählen sollen.

Ich halte es jedoch durchaus für möglich, dass in den einzelnen Ländern eigene Jurys Auszeichnungen für ihr Land vergeben, und zwar nach Kriterien, die für alle gleich sind. Im Falle von "Spiel des Jahres" würde zum Beispiel die Unabhängigkeit von den Verlagen unabdingbar sein. Doch da tauchen schon die Probleme auf: Wer kontrolliert das? Und wer finanziert dann die Juryarbeit, wenn das nicht über Lizenzeinnahmen möglich ist (es werden in anderen Ländern erheblich geringere Stückzahlen verkauft!). Kommt noch hinzu, dass Deutschland wohl das einzige Land ist, in dem es auch genügend Spielekritiker gibt, aus der sich eine Jury wie die von "Spiel des Jahres" rekrutieren kann.

Neu ist der Gedanke Arno Hofers auch für die Jury "Spiel des Jahres" nicht. Wir führen immer wieder informelle Gespräche mit Kollegen in Schweden oder Italien über die Frage, wie man den Gedankenaustausch intensivieren könnte. Es ist alles im Fluss.

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1. Oktober 2001:

Von Frank Gartner: "Ich denke viele Spieler würde interessieren, welche kommerziellen Randbedingungen der Spiel-des-Jahrs-Pöppel hat, d.h. kann sich ein Kleinverlag die Auszeichnung leisten? Welche Abgaben muss ein Verlag pro verkauften Spiel für den Pöppel zahlen? Werden Unterschiede zwischen "Auswahlliste" und "Spiel des Jahres" gemacht? Was geschieht mit diesen Zahlungen? In wie weit wird die Jury für ihre Arbeit entlohnt?"

Kleinverlage können sich die Auszeichnung problemlos leisten. Denn bei der Auswahlliste wird - gerade zum Schutz der Kleinverlage - für die ersten 10'000 Spiele keine Lizenzgebühr erhoben. Für die Hauptpreise, die nominierten Spiele und für die Sonderpreise müssen ein paar Pfennige pro Spiel bezahlt werden. Dabei steht es jedem Verlag, der ein ausgezeichnetes Spiel in seinem Angebot hat, frei, den Lizenzvertrag mit dem Verein "Spiel des Jahres" zu unterzeichnen. Er ist also nicht dazu verpflichtet. In diesem Fall darf er jedoch nicht mit dem bekannten Logo "Spiel des Jahres" werben. Der Vertrag mit der Jury regelt die Art und Weise, wie das Signet dargestellt werden darf, die Laufzeit der Verwendung sowie die Höhe und den Zeitpunkt der Lizenzzahlung.

Die Lizenzeinnahmen setzt die Jury ausschliesslich zur Durchführung ihrer satzungsemässen Aufabe ein, das Spiel in Familie und Gesellschaft zu fördern. Dazu gehören die Finanzierung der Geschäftsstelle in Marburg, eine intensive Öffentlichkeitsarbeit mit Präsenz auf den wichtigen Spielmessen und -veranstaltungen wie Nürnberg, Essen, Wien, München und St. Gallen. Da die Jury kein gemeinnütziger Verein ist, muss sie auch Steuern bezahlen.

Die Jurymitglieder leisten ihre Arbeit ehrenamtlich, werden also nicht "entlohnt". Sie erhalten lediglich einen Ersatz der Kosten nach den steuerlichen Richtlinien oder gegen Vorlage der Belege. Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang, dass alle Jurymitglieder einen Teil ihres jährlichen Urlaubs für ihr Hobby opfern.

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2. Oktober 2001:

Christian Schnabel: "Ein "Spiel des Jahres" soll sich bis zu 500 000 mal pro Jahr verkaufen. Gerüchte besagen, dass Torres nur 100 000 mal über den Ladentisch ging. Meine Frage: besitzt die Jury evt. die Verkaufszahlen der einzelnen SDJ`s (Größenordnung), und zwar a) im Jahr der Prämierung und b)in den Folgejahren (z.B. bis zum Auslaufen der Lizenz)? Ich hoffe die Frage ist nicht zu indiskret.

Was die Verkaufszahlen von Hauptpreisträgern oder anderen ausgezeichneten Spielen betrifft, so muss ich auf die Informationen der Verlage verweisen. Die aufgrund der Lizenzverträge von den den Verlagen gemachten Angaben sind vertraulich und dürfen von uns nicht bekanntgegeben werden. Das ist auch der Grund, weshalb die Abwicklung nicht in der Geschäftsstelle, sondern über ein Treuhandbüro besorgt wird.

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3. Oktober 2001:

Du bist auch Mitglied im Verein Deutsches Spiele-Archiv e. V. Welche Aufgaben und Ziele hat dieser Verein? Was ist deine Rolle in diesem Verein?

Der Verein Deutsches Spiele-Archiv e.V. ist, wie der Name besagt, Träger des Deutschen Spiele-Archivs in Marburg. Meine Mitgliedschaft in diesem Verein ist Ausdruck der engen Verbindung zwischen den beiden Institutionen.

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4. Oktober 2001:

Wenn man einerseits Mitglied in der Jury SdJ ist, andererseits im Verein Deutsches Spiele-Archiv e. V, so kann es zu Interessenkonflikten kommen. Wie verhält man sich dann?

Es gibt konkret eine sensible Schnittstelle zwischen dem Verein "Spiel des Jahres" und dem Deutschen Spiele-Archiv, und zwar dort, wo das Archiv als Geschäftsstelle von "Spiel des Jahres" funktioniert. Damit es hier nicht zu Friktionen kommt, ist dieses Verhältnis in einem Geschäftsbesorgungsvertrag umschrieben, der festlegt, was die Geschäftsstelle zu welchen Kosten für den Verein besorgt. Für die Öffentlichkeit scheint mir jedoch wenig relevant zu sein, wie die beiden Vereine ihr internes Verhältnis regeln. Der im Frühjahr 2001 immer wieder erwähnte Interessenkonflikt war letztlich nur ein Vorwand, um zu verdecken, worum es grundsätzlich ging - einen Machtkampf innerhalb der Jury. Solches kommt in jedem Verein immer wieder vor; man sollte den Vorfall deshalb auch nicht dramatisieren. Entscheidend ist für uns, dass der Verein unabhängig von den Personen, die ihn gegenwärtig tragen, zukunftsfähig gemacht wird. Arbeitsgruppen machen sich derzeit in diesem Zusammenhang intensiv Überlegungen. Da der Verein alles Interesse daran hat, dass das Archiv auch in Zukunft besteht, betreffen die Überlegungen auch die künftige Trägerschaft des Deutschen Spiele-Archivs.

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5. Oktober 2001:

Das Spielearchiv ist als Institution bekannt. Welchen Nutzen haben (a) Spieler, (b) Spieleautoren, (c) Verlage und (d) Journalisten vom Spielearchiv?

Kompetente Auskünfte zu diesen Fragen kann das Deutsche Spiele-Archiv direkt geben. Ich verweise auf die Homepage des Archivs

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6. Oktober 2001:

In drei Wochen haben wir nun vieles dich und deine Arbeit, aber auch über die Jury SdJ und das Deutsches Spiele-Archiv erfahren. Du bist nun seit mehr als zwei Jahrzehnten in diesem Bereich tätig. Was macht dir an der Arbeit (noch) Spaß? Welche Ziele hast du für die Zukunft? Und wie lange möchtest du noch weitermachen?

Das Engagement für "Spiel des Jahres" macht mir so lange Spass, als ich das Gefühl habe, dass ich zusammen mit der Jury und vielen andern, die die gleichen Ziele haben, für das Spiel noch etwas bewegen kann. Entscheidend ist für mich auch, dass sich über dieses Engagement auch die bereits bestehenden zwischenmenschlichen Kontakte noch weiter vertiefen und neue knüpfen lassen.

Als kurz- und mittelfristiges Ziel habe ich mir die Schaffung neuer Strukturen für Verein und Spiele-Archiv gesetzt. Das ist ein ungemein schwieriger Prozess, der mehr Facetten aufweist, als es auf den Blick erscheint.

Und wenn ich einen Wunsch frei habe: Dass die Preisverleihung von "Spiel des Jahres" einmal zur Hauptsendezeit von der ARD live übertragen wird

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Ich möchte so lange weitermachen, als mir die Sache Spass macht, das heisst, dass ich durch die Erfahrungen und Erlebnisse, die ich im Zusammenhang mit "Spiel des Jahres" habe, bereichert werde. Ein konkretes Rücktrittsdatum möchte ich nicht bekannt geben.

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7. Oktober 2001:

Möchtest du unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Ich staune immer wieder, mit welcher Verbissenheit in Deutschland das Thema Spiel, Spielen und Spieler behandelt wird. Ich wünsche mir viel mehr Gelassenheit, Toleranz anderen Meinungen gegenüber, weniger Rechthaberei, besseres Zuhörenkönnen, mehr Offenheit. In diesem Sinne danke ich allen, die dieses Interview mitverfolgt haben und wünsche uns allen noch tausend gute Spiele.

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